Presseberichte aus dem Jahr 2000:                [ zurück ]
SZ vom 17.10.00: Eine Chance für die Jugend
SZ vom 17.10.00: Keine abknickende Vorfahrt mehr  
SZ vom 26.09.00: Verkehrsberuhigt 
SZ vom 25.07.00: Die Halle ist mit Teeröl überzogen  
SZ vom 02.12.97: Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit  
       

  

Ausgabe 147 vom 17.10.2000

Eine Chance für die Jugend

Zollabfertigungsbäude in Schlutup könnte ein Begegnungszentrum werden

Was wird aus dem ehemaligen Zollabfertigungsgebäude in Schlutup? Zur Zeit wird nur eine Hälfte des Hauses an der Mecklenburger Straße genutzt: Seit Sommer 1999 ist hier ein Jugendzentrum der Arbeiterwohlfahrt untergebracht. Für die übrigen Räume gibt es bisher lediglich unterschiedliche Nutzungskonzepte: Ein Förderverein setzt sich seit geraumer Zeit dafür ein, daß darin ein Grenzmuseum eingerichtet wird, in dem insbesondere die lokale Situation der deutschen Teilung berücksichtigt werden soll (die SZ berichtete). Die Verwaltung aber steht diesen Plänen skeptisch gegenüber. Auf einer gemeinsamen Tagung mit Vertretern des Fördervereins, der Verwaltung, der Bürgerschaftsfraktionen sowie MuseumsexpertInnen aus ganz Deutschland wurde Mitte September über eine schlüssige Nutzung beraten. Aus Teilnehmerkreisen hieß es im Anschluß, daß zwar viele interessante Modelle vorgestellt worden seien; doch dies habe zur Folge, daß damit die Frage einer endgültigen Nutzung unbeantworteter als vorher sei.

Das ehemalige Zollabfertigungsgebäude
in Schlutup soll ein Ostsee-Jugend-Begegnungszentrum werden.
 Das schlägt Jan Lindenau (kl. Foto) vor.

(Fotos: T. Wewer, M. Erz):

Nun mischt sich der "Vormann der Jugendhanse", Jan Lindenau, der bis vor kurzem im Unabhängigen Lübecker Jugendrat aktiv war, mit einer eigenen Idee in die Diskussion ein: Nach seiner Vorstellung könnte in dem Gebäude ein Ostsee-Jugend-Begegnungszentrum angesiedelt werden. Der Dialog mit Jugendlichen aus dem Ostseeraum, der Ausbau länderübergreifender Projekte und die nachbarschaftlichen Beziehungen, die dadurch entstünden, seien eine "Chance für die Zukunft eines friedvollen Europas". Dem Vernehmen nach unterstützt die SPD-Bürgerschaftsfraktion dieses Konzept. Doch weil dies finanzielle Auswirkungen hätte, muß sie sich erst mit ihrem Kooperationspartner, der CDU-Fraktion, einigen.

In den vorhandenen Räumen des ehemaligen Zollabfertigungsgebäudes sollen nach Lindenaus Vorstellungen die bereits bestehenden Infrastrukturen größtenteils erhalten bleiben. So könnten beispielsweise die damals genutzten "Verwahrzellen" durch ein Fenster ergänzt werden und als Einzelzimmer für JugendgruppenleiterInnen dienen.

In weiteren Räumen würden Schlafräume (Vier-bis Sechs-Bettzimmer), ein Gruppenraum mit Küchenzeile sowie Sanitärbereiche geschaffen beziehungsweise renoviert. Die Räumlichkeiten sollen im Eingangs- bereich mit kleinen mehrsprachigen Informationsschildchen versehen werden, die über die ursprüngliche Nutzung des Raumes informieren, "um den BesucherInnen die geschichtliche Bedeutung näherzubringen", so Lindenau.

Auf den Fluren im Erd- und Untergeschoß soll eine Dauerausstellung mit Berichten von Zeitzeugen, Bildern und kleinen Exponaten geschaffen werden, die über die deutsch-deutsche Teilung Aufschluß gibt.

Als Seminarräume können die Gruppenräume des bestehenden Jugendzentrums mitgenutzt werden. Ebenso sollte die Arbeiterwohlfahrt, die bereits die Leitung des Jugendtreffs innehat, auch die Verwaltung des Begegnungszentrums übernehmen. Nicht zuletzt deshalb hat Lindenau das Konzept gemeinsam mit dem Leiter des Jugendzentrums, Pito Bernet, erarbeitet.

Vereine aus dem Stadtteil, aber auch andere Institutionen der Stadt und des Landes könnten hier Seminare und Workshops anbieten. Da hinter dem Gebäude eine Freifläche vorhanden ist, die bei Bedarf als Zeltfläche erschlossen werden könnte, sei eine Nutzung durch Pfadfinder und ähnliche Gruppen ebenfalls möglich.

Zur Finanzierung der notwendigen Umbaumaßnahmen schlägt Lindenau vor, Fördergelder der Europäischen Union ebenso wie des Landes Schleswig-Holstein einzuwerben. Daneben könne man bei Stiftungen vorstellig werden, etwa der Stiftung west-östliche Begegnungen in Berlin oder der Possehl-Stiftung.

Die laufenden Kosten könnten laut Lindenau aus den Vermietungseinnahmen gedeckt werden. Er legt rund 20 000 Mark jährliche Betriebskosten zugrunde und rechnet mit etwa 2000 Gästen pro Jahr (bei 143 Tagen Auslastung). Dann könnte ein Übernachtungspreis von zehn Mark genommen werden, der "attraktiv" für Jugendverbände und -gruppen sei und daher einen "Wettbewerbsvorsprung" darstelle.

Und Lindenau hat auch überlegt, wie er auf die Gästezahlen kommt: durch gezieltes Marketing. Das heißt für ihn, gezieltes Anschreiben der weit über 200 Jugendorganisationen im Ostseeraum, die man über den european youth congress - das ist die Initiative für europäische Jugendbegegnung, in der Lindenau ebenfalls aktiv ist - erreichen könnte.

Ferner könne man über die Jugendhanse direkte Kontakte zu allen Hansestädten im Ostseeraum aufnehmen.

Nicht zuletzt könnten die Räumlichkeiten den Lübecker Schulen zum Beispiel für Austauschprojekte angeboten werden, die dadurch eine günstige Übernachtungsmöglichkeit erhielten. Immerhin sei der Jugendtreff mit zwei Buslinien zu erreichen und liege nur 15 Busminuten vom Hauptbahnhof und vom Zentrum entfernt.

Bei der Verwaltung dürften Lindenaus Vorstellungen ebenfalls recht positiv aufgenommen werden. Denn die Stadt müßte 250 000 Mark an die Bundesvermögensanstalt zurückzahlen, wenn etwa ein Museum im Zollabfertigungsgebäude eingerichtet werden würde. Dieser Preisnachlaß wurde der Stadt seinerzeit beim Kauf der Immobilie nämlich nur gewährt unter der Maßgabe, es für Jugendzwecke zu nutzen.

Außerdem würde ein Museum den städtischen Haushalt mit rund 280 000 Mark inklusive Personalkosten jährlich belasten.

Gegen ein Museum spricht aus Sicht der Verwaltung ferner, daß sich bereits rund 30 Einrichtungen entlang der innerdeutschen Grenze mit dem Thema deutsch-deutsche Teilung beschäftigen.

Wegen der "Nutzung für Jugendzwecke" plädieren die Mitglieder des Fördervereins für ein Grenzmuseum zwar ebenfalls dafür, Jugendliche verstärkt einzubinden, sie wollen aber grund- sätzlich an der "Museums"-Idee festhalten. Und was die Personalkosten angeht, wollen sie sich selbst so weit wie möglich ehrenamtlich einbringen und außerdem für eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme sorgen.

Christa Gieseler, die Vorsitzende des Fördervereins, kündigte gegenüber der SZ an, daß man bis November ein Museumskonzept vorlegen werde, basierend auf den Vorstellungen des Vereins sowie Ideen, die der Leiter der Geschichtswerkstatt Herrenwyk, Dr. Wolfgang Muth, in dem gemeinsamen Gespräch Mitte September skzizziert
habe. Was dann letztendlich umgesetzt werde, sei allerdings nicht allein Sache des Vereins, schränkte Gieseler ein. Man sei aber nach dem Expertengespräch "guten Mutes."

Doch das scheint Jan Lindenau nicht zu entmutigen. Er hatte sich bereits in der Initiative "anbieten statt verbieten" engagiert, die sich - mit Erfolg - für die Errichtung des Jugendtreffs in Schlutup eingesetzt hat. Deshalb ist er zuversichtlich, daß auch seine neue Idee zum Schluß alle Beteiligten überzeugen wird. Denn er hält die "Museums"-Idee allein für nicht ausreichend. Dafür aber sein Konzept: Denn die Jugendbegegnung im Ostseeraum werde, so Lindenau, angesichts des europäischen Einigungsprozesses und der Osterweiterung der Europäischen Union ein wichtiger Zukunftsbaustein, um das Zusammenwachsen und -arbeiten der zukünftigen Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu fördern.

  

Ausgabe 147 vom 17.10.2000

Keine abknickende Vorfahrt mehr

Auf Anordnung der Straßenverkehrsbehörde wurde in Schlutup die Vorfahrtsregelung auf der Mecklenburger Straße geändert: die abknickende Vorfahrt des Palinger Weges ist wieder aufgehoben. Der Verkehr auf der Mecklenburger Straße hat uneingeschränkt Vorfahrt. Im Rahmen der Verkehrsberuhigung hatte man sich für die abknicken- de Vorfahrt entschieden, doch nach Polizeierkenntnissen hatte sich die Einmündung mittlerweile zu einem Gefahrenpunkt entwickelt. Als Ersatz für dieses Beruhigungselement werden auf dem Abschnitt zwischen Palinger Weg und dem ehemaligen Zollabfertigungsgebäude mehrere Fahrbahnverschwenkungen eingerichtet, die nur einspurigen Verkehr erlauben.

  

Ausgabe 144 vom 26.09.2000

Verkehrsberuhigt

Schlutup: Bauarbeiten haben begonnen

Die Baumaßnahmen zur Verkehrsberuhigung der Mecklenburger Straße, Ortsdurchfahrt Schlutup, wurden vergangene Woche wieder aufgenommen, so der Bereich Verkehr. Nachdem Mitte dieses Jahres die Arbeiten am ersten Bauabschnitt zwischen Palinger Weg und Ortseingang Schlutup - aus Richtung Selmsdorf - abgeschlossen wurden, beginnen nun die baulichen Aktivitäten im zweiten Bauabschnitt, der den Bereich der Mecklenburger Straße zwischen Fabrikstraße und der Straße "Hintern Höfen" umfaßt. Im ersten Abschnitt wurden die bisherigen provisorischen Maßnahmen zur Geschwindigkeitsdämpfung durch entsprechende Umbauten ersetzt.

Innerhalb der nächsten elf Wochen sind die Sanierung der Fahrbahn, die Verbreiterung des straßenbegleitenden Radweges auf der südlichen Straßenseite der Mecklenburger Straße und die abschnittsweise Sanierung des Radweges auf der Nordseite der Mecklenburger Straße geplant.

Außerdem werden die bisher an zahlreichen Stellen in der Mecklenburger Straße aufgestellten Blumenkübel nur noch an ausgewählten Bereichen eingesetzt. Beispielsweise dort, wo zukünftig Kurzzeitparkzonen entstehen beziehungsweise im Eingangsbereich der Verkehrsberuhigung östlich der Einmündung der Fabrikstraße in die Mecklenburger Straße.

  

Ausgabe 135 vom 25.07.2000

Die Halle ist mit Teeröl überzogen

Die Lübecker Hafengesellschaft saniert das verseuchte Pfleiderer-Gelände

Die Lübecker Hafengesellschaft (LHG) saniert ein Gelände voll chemischer Altlasten an der Fabrikstraße in Schlutup, das sie Ende der 90er Jahre von der Firma Pfleiderer gekauft hat. Diese imprägnierte dort Telegraphenmasten und Bahnschwellen mit Schwermetallsalzen und Teeröl. Es war bekannt, daß das Gelände saniert werden mußte; das Geld, das die LHG damals beim Kauf sparte, steckt sie heute in die Sanierung. Karsten Brüning von der LHG, Leiter des Terminal Schlutup, ist jedoch "froh, daß wir das Grundstück erwerben konnten". Es liegt günstig, direkt neben dem großen Papier- und Zellstoffterminal der LHG, wo jedes Jahr rund eine Million Tonnen Papier umgeschlagen wird. Brüning arbeitet zur Zeit an Plänen, wie das neue Gelände nach der Sanierung genutzt werden kann.

Die Imprägnierhalle ist dunkel von Teeröl, alles ist glitschig, die weißen Schutzanzüge der Arbeiter sind nach kurzer Zeit schwarz verschmiert: Sanierungsalltag.

(Foto: M. Rulfs)

 

Haltbar durch Metallsalze

Eine Luftaufnahme von Ende der 50er Jahre zeigt das Gelände der Firma Pfleiderer im Hochbetrieb: Neben der heute noch stehenden Imprägnierhalle gab es eine Anzahl weiterer Hallen und Gebäude; wasserseitig lagerten dicht an dicht rohe helle Baumstämme, zur Fabrikstraße hin war das Gelände bedeckt mit dunklen, bereits behandelten Masten und Pfählen.

Auf Schienen wurden die Hölzer mit Loren in die Imprägnierhalle direkt in große Tanks hineingefahren. Die Tanks wurden mit heißem Teeröl gefüllt, in dem die Hölzer so lange blieben, bis sie völlig durchtränkt waren. Über einem Abtropfbecken außerhalb der Halle wurde das Holz bis zur Trocknung gelagert.

Der Geruch von Teeröl, der im Sommer auch alten Bahnschwellen entströmt, liegt heute noch schwer über der Imprägnierhalle. Tanks, Rohre, Boden und Wände sind mit Teeröl überzogen. Arbeiter in hohen Gummistiefeln und weißen, nach kurzer Zeit teerölschwarzen Schutzanzügen sind dabei, die Halle in ihre Einzelteile zu zerlegen. Gleichzeitig pumpt ein Tankwagen die flüssigen Rückstände vom Grund der Halle ab. "Eine eklige Arbeit", so der Sachverständige Hans-Ulrich Mücke, der das Sanierungskonzept erstellt hat und die gesamte Sanierung leitet und überwacht.

Die Halle und das sie umgebende Gelände sind so stark mit PAKs, Phenolen, Quecksilber, Chrom und Arsen verseucht, daß das Erdreich mit einer bis zu 14 Meter tiefen Wand gegen die Umgebung und das Grundwasser abgedichtet werden soll. Von oben her wird das Gelände erst provisorisch verschlossen, später zusammen mit dem gesamten Gelände versiegelt. Eine Grundwasser-Reinigungsanlage soll installiert werden, die das Grundwasser in diesem "Topf" ansaugt und gereinigt in die Trave leitet.

Ein Kontaminationsherd unbekannten Ursprungs, der sich im Lauf der Messungen als stark arsenbelastet erwiesen hat, liegt im Bereich einer Erdaufschüttung im Westen des Geländes. Hier ist das Arsen punktmäßig konzentriert, es sieht aus, so Mücke, als habe hier "immer mal jemand eine Schubkarre voll abgeladen". Insgesamt rechnet er mit einem Abschluß der Sanierungsarbeiten zum Jahresende.

  

Ausgabe 3 vom 2.12.1997

Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit

Aus dem Stadtteil Schlutup ist an den Ombudsmann ein Problem herangetragen worden, das nicht nur für die Fragesteller von Bedeutung ist, sondern auch Bedeutung grundsätzlicher Art hat. Es geht um die Frage, in welchem Umfange insbesondere ordnungsrechtliche Vorschriften, die für gewerbliche Unternehmen ihren Sinn haben, in gleicher Weise auch anwendbar sein müssen für ehrenamtliche Tätigkeiten.

Konkret geht es um folgendes: Beim Schlutuper Altstadtfest mußten nach den ordnungsrechtlichen Vorschriften bei den kleinen Privatständen für die Erteilung von Genehmigungen offensichtlich erhebliche Gebühren verlangt werden.

Die Erlöse des Stadtfestes kamen der Jugendarbeit des TSV Schlutup zugute, also einem gemeinnützigen Zweck. Der Umstand, daß Gebühren von nicht unerheblicher Höhe gefordert wurden, führte dazu, daß die kleinen Gewinne aus dem Verkauf von Getränken und Speisen durch diese Gebühren aufgefressen wurden.

Das Ziel ehrenamtlicher Arbeit kann auf diese Art und Weise erheblich beeinträchtigt werden, auch das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, sich für derartige Projekte einzusetzen, wird darunter leiden.

Die Angelegenheit wird zur Zeit mit den Fachämtern erörtert. Unabhängig davon, wie aufgrund der Rechtslage letztendlich entschieden werden muß, wird der Ombudsmann weiterhin die Initiative ergreifen, daß in vertretbarem Umfange bestehende Gesetze durch entsprechende Formulierungen den Eigenarten ehrenamtlicher Veranstaltungen zukünftig Rechnung tragen.