Presseberichte aus dem Jahr 2001:               [ zurück ]
SZ vom 25.09.01: Experten: Keine Gefahr durch Arsen 
SZ vom 18.09.01: Lübecks ältester Bürger ist 106 
LN vom 18.09.01: Selmsdorf kontra Lübeck: Streit um Gewerbegebiet 
SZ vom 11.09.01: SPD-OV Schlutup gegen Gewerbegebiet 
LN vom 11.08.01: Umgehung Schlutup: Streit in der CDU
LN vom 10.08.01: Lübecks CDU warnt vor Verkehrsinfarkt
LN vom 09.08.01: Anwohner lehnen die Schlutuper Umgehung ab: "Zehn Jahre zu spät" 
SZ vom 07.08.01: Schlutup atmet auf: Straße kommt  
SZ vom 07.08.01: Lübecks Fischer haben Sorgen 
LN vom 03.08.01: Zwölf Jahre nach der Wende: Schlutuper Umgehung wird endlich vollendet 
SZ vom 17.07.01: Nur für Autofahrer zu erreichen 
SZ vom 03.07.01: Allein unter Frauen 
SZ vom 26.06.01: Wiederaufnahme der Fährverbindung zwischen Schlutup und Herrenwyk 
LN vom 26.06.01: Zu viele kranke Kollegen: Da blieb die Feuerwache dicht 
SZ vom 05.06.01: Sorgen um Altlastenfläche in Schlutup 
LN vom 27.02.01: Neustadt verliert Wasserschutzpolizei 
SZ vom 20.02.01: Altlasten der Laster
 

  

Ausgabe 195 vom 25.09.2001

Experten: Keine Gefahr durch Arsen

Sanierungskonzept für "Pfleiderer-Gelände" greift Sauberes Trinkwasser


Bohrungen auf dem Pfleiderer-Gelände.   (Foto: C. Kautz)

Die Altlastenfläche in Schlutup, das sogenannte Pfleiderer-Gelände, stellt keine Gefahr für das Trinkwasser dar, auch ist das Grundstück nicht Ursache für die teils erhöhten Arsenwerte im Hauptgrundwasserleiter (HGWL). Diese übereinstimmenden Aussagen haben am Donnerstag Abend gleich drei Fachleute gegenüber den Mitgliedern des Umweltausschusses getroffen.

Damit ist aber auch klar: Das aufwendige und bislang bereits über vier Millionen Mark teure Sanierungskonzept für diese mit verschiedensten Schadstoffen belastete ehemalige Schwellentränke greift. Fast alle Ausschußmitglieder sprachen sich denn auch nach rund zweistündiger Erörterung dafür aus, das Thema Arsen und Pfleiderer nun endlich abzuschließen.

Sanierung für
"Pfleiderer" steht

Die Sanierung des mit Schadstoffen belasteten "Pfleiderergeländes" in Lübeck-Schlutup kann wie vorgesehen weitergehen. Während der Sitzung des Umweltausschusses am Donnerstag wurde die Vorgehensweise noch einmal erläutert.

Drei Fachleute nahmen zudem Stellung zu der Frage, ob in den Boden eingedrungenes Arsen in den Hauptgrundwasserleiter eindringen könnte. Die übereinstimmende Antwort der Experten: Davon ist nicht auszugehen. Oberer und unterer Wasserleiter seien voneinander getrennt, es handle sich um zwei unabhängige hydraulische Systeme, so daß es, wie Umweltsenatorin Dr. Beate Hoffmann sagte, "nicht den geringsten Hinweis dafür gibt, daß Schadstoffe in den Hauptgrundwasserleiter gelangen können." Unab- hängig davon ist eins sicher: Das Trinkwasser war und ist unbelastet und sauber.

   

Ausgabe 194 vom 18.09.2001

Lübecks ältester Bürger ist 106


Blumen von Urenkel Tim:
Otto Neumann ist Lübecks ältester Bürger.    (Foto: C. Kautz)

Otto Neumann ist Lübecks ältester Einwohner. Bürgermeister Saxe hat dem Schlutuper am Freitag zu seinem 106. Geburts- tag gratuliert, und Glückwünsche von Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis und Bundespräsident Johannes Rau überbracht.

Der gebürtige Mecklenburger wurde 1895 geboren. Auf der Suche nach Arbeit kam er 1929 zu Fuß nach Lübeck. Der gelernte Schmied arbeitete in einer Schlutuper Fischfabrik, später bei den Stadtwerken. 1931 heiratete er und kaufte das Haus in der Straße Hintern Höfen, in dem er mit Kindern, Enkeln und vier Urenkeln noch heute lebt.

Ein einziges Mal war er in einem Krankenhaus - in der Türkei mit einer Malaria während des Ersten Weltkriegs. Sein Rezept für ein hohes Alter: Rotwein, Schnaps und Zigaretten - aber alles natürlich in Maßen.

  

  

LN 18.09.2001 von Kai Dordowsky

Selmsdorf kontra Lübeck:
Streit um Gewerbegebiet

Lübeck - Selmsdorf ärgert Lübeck. Die kleine Gemeinde vor den Toren der Hansestadt erweitert ihr Gewerbegebiet - direkt an der Grenze zu Schlutup. Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel (CDU) spricht von einem "unfreundlichen Akt".

Die Selmsdorfer wollen ihr ausgebuchtes Gewerbegebiet "An der Trave" um 18 Hektar erweitern - in zwei Richtungen. Der größere Teil der neuen Flächen soll zum Ortskern hin entstehen. Sechs Hektar sollen südlich der Mecklenburger Straße erschlossen werden - direkt an den Wohnhäusern der Schlutuper Nachbarn. Derzeit liegen die Pläne in der Gemeindeverwaltung aus.

Der SPD-Ortsverein Schlutup protestiert "schärfstens" gegen die Vorgehensweise der Verantwortlichen in Selmsdorf. Ortsvereinsvorsitzender Harald Quirder: "Diese Erweiterung wird wieder mehr Durchgangsverkehr nach Schlutup bringen." Was die Genossen noch mehr empört: Der Ausbau des Gewerbegebietes werde mit Geldern aus der Aufbauhilfe Ost finanziert und ziehe Betriebe aus Lübeck heraus. Während Selmsdorf die Gewerbesteuern kassiere, müsse Lübeck für die Infrastruktur wie beispielsweise öffentlichen Nahverkehr sorgen.

Gabriele Hiller-Ohm, Vorsitzende der SPD-Bürgerschaftsfraktion, spricht angesichts des zu erwartenden Verkehrs von einer schwierigen Situation für Schlutup. Außerdem mahnt sie die Nachbargemeinden von Lübeck, solche Investitionsentscheidungen mit dem Oberzentrum abzustimmen. Hiller-Ohm: "Sonst ziehen unsere Betrieb vor die Tore der Stadt, und uns fehlen die Steuereinnahmen." CDU-Fraktionschef Klaus Puschaddel wirft Bausenator Volker Zahn (SPD) Versäumnisse vor, weil dieser die "unabgestimmte Entwicklung von Wohn- und Gewerbegebieten vor den Toren Lübecks" nicht verhindere. In Städten wie Kiel und Flensburg laufe das besser.

Lübecks Wirtschaftsförderer, die 60 Hektar freie Flächen vermarkten müssen, sind ebenfalls nicht begeistert. "Es wird immer schwerer, Betriebe hier zu halten", bestätigt Dirk Gerdes, Chef des Koordinierungsbüros Wirtschaft Lübeck (KWL). Kein Wunder: In Selmsdorf beträgt der Gewerbesteuer-Hebesatz 250, in Lübeck 430 Punkte. Für Wirtschaftssenator Halbedel ist der Selmsdorfer Plan ein Affront: "Es ist unfair, dass die vor unserer Stadtgrenze die Sahne abschöpfen."

Schlutups SPD-Chef Quirder fordert Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) auf, schnellstens gegen die Selmsdorfer Pläne vorzugehen. Und verweist auf einen Vertrag aus den frühen 90er Jahren, als Selmsdorf und Lübeck vereinbarten, dass das Gewerbegebiet nicht über die Mecklenburger Straße hinaus verlängert werden soll. Saxe solle auch bei der mecklenburgischen Landesregierung in Schwerin vorstellig werden und - wenn gar nichts anderes hilft - juristisch für die Durchsetzung des Vertrages sorgen.

Aus Sicht der Selmsdorfer ist dieser Vertrag hinfällig. Denn im Gegenzug zum Verzicht auf die Gewerbegebietserweiterung sollten die Lübecker das Abwasser der Selmsdorfer entsorgen. "Dazu ist es nie gekommen", erklärt Ulrich Howest, Leitender Verwaltungsbeamter im auch für Selmsdorf zuständigen Amt Ostseestrand. "Die Grundlage für den Vertrag ist damit entfallen." Sein Amt lasse derzeit durch das Schweriner Innenministerium prüfen, ob der Vertrag noch Bestand habe. Dass Lübeck von der Konkurrenz nicht begeistert sei, kann Howest verstehen. "Aber die Gemeinde hat die Planungshoheit."

Selmsdorfs Bürgermeister Detlef Hitzigrat hat dagegen überhaupt kein Verständnis für die lübsche Empörung. "Wir müssen erweitern, weil das bestehende Gewerbegebiet ausgebucht ist", so der Gemeindechef, der seit sieben Jahren im Amt ist. Im übrigen sei seine Gemeinde viel schlimmer gebeutelt als Schlutup. Hitzigrat: "Wir haben eine Sondermülldeponie vor der Nase und täglich 24 000 Fahrzeuge im Ort. Die Schlutuper haben ja wenigstens eine Umgehungsstraße."

Unterstützung bekommen die Selmsdorfer von der IHK zu Lübeck. "Auch wenn Lübeck selbst dringend die Ansiedlung weiterer Betriebe benötigt, die Ansiedlung von Betrieben in der Region stärkt den gesamten Wirtschaftsraum und damit auch das Oberzentrum Lübeck", sagt IHK-Syndicus Hans-Jochen Arndt. Und die Verkehrsbelastungen würden mit der Fertigstellung der A 20 vertretbar.

  

Ausgabe 193 vom 11.09.2001

SPD-OV Schlutup gegen Gewerbegebiet

Der SPD-Ortsverein (OV) Schlutup protestiert gegen die geplante Erweiterung des Selmsdorfer Gewerbegebietes. Die Befürchtung des OV: Wird das - zu 95 Prozent ausgelastete - Gewerbegebiet erweitert, dann führt das zu zusätzlichem, die Anwohner belastenden Durchgangsverkehr in Schlutup. Es könne auch nicht angehen, daß mit "Geldern aus der Aufbauhilfe Ost Betriebe angelegt werden, ohne daß für eine weitere Infrastruktur (z. B. öffentlicher Nahverkehr) gesorgt werden muß", so OV-Vorsitzender Harald Quirder.

Das Amt Dassow, zuständig für Selmsdorf, bestätigte gegenüber der Stadtzeitung die Erweiterungspläne. Es gebe zwei Alternativen: Entweder die Erweiterung der 13,5 Hektar großen Fläche in Richtung Mecklenburger Straße oder in Richtung Selmsdorf. Mehrere Anfragen von ansiedlungswilligen Betrieben lägen bereits vor.

  

  

LN 11.08.2001 von Jörg Köpke

Umgehung Schlutup:
Streit in der CDU

Lübeck - Der Streit um die geplante Schlutuper Ortsumgehung hat jetzt die Lübecker CDU voll erfasst. Während der Fraktionsvorsitzende Klaus Puschaddel und die Eichholzer Bürgerschaftsabgeordnete Roswitha Kaske gestern die Umgehung kritisierten und für ein neues Verkehrskonzept mit einer östlichen Ringumgehung plädierten, sprechen sich Schlutuper CDU-Bürgerschaftsabgeordnete vehement für die Umgehung aus.

"Schlutup benötigt dringend die Umgehungsstraße, und zwar genau so, wie sie von der Bürgerschaft beschlossen worden ist", fordert Ingrid Schatz, Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Schlutup. Zwar habe sie nichts gegen die vorgeschlagene Ringlösung einzuwenden, die den Süden Lübecks über Eichholz mit Schlutup verbinden soll, doch sei die Umgehung für Schlutup nach wie vor überlebenswichtig.

Trotz der in Kürze fertig gestellten A 20 werde ihr Ortsteil nach wie vor stark befahren bleiben, nicht zuletzt wegen des Hafenverkehrs, so die Schlutuper Christdemokratin. Schatz: "Es muss verhindert werden, dass sich der Verkehr über Schleichwege durch Wohngebiete oder mitten durch den Ortskern quält."

Zustimmung findet die CDU-Politikerin bei ihrem Schlutuper Parteikollegen Christopher Lötsch. "Nach einer zehnjährigen Diskussion, nachdem die Bürgerschaft einen Verkehrsentwicklungsplan nach langer Debatte verabschiedet hat, gibt es doch tatsächlich Menschen, die die momentane und die zukünftige Situation in Schlutup nicht kennen", so Lötsch. n stellvertretenden Vorsitzenden des CDU-Ortsverbandes Schlutup nur eine Aussage:"Schlutup benötigt den Weiterbau der Ortsumgehung. Der Ortsteil ist sonst nicht mehr erreichbar, nicht mehr überlebensfähig."

  

  

LN 10.08.2001 von Jörg Köpke

Lübecks CDU warnt vor Verkehrsinfarkt

Lübeck - Während in Schlutup der Widerstand gegen die geplante Ortsumgehung wächst, fordert Lübecks CDU ein neues Gesamtkonzept. Das Zauberwort: östliche Ringlösung.

Die Diskussion um die geplante Umgehungsstraße in Schlutup weitet sich aus. Jetzt stimmen die Lübecker Christdemokraten in den wachsenden Chor der Kritiker ein. "Schluss mit dem Kleinklein: Die Hansestadt benötigt ein komplettes neues Verkehrskonzept, damit sich nicht noch mehr Fern- und Schwerlastverkehr durch die Stadt quält", fordert Klaus Puschaddel, Fraktionsvorsitzender der Lübecker CDU.

Dabei sei "neu" eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Die Schlutuper Umgehung müsse in eine äußere östliche Ringlösung eingebunden werden, wie sie bereits in den 60er Jahren von Verkehrsplanern vorgesehen war. "Sonst droht Lübeck der Verkehrsinfarkt", so Puschaddel. Auch bei der A 20 müsse schnellstens die Schließung der letzten Lücke zwischen dem Lübecker Kreuz und Schönberg erfolgen. Er habe keinerlei Verständnis dafür, dass die Kieler Landesregierung speziell bei der umstrittenenen Wakenitz-Querung nicht mehr Druck gemacht habe. Puschaddel wörtlich: "Die kommenden zwei Jahre bringen für Lübeck katastrophale Verkehrszustände."

Das Konzept der CDU sieht einen äußeren östlichen Ring vor, der von der Medizinischen Universität zu Lübeck im Süden der Hansestadt über Eichholz bis nach Schlutup führen soll. "Mit Anschluss an die im Bau befindliche Nordtangente", erklärt Puschaddel. Anders als noch vor rund 40 Jahren sei jetzt auch eine Trassenführung auf mecklenburgischem Gebiet möglich. Die bisherigen Vorhaben seien Flickwerk. Regionale Widerstände und Einzelinteressen müssten beiseite gewischt werden. Lübeck brauche keinen "Straßenbau, der nach dem St.-Florians-Prinzip betrieben wird".

Unterstützung findet der Fraktionsvorsitzende in den Ortsverbänden. "Erst brennt es an einem neuralgischen Verkehrspunkt - und dann passiert acht bis zehn Jahre lang gar nichts", formuliert die Eichholzer CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Roswitha Kaske ihren Hauptkritikpunkt. In Sachen Schlutuper Ortsumgehung schlägt sie vor, die dafür angesetzten zwölf Millionen Mark zusammen mit weiteren acht Millionen Mark, die für den Ausbau der Straße "An den Schießständen" vorgesehen sind, zu bündeln und für die vorgeschlagene Ringlösung zu verwenden. Kaske: "Das Geld kann vernünftiger eingesetzt werden, als bislang geplant." Zwar reichten 20 Millionen Mark nicht aus, eine große östliche Umgehung zu bauen, doch seien dann weitere Gelder von Bund und Land zu erwarten.

Diese große Lösung bringe nicht nur eine Entlastung für Schlutup. "In Eichholz quält sich die Blechlawine zurzeit täglich von der Wesloer Straße über die Brandenbaumer Landstraße und Marlistraße bis zum Heiligen-Geist-Kamp", so die Politikerin, die von allen Entscheidungsträgern eine "kreative Denkpause" fordert. Kaske: "Das Maß ist voll. Die betroffenen Bürger sollten sich zu spontanen Sitzblockaden aufmachen."

Noch für diesen Monat hat Lübecks CDU einen Termin in der Bauverwaltung verabredet, um die alten Pläne aus den 60er Jahren einzusehen und auf ihre aktuelle Umsetzbarkeit hin zu überprüfen. Spätestens Anfang September gehen die Christdemokraten dann im wahrsten Sinne des Wortes "in die Luft": "Während eines Fluges über die Hansestadt wollen wir herausfinden, wo ein äußerer östlicher Ring am besten gebaut werden kann", so Klaus Puschaddel.

Auch Lübecks Grüne plädieren für ein Umdenken in der Verkehrsplanung - lehnen jedoch neue Trassen ab. "Gerade wegen der A 20 wird der Verkehr in der Hansestadt nicht abnehmen - nirgendwo", prophezeit Hans-Jürgen Schubert. Der verkehrspolitische Sprecher der Lübecker Grünen rechnet mit einer Verdoppelung des Lkw-Verkehrs in den kommenden zehn Jahren. "Die A 20 wird alles nur noch schlimmer machen", so Schubert.

  

  

LN 09.08.2001 von Jörg Köpke

Anwohner lehnen die
Schlutuper Umgehung ab:
"Zehn Jahre zu spät"

Lübeck - Unnötig, überflüssig: In Schlutup gerät die geplante Umgehung in die Kritik. Entlastung verspricht man sich erst von der neuen A 20.

"Endlich kommt die neue Umgehungsstraße" - so lauteten in der vergangenen Woche die ersten Reaktionen auf die vorgelegten Pläne des Straßenbauamtes. Danach soll die Bundesstraße 104 ab frühestens 2003 von der Mecklenburger Straße über das Industriegebiet bis zu den Schlutuper Tannen führen - und damit die lang erhoffte Entlastung Schlutups vom Fern- und Schwerlastverkehr herbeiführen. Doch jetzt mehren sich die Stimmen der Kritiker des Zwölf-Millionen-Mark-Projektes. Von "Aprilscherz" bis hin zu "Verschwendung von Steuergeldern" reichen die Äußerungen.

"Was wir jetzt brauchen, ist die Fertigstellung der A 20 einschließlich Wakenitz-Querung", sagt Andreas Mellmann, der mit seiner Familie an der stark befahrenen Wesloer Landstraße wohnt. Erst dann könne Schlutup aufatmen. Seine Begründung: Die angedachte neue Trasse bringe lediglich eine Verlagerung der Probleme um wenige hundert Meter Richtung Osten - jedoch keine spürbare Entlastung. Der Fliesenleger fragt weiter: "Welchen Sinn macht eine Straße, die ein knappes Jahr später durch die A 20 so gut wie überflüssig wird?" Vor zehn Jahren wäre die Umgehung von Vorteil gewesen. Heute allerdings sei das Ganze "eine weitere gigantische Verschwendung von Steuergeldern".

Seit im März die A 20 bis Schönberg fertiggestellt wurde, hat sich nach Ansicht des 38-Jährigen der Verkehr von und nach Mecklenburg-Vorpommern speziell in Schlutup drastisch erhöht. "Ab 6 Uhr morgens herrscht hier Chaos, kommt niemand mehr über die Straße." An Freitagen staue sich der Verkehr von der Herrenbrücke bis nach Selmsdorf.

Unterstützung findet der Anwohner bei Jürgen Pratje, Vizepräsident des Bundes für Steuerzahler in Schleswig-Holstein, der von "unnötigen Ausgaben" spricht. Es sei nicht einzusehen, zwölf Millionen Mark für eine einjährige Entlastung "aus dem Fenster zu werfen". Pratje: "Die Umgehung kommt zehn Jahre zu spät." Kein Wunder, dauere in Lübeck doch alles zwei- bis dreimal so lange wie in anderen deutschen Kommunen, so Pratje.

Während das Lübecker Straßenbauamt gestern zu keiner Stellungnahme bereit war, hieß es aus dem Kieler Verkehrsministerium, die Ortsumgehung Schlutup habe "unabhängig von der A 20 einen eigenständigen Nutzen". Beide Maßnahmen seien parallel in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden.

"Wir brauchen nach wie vor den Ausbau der Bundesstraße 104 - auch mit der A 20", erklärt Ulrich Pluschkell, verkehrspolitischer Sprecher der Lübecker SPD. Anderenfalls sei der zunehmende Verkehr in Richtung Hafen nicht mehr zu bewältigen.

  

Ausgabe 188 vom 07.08.2001

Schlutup atmet auf: Straße kommt

Streckenführung der Umgehung vorgestellt - Baubeginn 2003?


Stark befahren: die B 104 in Schlutup.
(Foto: C. Kautz)

Aufatmen in Schlutup: Die Trassenführung für den zweiten Bauabschnitt der Umgehungsstraße (B 104) steht im wesentlichen. Wie Gerhard Diedrichs, Leiter des Straßenbauamtes Lübeck, kürzlich bei einer öffentlichen Mitgliederversammlung des SPD Ortsvereins (OV) Schlutup mitteilte, werde die B 104 künftig von der Mecklenburger Landstraße östlich des vom westlichen Ortseingang am Forsthaus Lauerholz in einem ziemlich großen Bogen über das Schlutuper Industriegelände geführt und münde dann direkt gegenüber dem schon vorhandenen Teil der Umgehungsstraße an der Wesloer Landstraße in die dort bereits vorhandene Trassenfortführung der B 104 ein. Dort solle, so schrieb der Vorsitzende des SPD OV-Schlutup, Harald Quirder, in einer Pressemitteilung, eine ampelgerechte Kreuzung auch das Einbiegen zwischen der Wesloer Straße/Wesloer Landstraße und der künftig durchgehenden Umgehungsstraße ermöglichen.

Am problematischsten, so Quirder, sei aus Umweltsicht die Situation am Forsthaus Lauerholz. Dort sei beabsichtigt, das dortige Moorgebiet durch einen großen Brückenschlag in seiner sensiblen Substanz so weit wie möglich zu schützen. "Selbst dieser Eingriff ist aber wenig gegenüber der Waldschädigung, die mit der jetzigen Verkehrsführung über den Wesloer Weg verbunden ist", sagt der OV-Vorsitzende.

Während der momentanen Urlaubszeit ist die Situation im Bereich von Wesloer Landstraße und Kirschenallee für alle Verkehrsteilnehmer nervenaufreibend: Egal in welche Richtung man möchte, ob nun über Selmsdorf weiter in Richtung A 20 oder nach Travemünde, an dieser Stelle geht oft nichts mehr.

Erfolgreiche Lobbyarbeit

Mit dem Bau der Umgehungsstraße könne, so die SPD, schon in rund einem Jahr begonnen werden, sofern alle öffentlichen Verfahren problemlos verliefen. Diese recht optimistische Einschätzung teilt Straßenplaner Diedrichs hingegen nicht. Er geht eher davon aus, daß 2002 das Planfeststellungsverfahren laufen und im darauffolgenden Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden könne.

Die relativ kurzfristige Umsetzung der geplanten Umgehungsstraße sei auf den Verzicht von zwei - bislang unumstößlichen - Voraussetzungen zurückzuführen: So hätten Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) und dessen Ministerium die Forderung nach einem förmlichen Linienbestimmungsverfahren gestrichen und der bislang nur befristeten sogenannten Eisenbahnkreuzungsgenehmigung eine Fristbefreiung erteilt. Das heißt auf Deutsch: Das Bahngleis Lübeck - Schlutup darf überquert werden. Den Erfolg des Einlenkens führt der OV-Schlutup auf die "unermüdliche Lobbyarbeit des Lübecker SPD-Bundestagsabgeordneten Reinhold Hiller" zurück.

Hiller habe bei der SPD-Veranstaltung gleich zu Beginn mitgeteilt, "daß das Geld für den Bau der Umgehungsstraße vom Bund unwiderruflich bereitgestellt worden ist und verfügbar bleibt - auch wenn das Planfeststellungsverfahren und seine Unwägbarkeiten noch Zeitrisiken enthalten können," gibt Quirder in seiner Mitteilung die Äußerungen Hillers wieder.

Wesloer Weg für Radler?

Sobald die Umgehungsstraße gebaut ist, die wohl noch vor der A 20 fertig werden wird, soll der Wesloer Weg entwidmet werden, wie das im Amtsdeutsch heißt. Der Bereich Stadtwald fordert, daß diese derzeit von bis zu 22000 Fahrzeugen befahrene vorläufige Schlutuper Umgehungsstraße dann keine öffentliche Straße mehr ist. Vorstellbar sei, so Revierförster Manfred Vesper, daß die drei Parkplätze beidseits des früheren Forstweges (der Wesloer Weg) verlegt werden. Denkbar sei auch, daß die Asphaltdecke aufgebrochen wird, die Straßenfläche also entsiegelt wird. Diese Forderung erhebt auch der Bereich Umwelt.

 

Ausgabe 188 vom 07.08.2001

Lübecks Fischer haben Sorgen

Während einer Travebereisung zeigten sie ihre Probleme vor Ort

Die Sorgen und Probleme der Gothmunder und Schlutuper Fischereigenossenschaft standen im Mittelpunkt einer Bereisung des traditionellen Fanggebiets an der Trave, zu der Lübecks Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel und Umweltsenatorin Dr. Beate Hoffmann eingeladen hatten.


Das fröhliche Bild täuscht: Lübecks Fischer haben Sorgen und Nöte. 
(Foto: R. Bartsch

Die Trave abwärts

Mit dem Kutter "Neptun" des Gothmunder Fischers Thomas Kaitschick ging es von dem versteckt liegenden Fischerdörfchen traveabwärts durch die Pötenitzer Wiek bis zum Dassower See.

Mit dabei waren Vertreterinnen und Vertreter örtlicher Fachbereiche und Organisationen, um bei Fragen und Problemen kompetente Antwort zu geben.

Beim ersten Stopp in der Großen Holzwiek, einer regelmäßig befischten, seit längerem in der Kritik stehenden Travebucht, mußte Senator Halbedel den ersten Tadel einstecken. "Das hier als Probebereich angebotene Revier für Wasserski ist längst zur Dauereinrichtung geworden," so Karl-Heinrich Bülk, Vorsitzender der Fischerei-Genossenschaft. Im Sommer ankern hier Dutzende Sportboote, sogar Wasserskilaufen ist erlaubt. "Hier muß etwas passieren, schon zwei oder drei ankernde Boote machen uns hier unsere Fischzüge unmöglich. Sonnabend und Sonntag wird hier Wildwest gespielt!"

Nicht genug damit, auch die Ausweitung von Hafenanlagen und der Bau von Kaianlagen wirkt sich auf die Fischerei aus. Die notwendige Ausbaggerung auf die Fahrwassertiefe von neun Meter zerstört die Fischgründe der Trave auf Jahre.

Magere Zahlungen

Die Ausgleichszahlungen sind, obwohl theoretisch auf den Fangausfall von 20 Jahren ausgelegt, viel zu niedrig, so der Gothmunder Genossenschaftsvorsitzende. Angesichts der Situation waren sich die Vertreter der zuständigen Gremien einig, nach Wegen zu suchen, um Abhilfe zu schaffen. Senatorin Dr. Beate Hoffmann: "Auf jeden Fall sollten Alternativen angeboten werden!"

Schlechte Nachrichten auch von der Wasserschutzpolizei. Die anstehende Umstrukturierung wandelt das Revier Lübeck zur fast bedeutungslosen Station, die bisherige Station Schlutup wird ersatzlos gestrichen. Das künftige Revier Travemünde wird dann allein zuständige Einsatzzentrale für Trave und Lübecker Bucht sein. Darunter könnte die Sicherheit auch im Lübecker Hafen leiden.

Auch gute Nachrichten

Es gibt jedoch auch gute Nachrichten. Die Wasserqualität der Trave hat sich - selbst im Auslaufbereich der Lübecker Kläranlage - erheblich verbessert. Sogar dort befanden sich bereits wieder Flußkrebse in den Netzen der Fischer. Wenn die Bürgerschaft einer Empfehlung im September folgt, dürfen die Hobbyangler schon bald über Travemünde hinaus bis zur Herrenbrücke von Land nicht nur die schwimmende Pose, sondern ganz legal die Grundangel auswerfen. Auch der Uferbereich des Brodtener Ufers soll wieder auch für nichtorganisierte Angler frei gegeben werden - den Jahresfischereischein natürlich vorausgesetzt.

Senator Wolfgang Halbedel im abschließenden Resümee in der Gothmunder Fischerklause: "Natürlich kennt man sich längst untereinander. Aber im persönlichen Gespräch lassen sich viele Dinge unbürokratischer vorbesprechen und auf den Weg bringen!"

  

  

LN 03.08.2001 von Julia Paulat

Zwölf Jahre nach der Wende:
Schlutuper Umgehung wird endlich vollendet

Lübeck - Schlutup kann aufatmen: Die Umgehungsstraße wird fertig gebaut. In zwei bis drei Jahren soll die zwei Kilometer lange Lücke in der Bundesstraße 104 geschlossen werden. Die Kosten: rund zwölf Millionen Mark.

Nach Abstimmung mit der Stadt hat das Straßenbauamt Lübeck jetzt die Streckenführung vorgestellt. Danach soll die Bundesstraße 104 künftig von der Mecklenburger Straße am Forsthaus Lauerholz vorbei in einem großen Bogen über das Industriegelände geführt werden - bis sie bei den Schlutuper Tannen in den schon vorhandenen Teil der Ortsumgehung mündet, der bereits im Mai 1991 fertiggestellt worden ist. "Der Bau kann jedoch erst in zwei Jahren beginnen", erklärt Gerhard Diedrichs, Leiter des Straßenbauamtes. Denn anders als beim ersten Abschnitt, der nach altem DDR-Recht gebaut worden war, sei jetzt ein Planfeststellungsverfahren erforderlich. Dieses beinhaltet auch eine Umweltverträglichkeitsstudie und soll im nächsten Jahr beginnen.

In Schlutup wird die Entwicklung erfreut aufgenommen. "Wir erhoffen uns dadurch eine weitere Beruhigung der Mecklenburger Straße", sagt Harald Quirder, Vorsitzender des dortigen SPD-Ortsvereins. Die Straße sei derzeit durch den Durchgangsverkehr Richtung Selmsdorf stark belastet. "Der Verkehr staut sich besonders morgens und nachmittags." Die neue Trasse ermögliche zugleich eine bessere Anbindung für die Lastwagen - auch Richtung Hafen. Quirder sieht allerdings auch einen Wermutstropfen: Die geplante Trasse führt durch das Lauerholz. "Das ist empfindliches Gebiet."

Revierförster Manfred Vesper spricht denn auch von einem "bedenklichen Eingriff". "Als Forstleute sind wir nicht sehr glücklich über die Variante." Dennoch bezeichnete er die geplante Trassenführung als Kompromiss, mit dem man leben könne. Denn: Im Gegenzug zum zweiten B 104-Abschnitt soll der Wesloer Weg aufgehoben werden. "Die Strecke wird entsiegelt und als Naherholungsgebiet wieder der grünen Lunge Lübecks zurückgegeben", erklärt Diedrichs. Eine Nutzung durch Autos soll dann nicht mehr möglich sein.

"Wir versprechen uns davon eine Erholung für den Wald", so Vesper. Denn schließlich werde der derzeit mitten durch den Wald verlaufende Weg durch die Baumaßnahme an den östlichen Rand des Lauerholzes verlagert. Das könne den Tieren nur gut tun, so der Revierförster. "Am Wesloer Weg werden viele Tiere überfahren." Allein in diesem Jahr seien bereits zwei Wildschweine und vier Rehe im Straßenverkehr verendet.

Zwölf Millionen Mark soll der zweite Bauabschnitt kosten - Geld, das nach SPD-Angaben unwiderruflich bereitgestellt worden sei. Die Kosten seien vor allem deshalb so hoch, weil auf Höhe des Forsthauses eine Brücke gebaut werden müsse, so Diedrichs. Das dortige Moorgebiet soll durch einen Brückenschlag in seiner sensiblen Substanz weitestgehend geschützt werden.

Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) zeigte sich gestern erfreut über die Nachricht. "Für Schlutup hat das eine große Bedeutung." Er sei jedoch immer wieder erschrocken darüber, wie lange solche Prozesse dauerten. Auch die CDU fordert die Fertigstellung der Ortsumgehung seit langem. "Denn man darf ja nicht vergessen, dass die Verkehrsführung durch den Wesloer Weg nur als Provisorium gedacht war", sagte Christa Gieseler vom Ortsverband Schlutup. Auf den zweiten Bauabschnitt der Bundesstraße 104 wartet der Stadtteil inzwischen seit rund zehn Jahren.

  

Ausgabe 185 vom 17.07.2001

Nur für Autofahrer zu erreichen

Zu: "Saxe eröffnet 4. Stadtteilbüro". SZ vom 3. Juli 2001

Den von Bürgermeister Saxe in seiner Eröffnungsrede dargestellten Standortkriterien zum neuen Stadtteilbüro in St. Gertrud ist meines Erachtens voll und ganz wohl nur für die Ortsteile Marli und Brandenbaum, sowie hinsichtlich der ÖPNV-Erreichbarkeit, sicher auch für Eichholz und Wesloe zuzustimmen. Für den Ortsteil Schlutup kann das allerdings nicht gelten.

Zwar wird, aufgrund eines Prüfungsbeschlusses der Bürgerschaft, im Hinblick auf eine direkte Busanbindung Schlutups zum Kaufhof seit kurzem mit der Linie 400 der Grevesmühlener Busbetriebe über den Schlutuper Markt der Kaufhof angefahren und von der Stadtverkehr Lübeck GmbH als befristeter Versuch angeboten. Dieses Angebot kann jedoch keinesfalls als ausreichende Lösung für die nicht autofahrenden Schlutuper betrachtet werden, da im Gegensatz zu den anderen
Ortsteilen mit 10- und 20-Minuten-Takten von der Linie 400 in der Zeit von 7:30 Uhr bis 17:59 Uhr lediglich 7 Abfahrtstermine angeboten werden, die zudem noch zwei dreistündige Pausen beinhalten.

Dieses völlig unzureichende ÖPNV-Angebot kann daher von uns Schlutupern lediglich als ein erster Schritt und eventuell als Zeichen des guten Willens des Stadtverkehrs angesehen werden, bis die von uns geforderte direkte, schnelle und ausreichend regelmäßige Busanbindung vom Palinger Weg über den Kaufhof - etwa durch Linienumlegungen - eingerichtet wird.

Als Initiator der Initiative von Schlutuper Vereinen und Verbänden für ein eigenständiges Bürgerbüro mit zeitweisen Öffnungszeiten, bieten wir (...) durchaus gern unsere Mitarbeit an einer von Senator Halbedel angekündigten Befragungsaktion an, wie wir es bei der Fragebogenaktion zum Stadtteilbüro Schlutup (...) mit der Verwaltung seinerzeit gemacht haben (...).

Wenn es auch sicher sinnvoll ist, ein modernes Serviceangebot der Verwaltung in den Herzen der Stadtteile einzurichten, so dürfen dabei aber die Ortsteile an der Peripherie, wie beispielsweise Schlutup, vom Service auch nicht abgekoppelt werden. Ansonsten müssen die Schlutuper weiterhin für ein eigenes Bürgerbüro beziehungsweise ein mobiles Bürgerbüro kämpfen.

Peter Biedermann, Lübeck

(Anmerkung der Redaktion: Peter Biedermann war Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Schlutup und ist jetzt Beisitzer im Vorstand des OV. Von Schlutup aus fährt der 11er Bus der Stadtwerke morgens - gerade an Schultagen - in einem Abstand von 6 bis 15 Minuten. Anschluß gibt es an der Wesloer Brücke. Dort fahren die Linien 1 und 4 weiter zum Kaufhof, also zum neuen Stadtteilbüro. Die Wartezeiten betragen beim 4er Bus nur drei Minuten. Von der Wesloer Brücke bis zum Kaufhof brauchen beide Buslinien fünf Minuten. Siehe auch neuer Fahrplan Stadtverkehr Lübeck, gültig seit 10. Juni.)

  

Ausgabe 183 vom 03.07.2001

Allein unter Frauen

Saxe eröffnet viertes Stadtteilbüro

Bürgermeister Bernd Saxe hat am Freitag in Anwesenheit von mehreren Bürgerschaftsmitgliedern das vierte Stadtteilbüro eröffnet. Das bislang modernste seiner Art befindet sich in der Adolf-Ehrtmann-Straße 3 und ist in erster Linie für die Stadtteile und -bereiche Marli, Brandenbaum, Eichholz, Wesloe und Schlutup gedacht. Selbstverständlich können auch Bewohner anderer Ortsteile das "Stadtteilbüro St. Gertrud" für ihre Behördengänge nutzen.

Erstmals kümmert sich bei diesem "Service aus einer Hand"(Saxe) auch ein Mann um die Bürgerinnen und Bürger:Thorsten Niemann heißt das Novum in Lübecks Stadtteilbüros - in allen anderen, also denen in Travemünde, Moisling und St. Lorenz, arbeiten ausschließlich Frauen. Zu dem Team in der Ehrtmannstraße, es gibt formal keinen Chef, gehören noch folgende Kolleginnen:Patricia Kordts, Susanne Mundt, Anke Kloetzen, Jutta Schimmer, Petra Scharfenberg, Andrea Sucis und Ute Fentroß.

Im Stadtteilbüro wird eine breite Palette an Dienstleistungen geboten. Dazu gehört unter anderem: Paß- und Ausweisangelegenheiten, An-, Ab- und Ummeldung, Lohnsteuerkarten, Führungszeugnisse, Briefwahlunterlagen, Auskünfte aus dem Geburts-, Ehe- und Sterberegister, Bescheinigungen und Beglaubigungen, Anzeigen von Versammlungen, Kfz-Zulassung, Um- und Abmeldungen, Führerscheinangelegenheiten, Kfz-Halterauskünfte, Wohngeld, Rundfunkgebührenbefreiung, und und und... Zudem gibt es dort Ferien- und Seniorenpässe, Fahrkarten, Infobroschüren und natürlich auch die Stadtzeitung.

So viel Service kommt bei der Bevölkerung an: Bisherige Befragungen ergaben eine Kundenzufriedenheit von sagenhaften 98 Prozent. Werte, bei denen viele Firmen vor Neid erblassen.

  

Ausgabe 182 vom 26.06.2001 Autorin: Ulrike Siebdrat

Wiederaufnahme der Fährverbindung
zwischen Schlutup und Herrenwyk

Die SPD-Fraktion wird zur nächsten Bürgerschaftssitzung einen Prüfantrag einbringen, wie eine Wiederaufnahme der alten Fährverbindung für Fußgänger und Fahrradfahrer zwischen Schlutup und Herrenwyk ermöglicht werden kann.

Zur Eröffnung des Famila-Marktes auf dem Metallhüttengelände wurde diese Fährverbindung für einige Stunden versuchsweise mit einer kleinen Barkasse eingerichtet. Die Resonanz war erstaunlich. In Gesprächen wurde deutlich, auch viele Berufspendler würden die Fähre nutzen, sollte sie wieder eingerichtet werden.

Auf diversen Veranstaltungen in den vergangenen Jahren wurde immer wieder eine Fährverbindung zwischen den beiden Stadtteilen gefordert, nicht zuletzt auf den beiden Kücknitzer Open-Space-Veranstaltungen 1999 und 2000. In den letzten Jahren hat sich auf beiden Seiten vieles verändert, zum Beispiel das Neubaugebiet Silberstraße, die Weiterentwicklung des Technik-Zentrums, der Schlutuper Hafen. Durch den Bau des Herrentunnels und den Bau des Containerhafens in Siems entstehen neben Arbeitsplätzen auch weitere Verkehrsbehinderungen, die für eine Wiederaufnahme der alten Fährverbindung sprechen.

Wo der Bau eines Fähranlegers auf Herrenwyker Seite sinnvoll ist, welche Kosten für Bau und Betrieb anfallen und ob sich hier eventuell in Schlutup und Herrenwyk ansässige Firmen beteiligen würden - all dieses soll Inhalt der Prüfung sein. Ebenso die Frage nach Fördermitteln - wie bei einer anderen nach 40 Jahren wieder eingerichteten Fährverbindung im Mai 2001 in Schleswig-Holstein - und ob ein Betrieb durch den Stadtverkehr Lübeck oder eine Vergabe an einen privaten Betreiber sinnvoll ist.

  

  

LN 26.06.2001 von Sebastian Prey

Zu viele kranke Kollegen:
Da blieb die Feuerwache dicht

Lübeck - Die Personalnot bei der Lübecker Feuerwehr ist noch schlimmer als angenommen: Jetzt musste sogar für einen Tag die Feuerwache in Schlutup geschlossen werden. Anwohner und Kommunalpolitiker sind entsetzt.

Sabine Kähler traute ihren Augen kaum. An der Tür zur Feuerwache IV in der Straße Am Fischereihafen klebte eine Zettel mit der Aufschrift: Wegen Personalmangels geschlossen. "Ein Unding", meint die 35-jährige Kauffrau aus Schlutup aufgebracht. "Das darf doch keiner Feuerwehr passieren." Das sieht Feuerwehr-Chef Oliver Bäth ähnlich - aber wenn nicht genügend Personal da sei, müsse man zu solch drastischen Notmaßnahmen greifen. "Wir hatten überproportional viele Krankmeldungen", begründet Bäth die eintägige Schließung der Wache IV am vergangenen Freitag. "Ein Ausreißer", so der Leitende Branddirektor.

Dass acht Krankmeldungen schon ausreichen, um Lübecks Feuerwehr teilweise außer Gefecht zu setzen, zeigt, wie dramatisch der Personal-Notstand bei den Brandbekämpfern wirklich ist. Bäth: "20 Stellen von insgesamt 187 sind unbesetzt." So habe es auch keinen Spielraum mehr gegeben, um Kräfte von den anderen Wachen abzuziehen. Dennoch versichert Bäth: "Im Notfall wären wir mit kleinen Einschränkungen rechtzeitig vor Ort gewesen." Zumal der Stadtteil auch über eine sehr schlagkräftige Freiwillige Feuerwehr verfüge. Dass die Wache IV nicht besetzt gewesen ist, sollte man "nicht so hoch hängen", meint Bäth. Schließlich handele es sich dort ohnehin nur um eine Gruppenwache, die rund um die Uhr lediglich mit fünf bis sechs Mann besetzt sei. Den Qualitätsstandard für eine Berufsfeuerwehr, mit zehn Mann in zehn Minuten am Brandort zu sein, könne die Wache IV sowieso nicht allein schaffen. Dafür werde dann die Unterstützung von der Wache II (Welsbachstraße) benötigt, die am Freitag komplett die Aufgabe der Schlutuper Wache übernommen habe.

Für Ingrid Schatz, CDU-Ortsverbandsvorsitzende in Schlutup und Bürgerschaftsmitglied, ist die eintägige Schließung ein "unglaublicher" Vorgang. "Ich bin total entsetzt, dass es möglich ist, einfach eine Wache zu schließen. Eine Notbesetzung muss jederzeit zur Verfügung stehen." Nicht ohne Grund habe die Bürgerschaft in ihrer jüngsten Sitzung den Feuerwehrbedarfsplan verabschiedet und damit das Vier-Wachen-System für Lübeck vorerst festgeschrieben. Auch der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Harald Quirder ist sauer: "Hier wird leichtfertig mit der Sicherheit der Schlutuper umgegangen." So etwas dürfe sich auf keinen Fall wiederholen. Dass ausgerechnet an einem Freitag die Schlutuper Wache geschlossen war, findet Jürgen Schreiber, Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Schlutup, "sehr bedenklich". Gerade an diesem Wochentag sei die Lage für Schlutup prekär. "Die Straßen sind so verstopft. Da gibt es kein Rein- und kein Rauskommen, auch für die Feuerwehr nicht. Wir sind also auf die Retter in unserem Stadtteil angewiesen."

"Hier wird mit dem Zufall gespielt, das nichts gleichzeitg passiert", zeigt sich auch Bürgerschaftsmitglied Henri Abler (SPD) empört. Was ihn besonders ärgert: Die Schließung der Wache IV könne man nicht einfach als Ausreißer bezeichnen. "Hier wird wohl doch schon die Schließung der Wache geübt", mutmaßt Abler. Schließlich habe er gehört, dass auch am nächsten Wochenende die Wache am Fischereihafen wegen des Powerboot-Rennens vor Travemünde nicht besetzt sei.

Ein Gerücht, das Feuerwehr-Chef Bäth bestätigt. Das zur Wache IV gehörende Löschboot werde für die Veranstaltung benötigt. Das Boot ist dann mit drei Mann Besatzung unterwegs. Zwei noch verbleibende Retter seien zu wenig, um das Löschfahrzeug zu bedienen. Sie werden deshalb am Wochenende ihren Dienst auf der Wache III in Kücknitz versehen. Der Brandschutz sei aber gewährleistet, so Bäth. Die Freiwilligen Wehren Schlutup, Kücknitz, Travemünde und Priwall sind informiert und haben den Status "unverzüglich alarmierbar". Der an der Wache IV stationierte Rettungswagen bleibt laut Bäth auch am Wochenende stehen.

Bereits in der Vergangenheit war die Verunsicherung in Schlutup groß. Die Schließung der Wache IV drohte. Um Personal zu sparen, wurde die Feuerwehr vom Bürgermeister beauftragt, eine mögliche Zusammenlegung der Wachen III und IV zu prüfen. Die Retter hatten sich eindeutig für die Beibehaltung des bewährten Vier-Wachen-Systems ausgesprochen. Zumindest so lange, bis der Herrentunnel fertiggestellt ist. Denn ohne Tunnel sei eine schnelle Travequerung nicht gewährleistet. Bäth: "Wir brauchen also auch weiterhin die Wache in Schlutup." Auf lange Sicht plane man sogar, dort das Personal auf zehn Mann aufzustocken. Doch bis es soweit ist, wird noch viel Zeit vergehen. Zunächst sollen die vorhandenen Stellen besetzt werden. Bäth: "Das wird frühestens 2004 der Fall sein. Erst dann könnten wir genügend Retter ausgebildet haben."

  

Ausgabe 179 vom 05.06.2001

Sorgen um Altlastenfläche in Schlutup

Senatoren sagen zu, alles Machbare bei
Sanierung des "Pfleiderer Geländes" zu tun

Eigentlich war alles klar: Die Lübecker Bürgerschaft sollte ihre Zustimmung zur sogenannten Westerweiterung des Schlutupkais geben. Der Ausbau des Terminal Schlutup kostet in diesem und den kommenden zwei Jahren rund 35,8 Millionen Mark, die bereits im Investitionsplan enthalten sind. Die Finanzierung ist insofern gesichert; die Bürgerschaft stimmte der Vorlage bei drei Enthaltungen zu.


Wie aufwendig wird die Sanierung des so genannten Pfleiderer-Geländes?(Foto: Archiv/M. Rulfs)

Nachsorge erforderlich

Dennoch könnte der Ausbau weit teurer werden. Darauf wies Hans-Jürgen Schubert (Grüne) hin, der einen Absatz der Vorlage ganz genau studiert hatte und nachhakte: Unter dem Punkt Umweltschutz heißt es: "Bei dem Grundstück Mecklenburger Landstraße 174 (in der Öffentlichkeit als ehemaliges Pfleiderer-Gelände bekannt; d. Red.) handelt es sich um eine Altlastenfläche. Mit der Altlastensanierung wurde durch die LHG (Käuferin des Grundstücks; d. Red.) zwar begonnen, diese ist aber noch nicht abgeschlossen. Auch nach Abschluß der Sanierung sind umfangreiche, derzeit zeitlich noch nicht abgrenzbare Nachsorgemaßnahmen erforderlich. Bei sämtlichen das Grundstück betreffenden Planungen ist der zwischen der LHG, der unteren Wasserbehörde und dem Landesamt für Natur und Umwelt abgestimmte Sanierungsplan zu berücksichtigen."

Schubert wollte nun wissen, welcher Sanierungsplan gemeint sei, wie die Sanierung des Geländes ablaufen solle, ob vorgesehen sei, verseuchtes Erdreich auszubaggern und wie und wo dieser Boden später gelagert werde. Zugespitzt fragte er: "Oder soll dort etwa eine geordnete Mülldeponiegenehmigt werden?"

Zu den Fragen nahmen sowohl Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel als auch Umweltdezernentin Dr. Beate Hoffmann Stellung. So sagte Halbedel, er sei "noch guter Hoffnung", daß dieses Altlastengelände nicht derart stark verunreinigt sei, wie Schubert befürchte. Die LHG habe schließlich nicht leichtfertig ein Gelände gekauft. Die Umweltsenatorin verwies auf die laufenden sogenannten Abstromuntersuchungen. Sie rechne mit deren Abschluß in wenigen Wochen. Erst dann sei abzusehen, ob das Sanierungskonzept ausreiche oder aber erweitert werden müsse. Das könnte eventuell dann der Fall sein, sollte sich herausstellen, daß Giftstoffe doch ins Grundwasser gelangen.

Diese potentielle Gefahr alarmierte auch SPD und CDU: Einstimmig nahm die Bürgerschaft den Antrag der Grünen an, daß die Verwaltung in einem Bericht die laufenden Untersuchungen darlegen und insbesondere mitteilen soll, wie die Sanierung der Altlast an der Mecklenburger Straße (ehemaliges Pfleiderer-Gelände) abläuft und welche Art der Bearbeitung und der Endlagerung der Schadstoffe vorgesehen sei.

Gabriele Hiller-Ohm (SPD) fragte zuvor noch einmal gezielt nach, ob bereits die Kosten berücksichtigt seien, die bei einer möglicherweise aufwendigeren Sanierung entstünden. Halb-
edel antwortete, daß in der Vorlage zur Terminalerweiterung (siehe oben) natürlich nur das - alte - Sanierungskonzept aufgeführt sein könne. Etwaige zusätzliche Kosten könnten daher jetzt noch nicht benannt werden. Der Senator abschließend: "Selbst für Grund und Boden gilt die Unschuldsvermutung."

  

  

LN 27.02.2001

Neustadt verliert Wasserschutzpolizei

KIEL - Neustadt und Lübeck-Schlutup verlieren ihre Wasserschutzpolizei. So sieht es das neue Konzept von Klaus Buß (SPD) vor, das der Innenminister gestern in Kiel vorstellte.

Als Ausgangspunkt diente eine Analyse über neue Schifffahrtsströme und Umschlagszahlen der einzelnen Häfen. In Zukunft sollen sechs statt bisher neun Reviere in Flensburg, Kiel, Heiligenhafen, Lübeck-Travemünde, Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) und Husum mit zehn untergeordneten Stationen arbeiten. Neuer Standort einer Station wird Maasholm (Kreis Schleswig-Flensburg) an der Schlei. Aufgelöst werden die Dienststellen Kiel-Holtenau, Kappeln (Kreis Schleswig-Flensburg), Eckernförde, Neustadt (drei Mitarbeiter) und Lübeck-Schlutup (5).

Lübeck-Zentrum wird zur Station zurückgestuft. Von 33 Mitarbeitern bleiben nur fünf. In Travemünde werden im Gegenzug 45 statt bisher 30 Wasserschutzpolizisten arbeiten. Heiligenhafen verliert zwei Mitarbeiter (von 16 auf 14). Puttgarden wird von vier auf zwölf aufgestockt.

Von den insgesamt 260 Mitarbeitern werden etwa 100 von den Veränderungen betroffen sein. Wie viele einen Ortswechsel in Kauf nehmen müssen, ließ sich noch nicht beantworten. Sicher ist, dass die Reviere der Nordseeküste um 20 auf 86 Beamte aufgestockt werden. An der Ostseeküste sollen 156 Beamte, 27 weniger als heute, eingesetzt werden.

Die Wasserschutzpolizei soll künftig einen stärkeren Einsatz an Brennpunkten der Berufsschifffahrt ermöglichen, sagte Buß. Nach dem ersten Konzept vor 32 Jahren habe sich vor allem in der Berufsschifffahrt "einiges verändert", begründete der Minister den Vorstoß. Die Wasserschutzpolizei soll verstärkt die Handelsschiffe kontrollieren und dabei nicht nur auf Sicherheit der Ausrüstung und Ladung achten, sondern "sich auch die Besatzung genauer anschauen", sagte Buß.

  

Ausgabe 164 vom 20.02.2001

Altlasten der Laster

Wesloer Straße: Wer zahlt Schäden?


Löcher im Straßenbelag: Wesloer Straße.

In den 80er Jahren fuhren große Müll-Laster aus dem Westen über die Wesloer Straße zur Deponie Schönberg, nach der Grenzöffnung rollte der Transitverkehr dort entlang. Die Straße ist kaputtgefahren, deshalb sehen die Schlutuper nicht ein, daß sie als Anwohnerinnen und Anwohner für die Reparatur der Straße mitbezahlen sollen. Zwischen Selmsdorf und Schönberg sei die Straße in den vergangenen zehn Jahren drei mal neu asphaltiert worden, berichtete Jürgen Schreiber vom Gemeinnützigen Verein. Von Lübeck her bis zur Bahnbrücke sei sie immerhin ein bißchen überholt worden, aber in Schlutup selbst sei in der ganzen Zeit bis auf das Flicken der tiefsten Löcher nichts passiert. Schilder säumen den Straßenrand, die auf die Schäden hinweisen. Die Straßenoberfläche müsse dringend erneuert werden, besonders im Abschnitt zwischen Post und Bahnbrücke, so Schreiber.

Auf dem Weg zur Wesloer Straße wiesen Bewohner der Mecklenburger Straße den Bürgermeister noch auf Probleme hin, unter denen sie leiden, an denen er jedoch nichts ändern kann: mit Hundekot verdreckte Sandstreifen an der Mecklenburger Straße zwischen Rad- und Fußweg und parkende Autos im Brinkweg, die den Fußweg halb versperren.