Presseberichte aus dem Jahr 2004 (März - Juli):           [ zurück ]  
LN vom 30.07.04:  Wann geht's los in Schlutup? 
SZ vom 27.07.04: Verein fordert Ortsumgehung 
LN vom 25.07.04: Eine starke Gemeinschaft 
LN vom 24.07.04: Halt! Hier Grenzmuseum 
SZ vom 06.07.04:  Keine Fähre für Herrenwyk und Schlutup 
LN vom 29.04.04: Eltern in Sorge: Mann wollte in Schlutup Jungen ins Auto locken 
LN vom 22.04.04: Schlutuper Sperrzeiten: Selmsdorf leistet Widerstand 
LN vom 13.03.04: Kein Geld für Schlutups Wochenmarkt 
LN vom 07.03.04: Krellenbergs Öfen räuchern nicht mehr 
LN vom 07.03.04:Reihenhäuser auf Kühne-Gelände 
LN vom 04.03.04: Heftige Debatte um Sperrung aus Richtung Selmsdorf 
SZ vom 02.03.04: Bald ruhige Nächte in Schlutup 
LN vom 02.03.04: Abschied von St. Ansgar 
 

 

LN 30.07.2004 von Julia Paulat

Anwohner warten schon seit Jahren auf den
Weiterbau der Ortsumgehung

Wann geht's los in Schlutup?

Der Gemeinnützige Verein Schlutup macht Druck:
Denn noch immer gibt es keine Spur von der Ortsumgehung. Dabei wird an dem nur zwei Kilometer langen Straßenstück bereits seit 15 Jahren geplant.

Dem Gemeinnützigen Verein Schlutup reicht es. „Wir fordern endlich die Umsetzung der Pläne", sagt dessen Vorsitzender Jürgen Schreiber erbost. Denn bereits vor drei Jahren hatte das Straßenbauamt Lübeck die Streckenführung vorgestellt. Danach soll die Bundesstraße 104 künftig von der Mecklenburger Straße am Forsthaus Lauerholz vorbei in einem großen Bogen über das Industriegelände geführt werden - bis sie bei den Schlutuper Tannen in den schon vorhandenen Teil der Ortsumgehung mündet, der bereits im Mai 1991 fertig gestellt worden ist.


Schon seit Jahren quält sich der Verkehr durch Schlutup und durch das Lauerholz, hier die Wesloer Landstraße. (Dirk Silz)

„Die Planfeststellung hat sich ein bisschen hingezogen", sagte Gerhard Diedrichs, Leiter des Straßenbauamtes, gestern. Dafür seien unter anderem die Untersuchungen wegen des Lauerholzes verantwortlich, das als FFH-Gebiet ausgewiesen werden solle. Er hofft nun auf einen Planfeststellungsbeschluss zum Ende des Jahres. „Sobald wir grünes Licht haben, werden wir loslegen", verspricht er.

Daran mag Bürgerschaftsmitglied Reinhold Hiller fast schon nicht mehr glauben. „Ich frage mich manchmal, ob das überhaupt noch etwas wird." Er fürchtet, dass der Bund kein Geld mehr zur Verfügung hat. „Die Maßnahme konkurriert mit vielen anderen", so Hiller.

Schon seit der Wiedervereinigung ist die Umgehungsstraße im Gespräch. Denn seit der Grenzöffnung leidet der Ortsteil permanent unter dem starken Ost-West-Verkehr. Zwar hatte man 1991 eine provisorische Umgehungsstraße durch den Wald eingerichtet. „Doch ein großer Teil nutzt nach wie vor die Ortsdurchfahrt Schlutup als Transitstrecke", berichtet Schreiber. „Zeitweilig herrschen in Schlutup chaotische Verkehrsbedingungen." Das bestätigt Ingrid Schatz, Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Schlutup. „Unentwegt fahren die großen Lkw durch den Ort. Das ist Wahnsinn."

Verschärft wird die Situation noch durch neue Gewerbegebiete, die am Ortsrand angesiedelt werden. „Es muss endlich Schluss sein mit dem ökonomischen und ökologischen Schwachsinn des bisherigen Provisoriums", fordert Schreiber. Auch Hiller meint, dass die Planungen für Gewerbeflächen östlich der Landesgrenze die Maßnahme noch dringender machen. „Die Schlutuper dürfen nicht zu Leidtragenden des Pendler- und Berufsverkehrs werden." Er fordert Bund und Land auf, jetzt die Versprechen einzulösen.

Die A 20 ist nach Hillers Ansicht kein Ersatz. Sie decke andere Verkehre ab. „Wer aus dem Umland und den Gewerbegebieten zum Hafen will, wird weiter durch Schlutup fahren", prophezeit er. Das sei ebenso wenig akzeptabel wie die Strecke durch den Wald. „Auch das Lauerholz hat sein Recht."

Beim Wirtschaftsministerium in Kiel geht man davon aus, dass im kommenden Jahr mit einem rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluss zu rechnen ist. Danach könne dann gebaut werden - vorbehaltlich der Finanzierung des Bundes, so Eckhardt Jacobs, Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Sechs Millionen Euro sollen investiert werden. Die Kosten seien vor allem deshalb so hoch, weil auf Höhe des Forsthauses eine Brücke gebaut werden müsse, hatte Diedrichs erklärt. Das dortige Moorgebiet soll durch einen Brückenschlag in seiner sensiblen Substanz weitestgehend geschützt werden.

 

Ausgabe 338 vom 27.07.2004

Verein fordert Ortsumgehung

Der Gemeinnützige Verein Schlutup fordert den Bau einer Ortsumgehungsstraße in Schlutup. Das Verfahren müsse zügig bearbeitet und finanzielle Mittel für den baldigen Baubeginn sichergestellt werden. "Schluß mit dem ökonomischen und ökologischen Schwachsinn des bisherigen Provisoriums", heißt es in einer entsprechenden Mitteilung an die Presse.

Mit der Grenzöffnung stieg der Verkehr in Schlutup sprunghaft an. Eine provisorische Umgehungsstraße brachte 1991 zwar eine erste Entlastung, doch die Vertreter des Gemeinnützigen Vereins kritisieren den Streckenverlauf: Ein großer Teil der Kraftfahrzeugführer benutze nach wie vor die Ortsdurchfahrt Schlutup.

Unterdessen hat sich Bürgerschaftsmitglied Reinhold Hiller (SPD) ebenfalls der Forderung des Vereins angeschlossen: "Die Schlutuper dürfen nicht zu Leidtragenden des Pendler- und Berufsverkehrs über die Landesgrenze werden."

 

LN 25./26.07.2004 von Sebastian Prey

Besuch aus Schweden beim fröhlichen Straßenfest in der Voßberggrube

Eine starke Gemeinschaft.

Unscheinbar sieht die Schlutuper Voßberggrube aus.
Doch die Bewohner der kleinen Straße sind seit 65 Jahren eine verschworene Gemeinschaft.

Seit 1979 wird alle fünf Jahre die Sackgasse für eine „geschlossene Gesellschaft" gesperrt. Grund: Die Voßberggrube feiert ein Straßenfest. Mit dabei sind nicht nur die aktuellen Bewohner der sieben Doppelhaushälften, sondern auch ehemalige Anwohner. Und für die scheint kein Weg zu weit. Eigens zum gestrigen Fest kam Franz Groer aus Stockholm angereist. Der 64-Jährige lebt seit 1962 in Schweden, aber die Voßberggrube hat er nicht vergessen. „Hier bin ich aufgewachsen und viele meiner alten Kumpels leben noch immer hier. Eine tolle Gelegenheit, für ein Wiedersehen und über die alten Zeiten zu plaudern", sagte Groer. Dabei bekam er im Straßencafe Voßberggrube nicht nur Gutes zu hören. Christine Eckmann (63), geborene Wehnert, und in der Siedlung ob ihres stets großen Marzipanvorrats als „Medizintante" bekannt, las Franz erst einmal die Leviten. „Da hinten am Bunker hast du mir ein Loch in Kopf gehauen", erinnerte die Verwaltungsangestellte scherzhaft den Schweden an seine Jugendsünden. Doch daran konnte oder wollte sich Groer lieber nicht mehr erinnern. Schließlich sind Reibereien und Streitereien in der 65-jährigen Geschichte der Voßberggrube gänzlich unbekannt.

Alles ist liebevoll dekoriert, da fällt auch das Wiedersehen am üppigen Kuchenbüfett gutgelaunt aus. Franz Groer (64 rechts) kam eigens aus Schweden zum Straßenfest in die Schlutuper Voßberggrube, das Detlef Maus (63) mit organisiert hat. 
(
Foto: Dirk Silz)

„Hier hilft jeder jedem. Eine irre Gemeinschaft. Es ist ein kleines Paradies", sagte Ingo Ludorn (63). Er muss es schließlich wissen, denn sein Leben lang hat er in dem Haus Nummer 13 gelebt. Gemeinsam mit dem vor 20 Jahren zugezogenen Detlef Maus (63) hat er das Straßenfest mit Kaffeetafel, Bierbar, Discomusik und Spielangeboten für die 85 Erwachsenen und 32 Kinder organisiert.

Mit dabei war auch Anna Müller. Die 89-Jährige war mit die erste, die 1939 mit ihrer aus dem Sudetenland ausgewiesenen Familie ein Haus in der Voßberggrube bezog. Ihr Ehemann arbeitete damals in der Deutschen, Waffen- und Munitionsfabrik, in deren Auftrag die Siedlungshäuser errichtet wurden. Mittlerweile sind die Doppelhäuschen, die von vorne winzig aussehen, kräftig gewachsen. Im Laufe der Jahrzehnte wurde überall angebaut. „Einer hat sogar ein Schwimmbad", so Ludorn. Eines hat sich aber nicht verändert. Am Tortenbüfett war ein Backwerk besonders schnell vergriffen. „Der Mohnkuchen von Frau Müller nach einem Original-Rezept aus dem Sudetenland ist unschlagbar. Allein dafür hat sich schon die weite Anreise aus Schweden gelohnt", schwärmte Groer.

 

LN 24.07.2004 von Josephine von Zastrow

Am 9. November eröffnet ein Informations- und Dokumentationszentrum in Schlutup.

 Halt! Hier Grenzmuseum.

Im alten Zollgrenzgebäude wird in diesem Jahr ein Zentrum eröffnet, das an die deutsch-deutsche Grenze erinnern soll. Ein Förderverein hat fünf Jahre darum gekämpft, jetzt startet der Umbau.


Christa Gieseler (65, links) und Ingrid Schatz (60) halten das Schild, das bis zur Öffnung der deutsch-deutschen Grenze in Schlutup vor dem Zollgebäude stand.  

Kurz vor dem ehemaligen Niemandsland liegt dieser langgestreckte, mausgraue, flache Bau. Keine Sternstunde der Architektur. Das sollte das Zollgrenzgebäude in Schlutup wohl nie sein. Der Hauch des Offiziellen, des Ungemütlichen sollte das Bauwerk umwehen - Ausdruck dessen, wie es an gegnerischen Grenzen so zugeht. Und der ist den Konstrukteuren auch geglückt.

Selbst jetzt, 15 Jahre nach der Grenzöffnung, umgibt das Haus wenig Charme, trotz der bunten Fensterbilder, die von innen an die Scheiben geklebt sind. In einer Hälfte des Hauses betreibt die Arbeiterwohlfahrt einen Jugendtreff - im anderen herrscht derzeit kreatives Chaos. Die Wände sollen heraus gerissen werden, am 9. November wird das neue „Informations- und Dokumentationszentrum zur ehemaligen deutsch-deutschen Grenze" eröffnet.

Der Name ist etwas lang, man könnte auch Grenzmuseum sagen. Doch dagegen wehrt sich Ingrid Schatz (60) vom Förderverein Grenz- und Schlutup-Museum. „Wir wollen hier etwas Lebendiges mit Jugendlichen machen", sagt Ingrid, die gemeinsam mit der Vorsitzenden Christa Gieseler fünf Jahre lang für das Zentrum gekämpft hat. Die 35 Mitglieder des Vereins hatten die 170 Quadratmeter im ehemaligen Zollgrenzgebäude zwar schon genutzt, immer wieder Schulklassen dort gehabt. Die besahen sich Fotos, Filme; Bücher, Platten, Pässe, Stempel, Uniformen rund um das deutsch-deutsche Verhältnis während des Kalten Krieges, diskutierten mit Zeitzeugen. Doch nun haben Gieseler und Co. nach langem Hin und Her das Okay der Stadt für das Einrichten eines Grenzmuseums, zahlen eine obligatorische Miete von jährlich einem Euro und dürfen umbauen. „Wir werden das Meiste in Eigenarbeit leisten", sagt Gieseler.

Etappe Nummer eins ist der Ausstellungsraum. Zudem wird eine der kargen Zellen aus Zollgrenzzeiten zu besichtigen sein. Im Erdgeschoss ist noch ein Raum vorhanden, in dem sich Jugendliche zum Basteln treffen können. „Wir wollen mit ihnen kreativ arbeiten und uns dabei über das deutsch-deutsche Verhältnis unterhalten", erklärt Gieseler. Viele junge Leute haben die Grenze nicht miterlebt, die bei Schlutup verlief. „So etwas darf nicht aus den Köpfen heraus", erklärt Ingrid Schatz, deshalb sei ihr dieses Grenzmuseum so wichtig. An den Wochenenden soll es geöffnet sein, werktags können Reisegruppen auch nach Vereinbarung die gesammelten Werke betrachten. Von denen hat der Verein mehr als genug „Wir haben gesammelt, gebettelt, geschnorrt", sagt Christa Gieseler scherzend.

Wenn das Zentrum gut angenommen wird und in Gang gekommen ist, startet der zweite Bauabschnitt. Dann soll das Kellergeschoss in Angriff genommen und ein Archiv eingerichtet werden. Auch eine Teeküche ist geplant. Insgesamt rechnet die 65-Jährige mit 35 000 Euro Renovierungskosten. Damit zusätzliches Geld in die Kasse kommt, startet nun eine Benefizveranstaltung am Sonntag, 1. August. Von 11 bis 18 Uhr soll auf der Wiese des Grenzgebäudes, Mecklenburger Straße 12, in Schlutup ein Flohmarkt stattfinden. Das Angebot reicht von Klamotten über Antikes bis zu Schallplatten. Die Standgebühr beträgt fünf Euro. Wer Interesse hat mitzumachen, kann sich bei Christa Gieseler unter Telefon 0451/69950 melden. Sie nimmt auch Sachspenden für die Ausstellung entgegen. Zudem freut sich der Förderverein über Spenden auf sein Konto, Nummer 0011580370 bei der Sparkasse zu Lübeck, Bankleitzahl 23050101.
  

Grenzgeschichte beim BGS

Eine geschichtliche Sammlung über die innerdeutsche Grenze gibt es bereits in Lübeck. Peter Matera, Polizeihauptkommissar im Bundesgrenzschutz, hat mit einigen Kollegen in einem Gebäude auf dem Areal der Grenzschutzschule, Ratzeburger Landstraße, eine Ausstellung zu diesem Thema konzipiert. Dabei wurden viele Aspekte der innerdeutschen Grenze aufgearbeitet.

Auf Stellwänden werden der Aufbau der menschenverachtenden Grenzanlagen der DDR gezeigt, Fotos von Soldaten der Nationalen Volksarmee, die mit Feldstechern die Bewegungen der BGS-Kräfte beobachteten. Zeitungsausschnitte, die von Fluchtgeschichten und -versuchen berichten, dokumentieren ebenfalls die Zeit des Kalten Krieges. Zur Ausstellung, für die man rund eineinhalb Stunden benötigt, gehören mittlerweile auch alte Fahrzeuge und ein Hubschrauber.

Jede Woche führt Matera Gruppen durch die ständig wachsende Ausstellung. Anmeldungen unter Telefon 0451/2031080.

Und das können Sie sehen


Nicht nur das Grenzgebiet ist Thema der Ausstellung, in Büchern über Ostdeutschland können die Besucher stöbern. Wie in diesem hier: Sport und Kultur in Zeiten der DDR.
 

Zeitungsausschnitte, Pässe mit dem Stempel der DDR, Bücher, Fotos, Schallplatten, Unterlagen über die Grenzschutztruppen der DDR werden im neuen Museum ausgestellt.


Das Foto eines alten Warnschildes an der deutsch-deutschen Grenze: Kurz hinter Schlutup war die Bundesrepublik zu Ende. Der Förderverein hat stapelweise Bilder gesammelt, die den Alltag an der innerdeutschen Grenze dokumentieren.
 
Fotos: v.Zastrow

 

Ausgabe 335 vom 06.07.2004

Keine Fähre für Herrenwyk und Schlutup

Bericht: Betrieb durch Stadt nicht empfehlenswert

Eine von der Hansestadt Lübeck finanzierte Fährverbindung zwischen Herrenwyk und Schlutup wird es nicht geben. Ein Bericht, der jüngst der Bürgerschaft vorgelegt wurde, kommt zu dem Ergebnis: "Der Betrieb der Fähre durch die Stadt beziehungsweise den Fährbetrieb der Stadtverkehr Lübeck GmbH und die Anbindung der Fähre an den übrigen ÖPNV ist bei der derzeitigen finanziellen Lage Lübecks abschließend nicht zu empfehlen." Da die Schaffung der Voraussetzungen mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden sei, könne auch die Einrichtung oder die Unterstützung eines Probebetriebes nicht befürwortet werden. Die Bürgerschaft nahm den Bericht daher lediglich zur Kenntnis.

Vor rund zweieinhalb Jahren hatte die Bürgerschaft die Verwaltung beauftragt zu prüfen, "wie eine Wiederaufnahme der Fährverbindung (Personen- und Fahrradfähre) zwischen Herrenwyk und Schlutup ermöglicht werden kann". Aus einem Zwischenbericht, der den Stadtvertretern vor knapp zwei Jahren vorgelegt wurde, ging hervor, daß zur Abschätzung eines möglichen wirtschaftlichen Betriebes der Fährverbindung gesicherte Erkenntnisse über Nutzerpotentiale vorliegen müßten. Der Bereich Stadtplanung gab zwischenzeitlich eine solche Analyse in Auftrag, deren Ergebnisse im Bericht zusammengefaßt wurden. Danach wird eine Nachfrage von etwa 340 Fahrten pro Normalwerktag auf der Fähre für wahrscheinlich gehalten. Zu wenig, als daß sich eine Fähre rechnen würde. Denn laut Bericht sind Investitionen in Höhe von 85 000 Euro zu tätigen, zudem fallen Betriebskosten von rund 133 000 Euro an. Bei 350 Fahrgästen pro Tag ließen sich pro Jahr jedoch nur 109 000 Euro Einnahmen erzielen.

 

LN 29.04.2004 von sep

Eltern in Sorge:
Mann wollte in Schlutup
Jungen ins Auto locken

Eltern der Schlutuper Grundschule sind in Sorge um ihre Kinder. Ein unbekannter Mann soll versucht haben, zwei Jungen unabhängig voneinander in sein Auto zu locken. An der Grundschule warnt der Schulelternbeirat seit gestern Kinder, Lehrer und Eltern mit einem Aushang „Achtung Mitschnacker".

„Wir können den Vorfall nicht einfach so hinnehmen. Vorsichtig und wachsam zu sein, ist auch weiterhin das Gebot der Stunde", erklärt Achim März, Vorsitzender des Schulelternbeirats. Auch wenn der besagte Vorfall bereits vier Wochen zurückliegt, sieht März keinen Grund, die Angelegenheit unter den Tisch zu kehren. „Wenn wirklich etwas passiert, würden wir uns doch alle sehr große Vorwürfe machen", so März. Das Mindeste, was man machen könne, sei zu sensibilisieren und auf die Gefahr hinzuweisen.

Zwei Jungen aus der dritten Klasse wurden auf dem Nachhauseweg vom Spielen am frühen Abend nacheinander in der Mecklenburger Straße angesprochen. Ein unbekannter Autofahrer bot an, die Kinder nach Hause fahren zu wollen und forderte sie auf, sich dem Auto zu nähern. Die beiden Jungen verhielten sich jeweils richtig und folgten der Aufforderung nicht. „Leider wurde die Polizei erst fünf Tage später über diesen Vorfall informiert", so Polizei-Sprecher Frank Doblinski. Das zuständige Kommissariat 11 hat sich mit dem Fall beschäftigt. Allerdings sind die Ansatzpunkte dürftig. Der unbekannte Mann im Alter zwischen 30 und 35 Jahren trug eine Brille, hatte kurze Haare und war vermutlich in einem dunkelblauen VW Passat Kombi unterwegs. Der Wagen soll zudem ein OH-Kennzeichen haben. Entgegen anders lautenden Gerüchten hat es nach Polizeiangaben keinen ähnlichen Fall in Schlutup oder anderen Stadtteilen mit einem dunklen Kombi gegeben. „Es gibt keinen Grund zur Hysterie", sagt Doblinski. Allerdings sollten Eltern ihre Kinder auf die richtigen Verhaltensweisen hinweisen. Das heißt: Niemals mit Fremden mitgehen oder in das Auto eines Fremden einsteigen. Auch dann nicht, wenn der Unbekannte vorgibt, von den Eltern geschickt worden zu sein.

An der Grundschule Schlutup, die von etwa 250 Kindern besucht wird, hat der Vorfall für Unruhe gesorgt. Schulleiter Hans-Günther Görtz: „Wir haben das Thema in der Konferenz und auch im Unterricht mit den Kindern besprochen." Um die Kinder, die beim Thema teilweise geweint hätten, nicht weiter zu verunsichern, habe man der Verteilung von warnenden Handzetteln nicht zugestimmt.

  

LN 22.04.2004 von mb

Schlutuper Sperrzeiten:
Selmsdorf leistet Widerstand

Der Streit um die Ortsdurchfahrt Schlutup geht weiter: Die Selmsdorfer wollen sich mit den von Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) und Nordwest-Landrat Erhard Bräunig ausgehandelten Sperrzeiten nicht abfinden und kündigen Widerstand an.

Dabei sind die Schilder bereits in Arbeit, in fünf Wochen werden sie die nächtliche Zufahrt über den Kreisel beim Selmsdorfer Gewerbegebiet nach Schlutup verbieten. Bis zur Freigabe der A 20 im Dezember werden Autos wochentags von 22 bis 6 Uhr ausgesperrt, an Wochenenden ist von Sonnabend, 22 Uhr, bis Montag, 6 Uhr, die Einfahrt verboten. Dadurch soll Schlutupern zu erholsamer Nachtruhe verholfen werden. Die ist dahin, wenn von der B 104 über den Kreisel beim Selmsdorfer Gewerbegebiet der Verkehr rund um die Uhr durch den Ortsteil fließt - nur weil die Fahrer den drei Kilometer langen Umweg über die Umgehungsstraße scheuen, die ja offen bleibt.

Selmsdorfs Bürgermeister Detlef Hitzigrat (parteilos), sein Stellvertreter Helmut Kownatzki (PDS) und auch Bauausschuss-Vorsitzender Christian Albeck (SPD) sind sich einig: „Das kommt überhaupt nicht in Frage. Wir lassen uns doch nicht aussperren!" Die Lübecker sollten sich gefälligst daran gewöhnen, dass man jetzt ein Land sei, und keine neuen Grenzen erichten.

Auch Ingrid Schatz, Ortsvereinsvorsitzende in Schlutup, hat Bedenken gegen neue Grenzen: „Doch leider beweisen die Autofahrer ja keine Vernunft, man muss den Leuten in der Nacht doch nicht den Schlaf rauben." Was ihr SPD-Kollege Harald Quirder ganz ähnlich sieht: „Das Geschrei des Selmsdorfer Bürgermeisters ist nicht nachzuvollziehen."

Sein Parteifreund Christian Albeck von der anderen Seite der Landesgrenze ist da ganz anderer Meinung. Und er sieht ebenso wenig wie Bürgermeister Hitzigrat die neue Beschilderung in nächster Zeit irgendwo prangen. Denn die müsste an der Gemeindestraße aufgestellt werden. Selmsdorf dürfe zwar als Kommune keinen Widerspruch dagegen einlegen. Wohl aber „betroffene Bürger", von denen sich Dutzende auftreiben lassen. Die können sich zuerst an den Kreis wenden. Danach an das Landesamt für Straßenverkehr in Rostock. Und schließlich könnten sie auch vor Gericht ziehen, bestätigt die Kreisverwaltung.

  

LN 13.3.04

Kein Geld für Schlutup

5000 Euro fehlen der Stadt noch für den geplanten Wochenmarkt in Schlutup. Der Markt soll rund um die Grüninsel „Am Schlutuper Markt" stattfinden; auf der Grünfläche müssen nun noch Holzbohlenwege für die Marktbesucher gebaut werden. „Das Geld, das dafür vorgesehen war, ist in einen anderen Topf geflossen und wurde für den Kücknitzer Kirchplatz verwendet", sagt Helmut Häffner, Leiter des Bereichs Märkte bei der Stadtverwaltung. Auch die Höhe der Miete für die bereits am Platz stehenden Toilettenhäuschen sei noch nicht geklärt. Nachdem die Schlutuper Bürger bisher uneinig waren, ob ein Markt stattfinden soll oder nicht, sei bei der diesjährigen Stadtteilkonferenz die Resonanz jedoch groß gewesen: „Die Leute waren positiv angetan." Freitag als möglichem Markttag stimmten die Bürger größtenteils zu.

Dazu eine LESER-MEINUNG von Peter Biedermann, Lübeck
vom dortigen "SPD-Ortsverein"
aus den Lübecker Nachrichten vom 25.3.2004

Unendliches Thema

Die kürzlich in den LN, erfolgte Teilberichterstattung aus der diesjährigen Stadtteilkonferenz in Schlutup zum Thema „Wochenmarkt in Schlutup" bedarf unseres Erachtens einiger Ergänzungen. Zwar wurde zu dem Punkt, seitens des Bereichsleiter Märkte Herrn Häffner, darauf hingewiesen, dass er derzeit die nach den Auflagen nötigen Maßnahmen zur Herrichtung des Platzes erforderliche Summe von 5000 bis 6000 Euro nicht zur Verfügung hätte. Er betonte jedoch auch, dass er versuchen wolle, das Problem gegebenenfalls durch Umschichtungen zu lösen.

Zudem wurde auf eine entsprechende Nachfrage aus der Versammlung von ihm ausdrücklich bestätigt, dass sich der Investitionsaufwand durch die Standgebühren der Betreiber refinanzieren würde. Somit geht es also nur um die kurzfristige Vorfinanzierung einer relativ geringen Summe, ob die Schlutuper endlich ihren seit inzwischen mehr als zehn Jahren geforderten Wochenmarkt bekommen, die Wochenmarktbeschicker einen zusätzlichen Standort erhalten und dieses in Schlutup mittlerweile unendliche Thema von der Verwaltung endlich erledigt wird.

   

LN 7./8.3.2004

Traditionsunternehmen gibt auf

Krellenbergs Öfen räuchern
nicht mehr

Räucherfisch und Krellenberg - das gehörte über Jahrzehnte in Schlutup zusammen. Jetzt ist diese Tradition zu Ende.

„Auf alle Räucherfische gibt's zwanzig Prozent", sagt die Verkäuferin. Was nach Ausverkauf aussieht, ist auch einer. Die Frau hinter dem Tresen ist Karin Krellenberg (58) von der gleichnamigen Fischräucherei am Schlutuper Mühlenteich. Sie bediente noch die letzten Kunden, dann ist Schluss mit dem Traditionsunternehmen.

Im Jahr 1910 noch vom Großvater gegründet, 1973 vom Vater übernommen und bis auf den letzten Tag in dritter Generation fortgeführt, wollte Carl Krellenberg das 95. Firmen-Jahr noch voll machen. Im nächsten Jahr wäre das Jubiläum gewesen, doch eine schwere Krankheit hat den 63-Jährigen zum Aufgeben gezwungen. Im Jahr 2001 die erste schlimme Diagnose. Danach erfolgreiche Operationen, Ende letzten Jahres wieder Ungewissheit und der Entschluss, endgültig aufzuhören. „Obwohl die Fischräucherei mein Lebensinhalt, meine Berufung war", sagt Carl Krellenberg wehmütig. Doch die Gesundheit ist ihm jetzt wichtiger. Sollten die Ärzte es zulassen, wollen die Krellenbergs Urlaub machen. Und zwar einen nicht alltäglichen. In's afrikanische Namibia soll's gehen.

Von der Kundschaft gibt es Blumen, Karten, sogar eine handgebastelte Angel ist dabei, und immer wieder viele gute Zukunftswünsche für das Paar, aus dessen Ehe der Sohn Peer hervor ging. Der 33-Jährige ist Bankkaufmann und wird den Betrieb nicht fortführen.

Am letzten Verkaufstag kommen wieder Stammkunden, überwiegend Fischliebhaber aus Lübeck und Umgebung. Ein Auto parkt mit Bremerhavener Kennzeichen. Räucherware von dem gelernten Industriekaufmann, der früher in Dänemarks und Schottlands Fischindustrie gearbeitet hat, und von seiner Frau ist so beliebt, dass selbst Touristen die kleine, abgelegene Räucherei ausfindig machen. Warum ist das, was aus den Öfen kommt, so begehrt? Geräuchert wird - nein, die Öfen sind nun endgültig aus -, geräuchert wurde „stets traditionell", erklärt Carl Krellenberg; mit Buchenholz aus nahe gelegenen Holzhandlungen. In alten, um 1900 erbauten so genannten Altonaer Räucheröfen wurden die rohen Fische zunächst gegart. Aquakultur-Aale aus Holland, Schweden und Italien mit besten Wassertemperaturen. Makrele, Heilbutt, Lachs, Forelle, Heringe, Sprotten aus skandinavischen Ländern. In den drei mannshohen Öfen wurden die Fische dann mit dem Qualm von Spänen aus Erle und Eiche „veredelt, um ihnen Geschmack und Aussehen zu geben", gibt der Fachmann einen Einblick in die Räucherei.

Es gibt nicht nur Geräuchertes. Die Rezeptur verschiedener Marinaden, für die Rollmöpse etwa, werden „natürlich nicht" verraten. Nur so viel ist heraus zu bekommen: „Alles so wie früher." „Traurig, dass Sie schließen müssen", sagt Gisela Scheel aus Schlutup. Die 63-Jährige spricht aus, was so viele Anhänger an diesem letzten Tag wiederholen.

Ganz verzichten muss aber niemand auf maritime Leckereien wie Rollmöpse oder Marinaden. Die wollen die Krellenbergs weiter zubereiten. Zum Verkauf stehen die Spezialitäten ab 10. März, immer mittwochs, von 9 bis 15 Uhr. Räucherware aber wird es nicht mehr geben, die Öfen bleiben für immer aus.


Karin und Carl Krellenberg neben ihrem Firmenzeichen, dem „Schlutuper Fischjungen". Sie im weißen, er im grauen Arbeitskittel, so kennt sie die Kundschaft.


Der Firmen-Gründer: Großvater Carl Krellenberg leitete von 1910 an über 60 Jahre lang die Fisch-Räucherei in Schlutup.

   

LN 7./8.3.2004

Reihenhäuser auf Kühne-Gelände

Das Gutachtenverfahren für zukünftige Wohnbebauung auf dem früheren Kühne-Gelände in Schlutup ist entschieden: Das Preisgericht sprach sich einstimmig für den Entwurf des Hamburger Architekturbüros „nps tchoban voss" aus und vergab den 1. Preis. Das Büro setzte sich gegen drei Konkurrenten durch.

Die von nps vorgeschlagene Bebauung nehme die bestehende Siedlungshausstruktur beispielhaft auf, urteilte das Preisgericht. Weiter heißt es in der Begründung: „Die formulierten Leitideen Bauen am Hang, mit dem Hang und auf dem Hang` geben eine eindeutige städtebauliche Aussage für das Grundstück." Bei der geplanten Bebauung handelt es sich überwiegend um Reihenhäuser und Atriumhäuser, nicht um eine Einzelhausbebauung.

Der Standort Schlutup der Firma Kühne blickt auf eine jahrzehntelange Tradition zurück. Dennoch erforderte der Markt die Aufgabe der Schlutuper Produktionsstätte zur Jahresmitte 2003. Damit eröffnen sich neue Optionen zur Nutzung der Grundstücksflächen und die Chance, an diesem Standort durch Umstrukturierung einer Industriebrache ein hochwertiges Wohnquartier zu entwickeln. Von Dienstag, 9. März, bis Freitag, 19. März, werden die Arbeiten im Foyer des Fachbereiches Stadtplanung, Mühlendamm 12, öffentlich ausgestellt.

   

LN 4.3.2004

Schlutup: Heftige Debatte um
Sperrung aus Richtung Selmsdorf

Verkehrsberuhigung oder Schikane? Nach wie vor sind sich die Schlutuper nicht einig über das zeitlich begrenzte Durchfahrtsverbot durch ihren Ort aus Richtung Selmsdorf. Doch die Sperrung nachts und am Wochenende ist beschlossene Sache - diese Nachricht überbrachte Helmut Schünemann, Abteilungsleiter Verkehrsplanung bei der Stadtentwicklung, der Stadtteilkonferenz „Runder Tisch" in Schlutup.

Begeisterter Applaus blieb also nicht die einzige Reaktion auf die Maßnahme zur Verkehrsberuhigung. „Ich sehe mein Haus vom Kreisverkehr aus und muss nun doch drei Kilometer Umweg fahren. Das ist idiotisch", rief eine aufgebrachte Anwohnerin. Halb Schlutup sei mit Selmsdorf „verwandt und verschwägert". „Wir waren lange genug getrennt", wettert die ältere Dame gegen die Sperrung der Ortsdurchfahrt. Künftig muss die Anwohnerin sonnabends ab 14 Uhr bis montags sieben Uhr sowie wochentags zwischen abends 20 Uhr und morgens sieben Uhr von der B 104 aus den Weg über die Umgehungsstraße nehmen.

Die Menschen in Schlutup wollten ihre „verdiente Nachtruhe", plädiert Helmut Schünemann für die Lösung: „Man kann den Verkehr nicht auflösen." Blumentröge auf den Straßen hätten zwar das Geschwindigkeitsniveau der Fahrzeuge, aber nicht den Durchgangsverkehr gemindert. Auch die bisherige „Anlieger frei"-Beschilderung sei rechtlich kaum greifbar gewesen. Die Polizeikontrollen blieben uneffektiv. „Von 100 Leuten haben zwei zugegeben, nicht rechtmäßig durchgefahren zu sein. Die anderen haben Einspruch gegen ein Bußgeld eingelegt und sind damit durchgekommen", sagt Holger Bellinskies, stellvertretender Leiter der Polizeistation Schlutup. In vier bis sechs Wochen soll das neue Verkehrswechselschild stehen: Es wird nur noch in den durchfahrtsfreien Zeiten „Anlieger frei" anzeigen.

Doch auch der Bürgermeister des benachbarten Selmsdorf, Detlef Hitzigrat, akzeptiert die Sperre nicht. Der Landrat des Kreises Nordwest-Mecklenburg habe sich über die Selmsdorfer hinweggesetzt: „Die Gemeinde hat die Sperre abgelehnt." Viele Selmsdorfer würden in Schlutup arbeiten und müssten nun den Umweg in Kauf nehmen.

  

Ausgabe 317 vom 02.03.2004

Bald ruhige Nächte in Schlutup

Einigung in Grevesmühlen - Weniger Verkehrslärm

In wenigen Wochen werden die Bewohner Schlutups ruhiger schlafen: Die Ortsdurchfahrt Schlutup soll vom Kraftfahrzeug-Durchgangsverkehr aus Rich-tung Selmsdorf in Richtung Herrenbrücke / Bundesstraße 75 befreit werden. Diese gute Nachricht brachte Lübecks Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) nach einem Gespräch in Grevesmühlen mit Erhard Bräuning mit. Bei dem Treffen in der vergangenen Woche verabredeten der Landrat des Kreises Nordwest-Mecklenburgs (NWM) und Boden, eine zeitlich begrenzte Zufahrtbeschränkung von der Bundesstraße B 104, ab dem neuen Kreisverkehrsplatz in Höhe des Gewerbegebietes Selmsdorf, in Richtung Schlutup.

"Die Bemühungen der Hansestadt Lübeck, die Verkehrssituation für die Schlutuper entlang der Ortsdurchfahrt kurzfristig erträglich zu gestalten, haben ein offenes Ohr gefunden", sagte Senator Boden nach dem sehr konstruktiven Gespräch. Ziel war die Lärmminderung, das heißt eine bessere Nachtruhe.

Sowohl von Seiten des Kreises NWM als auch von Lübecker Seite wird erwartet, daß der Bund und das Land Schleswig-Holstein mit Hochdruck an der Realisierung des zweiten Bauabschnittes der Umgehungsstraße Schlutup und an der Inbetriebnahme des noch fehlenden Abschnittes der Bundesautobahn A 20 zwischen Schönberg und Lübeck-Genin gearbeitet wird. Erst wenn diese Straßen den ihnen zugedachten Verkehr aufnehmen, wird sich die Lage in Schlutup grundsätzlich entspannten.

Bis es soweit ist, sollen in einem vorerst einjährigen Versuch folgende Maßnahmen greifen: Mit Hilfe von Wechselverkehrs-zeichen soll für die Autofahrer folgende Regelung gelten:

* Die Zufahrt von der B 104 nach Schlutup ist - mit Ausnahme von Linienverkehr, Taxen und Radverkehr - am Wochenende von sonnabends ab 14 Uhr bis montags 7 Uhr und dienstags bis sonnabends jeweils vom Vorabend ab 20 Uhr bis morgens 7 Uhr gesperrt.

* In den sonstigen Tageszeiten ist die Zufahrt nach Schlutup frei für Anlieger, Linienbusse, Taxen und Radfahrer.

* Eine Ausfahrt aus Schlutup auf der Mecklenburger Straße in Richtung Gewerbegebiet beziehungsweise B 104 ist uneingeschränkt möglich; ebenso wie die An- und Abfahrt zum Gewerbegebiet Selmsdorf aus beziehungsweise in Richtung B 104.

"Wir haben diese Lösung im Arbeitskreis ,Verkehrsberuhigung Schlutup', in dem Interessenvertreter aus ganz Schlutup und die Fraktionen der Bürgerschaft vor Ort vertreten sind, gemeinsam entwickelt," erläuterte der städtische Verkehrs-planer Helmut Schünemann die Hintergründe.

   

LN 2.3.2004 von Jörg Köpke

Fehlende Steuergelder:
Katholiken in Schlutup trafen sich zum letzten Gottesdienst

Abschied von St. Ansgar

Dass Gotteshäuser schließen werden, steht schon lange fest. In Schlutup haben Gläubige diese leidvolle Erfahrung jetzt machen müssen. Viele können es nicht fassen, dass es ausgerechnet ihre Kirche trifft.


Zum Foto oben: Der letzte Gottesdienst Die Ansgar-Kirche an der Wesloer Straße in Schlutup wurde wie die meisten der insgesamt elf katholischen Kirchen in Lübeck erst nach dem Krieg erbaut. 1953 geweiht, feierte sie im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Am vergangenen Sonntagmorgen zelebrierte Rainer Klatt zum letzten Mal mit seiner Gemeinde das Abendmahl.

Es ist kalt an diesem Sonntagmorgen. Minus sechs Grad zeigt das Thermometer an. Neuschnee hat die Landschaft über Nacht wie in Watte eingehüllt. Auch die katholische Ansgar-Kirche in Schlutup schlummert im Winterschlaf. Doch die Idylle trügt. Eine halb erfrorene Glocke bittet kurz vor neun schüchtern zum Gottesdienst. Es wird der letzte Gottesdienst sein. Nach 51 Jahren wird das Gotteshaus an der Wesloer Straße geschlossen. Endgültig.

„Seit 42 Jahren gehe ich jeden Sonntag hier hin", sagt Maria Lopitz. Die 65-Jährige hält ein weißes Papier-Taschentuch in der Rechten und ringt mit den Tränen. Ihre beiden Söhne seien in St. Ansgar getauft worden. Jahrzehntelang habe sie im Büro der Pfarrei gearbeitet. „Ich bin fassungslos. Wo soll ich jetzt nur hin?"

In Kleingruppen warten ungefähr 60, zumeist ältere Menschen vor dem Gotteshaus auf den Beginn der Messe. Die Atmosphäre ist familiär. Man kennt sich. Gerüchte machen die Runde. Liegt es an der Geldnot der Kirche? Am Priestermangel? „Die wollen die Kirche abreißen und Reihenhäuser bauen", raunt eine aufgebrachte, weißhaarige Frau.

Nicht nur Katholiken haben sich zum Abschied eingefunden. Auch viele Mitglieder der benachbarten evangelischen Andreas-Gemeinde sind gekommen. „Wir singen zusammen im ökumenischen Chor. Ich gehe oft zur katholischen Messe", sagt Irmgard Kegel. Ein Jammer, dass die Kirche geschlossen werde. Das sei ein Verlust für ganz Schlutup.

Edeltraut Henke wollte eigentlich nicht kommen. Jetzt steht die 65-Jährige doch vor dem Eingang von St. Ansgar. Sie ist wütend und ratlos zugleich. „Meine Tochter hat gesagt: Mama, wenn jemand stirbt, gehst du auch zur Beerdigung. Du musst da hin." Nach langem Überlegen habe sie ihrer Tochter Recht gegeben. „Ich war vom ersten Tag an seit 1953 dabei. Es ist wirklich wie eine Beerdigung. Es tut weh." Auch Norbert Keuchel (39) kämpft mit seinen Emotionen: „Wie kann man eine Kirche schließen?", fragt der Berufsschullehrer.

Die Stimmung während der Messe ist gedrückt. Das Kirchenschiff mit der vertäfelten Holzdecke ist beheizt. Doch eine erwärmende Atmosphäre will nicht aufkommen. Pfarrer Rainer Klatt ist sichtlich um Fassung bemüht. Er spricht von einer „finanziellen Katastrophe", die Kiel zu dem schmerzhaften Entschluss zwinge. „Wir müssen lernen, mit unseren Gefühlen und Schmerzen fertig zu werden." Der Pfarrer bittet, jetzt nicht ganz der Kirche den Rücken zu kehren. Gottesdienste gebe es auch in Kücknitz oder Heilig Geist. Ein letztes Mal ruft Pfarrer Klatt, der sich in Lübeck um gleich vier Kirchen kümmern muss, in St. Ansgar zum Abendmahl. Ein letztes Mal räumen die Geistlichen das Messgeschirr weg. Dann ist der Gottesdienst vorbei - und St. Ansgar keine Kirche mehr.

„Ab dem 1. März wird das Gebäude profaniert", erklärt Bernhard Duhn, Leiter des erzbischöflichen Amtes in Kiel, in korrektem Amts-Deutsch. Wegbrechende Steuereinnahmen seien der Grund für diese „Zumutung". Jetzt bemühe sich die Kirche, einen adäquaten Nutzer zu finden. Und falls das nicht gelingen sollte? „Dann müssen wir die Kirche abreißen und als Baugrundstück ausweisen", so Duhn. Noch in diesem Sommer wird die nächste Kirche geschlossen. Dann heißt es Abschied nehmen von St. Konrad auf Marli.

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Die winterliche Idylle trügt: Weil der katholischen Kirche das Geld für den Unterhalt fehlt, muss St. Ansgar schließen. Wie das Gebäude künftig genutzt wird, ist nach Angaben der erzbischöflichen Kirchen-Leitung in Kiel noch völlig offen.

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Maria Lopetz (65):
"Ich bin fassungslos.
Wo soll ich jetzt nur hin?"

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Norbert Keuchel (39):
"Wie kann man eine
Kirche abreißen?"