Presseberichte aus dem Jahr 2004 (August - September):           [ zurück ]  
WS vom 30.09.04: So wohnten die Fischer 
LN vom 08.09.04: Wo aus Osten Westen wird (Die Wende - 15 Jahre danach) 
SZ vom 31.08.04: Schilder für bessere Nachtruhe 
LN vom 31.08.04: Schildchen wechsel dich.
LN vom 15.08.04:  Mit der Kutsche durch Schlutup 
 

 

  Ausgabe 40. Woche vom 30.09.2004 von TW

So wohnten die Fischer

 
Horst P Schwankes neues Buch beleuchtet Schlutups Vergangenheit


Fischerhäuser faszinieren Horst P.Schwanke. Mit seinem Buch „Das Haus der Fischer" blickt er in die Geschichte des alten Fischerortes Schlutup zurück. Bis ins Jahr 1601 verfolgt er die Spuren. Vor einem der am besten erhaltenen Fischerhäuser präsentiert er sein Buch. Das Haus im Bögengang stammt aus dem Jahr 1629.            (Foto: TW)

In seinem ersten Buch hat Horst P.Schwanke über Schlutups Mühlen geschrieben. Jetzt ist sein zweites Werk fertig. „Das Haus der Fischer" führt den Leser durch Vergangenheit und Gegenwart des Ortes.

Eigentlich müsste man Horst P.Schwanke wohl als Ortschronisten bezeichnen. Tut man das jedoch in seiner Gegenwart, lenkt er ab. Lieber blättert er in seinem neuen Buch „Das Haus der Fischer" und zeigt eines der herrlichen Bilder eines alten Schlutuper Fischerhauses. Schon taucht er ab in die Geschichte des Hauses und nimmt den Zuhörer mit auf seine Spurensuche in die Vergangenheit seines Heimatortes.

„Mir macht dieses Stöbern in der Geschichte Spaß", sagt Horst P.Schwanke. Man braucht ihm nur ins Gesicht zu gucken, nur den Eifer des Mannes zu erleben, um zu wissen, wie viel ihm daran liegt. Fast betroffen wirkt er, wenn er Bilder verfallener Häuser hervorsucht.

Zwei Jahre lang hat Schwanke für sein Buch recherchiert. Die Idee kam ihm bei seiner zweiten großen Leidenschaft, den Mühlenwanderungen. Seit vier Jahren nimmt der Schlutuper Interessierte mit auf eine Reise in die Vergangenheit der Mühlen des Ortes. Mit großem Erfolg, denn rund 1000 Teilnehmer hat er in den Jahren gehabt.

„Bei den Wanderungen wurde ich auch nach den Häusern gefragt", erinnert sich Schwanke. Und die faszinierten ihn neben den Mühlen schon immer. Damit begann die Arbeit am Buch. Ein altes Fischerpaar erzählte ihm aus dem Leben. Fotos und Zeichnungen kamen dazu. „Ich habe jede Menge Material gesammelt."

Mit der Unterstützung des Gemeinnützigen Vereins Lübeck-Schlutup wuchs die Sammlung'. Und auch die Schlutuper unterstützten Schwankes Projekt und brachten ihm Fotos. „Gucken Sie mal, was für ein Bild ich habe", hieß es dann.

„Ich möchte gerne weitergeben, was ich über die Fischerhäuser weiß." So erfährt der Leser, wie das typische Schlutuper Fischerhaus ausgesehen hat. Bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts hat Schwanke in die Vergangenheit geguckt. Dem Traditionsgasthaus der Fischer„ Zum weißen Schwan" widmet er ein ganzes Kapitel. Auch der Heimatdichter Johann Wellmann kommt zu Ehren. Und natürlich zeigt Schwanke, wo heute noch alte, neue und manchmal verfallene Häuser zu finden sind. Bald will er auch zu abendlichen Spaziergängen durch den Ort einladen.

„Dass Schlutup ein alter Fischerort war, sieht man heute kaum noch", bedauert Horst P.Schwanke. Dank seines Buches gerät dieses Erbe jedoch nicht in Vergessenheit. Und damit ist er dann doch irgendwie der Chronist des Ortes.

Horst P.Schwankes Buch „Das Haus der Fischer.
(Alte) Schlutuper Fischerhäuser - eine Bestandsaufnahme"
(Verlag Schmidt-Römhild, 128 Seiten, zwölf Euro)
ist erhältlich beim Gemeinnützigen Verein Lübeck-Schlutup,
der Gemeinnützi-gen Gesellschaft Lübeck,
bei der Deutschen Bank in Schlutup
und dem Schreibwarengeschäft Strehl.

 

LN 8.9.2004 von Curd Tönnemann
Teil 2:  Die Wende - 15 Jahre danach
In Schlutup fand 1989 für ein paar Tage Weltgeschichte statt.
Doch zum Nabel der Welt wurde der Lübecker Stadtteil nicht.
Er liegt heute fast so abgeschieden am Ostrand der Stadt
wie vor dem großen Ansturm der DDR-Bürger.

Wo aus Osten Westen wird

Zum Foto (Matthias Friedel / Wolfgang Maxwitat)
Schlutup heute - zwischen Schwarzmühlenteich (unten),
Mühlenteich und Schlutuper Wiek (oben),
rechts die Umgehungsstraße nach Mecklenburg,
parallel dazu der ehemalige Grenzstreifen,
der heute Wanderweg ist.

„Ein bisschen Ernüchterung ist eingekehrt", sagt Jürgen Schreiber (58), Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Schlutup, 15 Jahre nach jenem November-Abend, als der bis dahin beschauliche Lübecker Stadtteil für eine Nacht Weltgeschichte schrieb. Beige und himmelblaue Trabis mit DDR-Bürgern schoben sich in jener Nacht von Selmsdorf nach Schlutup, vorbei an irritierten und vergeblich protestierenden Vopos. Wessis trommelten vor Freude auf die Plaste-Dächer, reichten Bananen und Schokolade und Rosen in die stinkenden Zweitakter, die plötzlich nach Freiheit dufteten. Ossis weinten vor Freude. Der Kalte Krieg, er endete zuerst auch in Schlutup.

Nein, der große Boom im Einzelhandel, den sich viele damals erhofft hatten, nein, der große Aufbruch hat in diesem Lübecker Stadtteil (6000 Einwohner) niemals stattgefunden. Was ist geblieben? „Beinahe nichts", sagt Schreiber. Ein paar wiederbelebte Kontakte, ein paar neue Freundschaften natürlich zwischen den Menschen hüben und drüben. Und eine neue Himmelsrichtung mit einem Gewerbegebiet gleich hinter der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern.

Aber sonst? In Schlutup gibt es einen Schlecker-, einen Plus- und einen Skymarkt, zwei DönerImbisse und beinahe benachbart zwei Griechen. Das Feuerwehrhaus und die Kirche stehen mitten im Dorf, das Schwimmbad ist frisch saniert. Ins alte Zollhaus zieht demnächst ein Museum, die Renovierung läuft. Im Schaukasten des Sportvereins an der Sparkasse prangen Fotos von den erfolgreichen Jugendsportlern und der Hinweis auf den baldigen Laternen- und Fackelzug von TSV und Siedlergemeinschaft. Der Hafen boomt, es gibt reichlich Betriebe vor allem in der fischverarbeitenden Industrie, an der Spitze einer der bundesdeutschen Marktführer: Hawesta.

Das klingt nach heiler Welt, nach Idylle. Aber die Fassade täuscht. Alteingesessene Geschäfte mussten in den vergangenen Jahren aufgeben in einem Dorf, das von Lübeck über viele Jahrzehnte autark schien: Die Schlachterei Ahrendt hat geschlossen, der Lebensmittelhändler Rüscher, der Bäcker Schümann, das Textilhaus Kankel, die Schlachterei Schmidt. Auch der Lebensmittelkonzern Kühne hat den Standort Schlutup aufgegeben, sucht für seine Industriebrache einen neuen Eigentümer. „Nicht gut`, sagt Schreiber, „irgendwie gehörten sie alle zum Dorf dazu."

Aber die Pendler von Ost nach West, die fahren eben nur durch. Die meisten halten nicht an", weiß Schreiber. Er und seine Schlutuper wollen diese ungebetenen Gäste nicht mehr haben. Auf Mecklenburger Seite wurde kürzlich ein Verkehrsschild aufgestellt, das die Nachtdurchfahrt verbietet. Der Selmsdorfer Bürgermeister Detlev Hitzigrat hat dagegen protestiert, droht mit einer Klage: Neue Mauern würden die Schlutuper hochziehen.

Schreiber sehnt den Endausbau der Umgehungsstraße entgegen. „15 Jahre danach wird es endlich Zeit, das Provisorium zu überwinden", sagt er. Denn derzeit schiebt sich - Verbot hin, Verbot her - tags und nachts immer noch eine kleine Blechlawine durch den Ort. „Die Straßen sind kaputt, und nun sollen allein unsere Anlieger dafür bezahlen", empört sich Schreiber. Von Bund und Land fühlen sich die Schlutuper allein gelassen. Kann man für ein Stückchen Weltgeschichte nicht ein bisschen Dankbarkeit erwarten?

Szenenwechsel. Die Sträßchen heißen Dassower oder Schönberger Weg, An der Landesgrenze oder Voßbergbogen. Wie Salatgurken ranken sie in Schlutup entlang der ehemaligen Grenze zur DDR. Die meisten Häuser hier stammen aus den 50er und 60er Jahren, doch auffällig viele sind renoviert oder haben einen Anbau. „In der Siedlung findet ein Generationswechsel statt", erklärt Schreiber. Eine, die geblieben ist, ist Elisabeth Rother. Die 82-Jährige vom Voßbergbogen, Haus Nummer 9, sitzt in ihrem Garten, der an den ehemaligen Todesstreifen grenzt. Zwei alte Apfelbäume krümmen sich dort unter der Last von Früchten und Geschichte, ein paar Reihen Erdbeerpflanzen liegen verloren da. Einen sechs Meter breiten Streifen am Fuße ihres Grundstücks habe man ihr damals weggenommen, sagt die Rentnerin. Irgendwann in den 60er Jahren. „Für einen Fußweg, damit unser Grenzschutz patrouillieren kann." Immerhin habe sie den Zaun dafür bezahlt bekommen. Der brusthohe Maschendrahtzaun ist inzwischen zurückversetzt. Denn hier patrouilliert keiner mehr. „Nur die Birken auf Mecklenburger Seite machen Ärger, das Laub, so ein Dreck", schimpft die Hausbesitzerin. „Kümmert sich doch keiner drum! "

Zwischenfälle, nein, die habe es nicht gegeben. Und dann erzählt Elisabeth Rother doch eine kleine Anekdote. Es war in der Zeit der Ostverträge und von Willy Brandt, als ein DDR-Grenzer an ihren Zaun trat und nach den „Lübecker Nachrichten" fragte. „Wir wollen wissen, was der Westen schreibt`, habe der Vopo gesagt. Mit einem Sprung über den Zaun wäre er im Westen gewesen. „War wohl doch zu gefährlich", erinnert sich die Rentnerin. Wenige Meter hinter dem Soldaten habe ein zweiter bewaffneter DDR-Grenzer gestanden. Helfen konnte sie dem Mann nicht. „Wir hatten damals noch Ofenheizung, die Zeitung war schon verbrannt`, sagt sie.

Gisela Schwarz (58) legt eine frische Bratwurst auf den Grill. Die Inhaberin der „Grünen Bude" steht seit fast 30 Jahren in ihrem Imbiss an der Mecklenburger Straße, der zugleich Kiosk und am Ortseingang West eine Pilgerstätte für Trucker ist. Ruhiger geworden sei es, klar. Bei Grenzöffnung habe es noch einen Extra-Parkplatz vor ihrer Tür gegeben, eine Extra-Buslinie, sagt Schwarz. Für die Scharen Neugieriger aus Mecklenburg. Aber sie könne auch heute nicht übers Geschäft klagen. „Ich habe viele Stammkunden aus dem Osten." Auch die Pendler, die merke sie schon. Montags und freitags, da laufe ihr Laden ganz besonders gut. Da ist sie also: eine Schlutuperin, Gewinnerin der Wende. 15 Jahre danach.

Vereinsvorsitzender Jürgen Schreiber am Slut-up-Stein, der 1985 leicht versetzt und dessen Inschrift 1990 ergänzt wurde.

Weihnachten 1956 war der Slut-Up-(Schließ auf!)Stein vom Gemeinnützigen Verein als Mahnmal an der Grenze aufgestellt worden

Am Grenzübergang Schlutup

Die vom Priwall an der Ostsee bis Passau (Bayern) reichende „Zonengrenze" hatte eine Länge von 1381 Kilometern. Lübeck-Schlutup besaß den nördlichsten Grenzübergang für Straßenverkehr.

Nach dem 30. Juni 1946 wurde die innerdeutsche Grenze immer undurchlässiger. Private Reisen waren nur mit so genannten Interzonenpässen möglich, die bei den Besatzungsmächten beantragt werden mussten. In Schlutup sperrten die Engländer 1947 die Mecklenburger Straße nach Selmsdorf. Doch noch funktionierte der kleine Grenzverkehr: Russische Soldaten schätzten Schlutuper Frischfisch. Auch Schlutuper Pferde sollen nächtens in Mecklenburger Ställe gewechselt sein.

1948 wurden die Bestimmungen von den Sowjets weiter verschärft.1952 beschloss die DDR einen Zehn-Meter-Kontrollstreifen, einen 500 Meter breiten Schutzstreifen und eine Fünf-Kilometer-Sperrzone. 8000 „unzuverlässige" Personen wurden unter dem Decknamen „Ungeziefer" aus dem Grenzgebiet ausgewiesen. Am 15. Mai 1952 wurde der Grenzübergang in Eichholz von der Volkspolizei geschlossen. Lübeck war abgeschnitten.

Der 1. März 1960 brachte die Menschen in Ost und West endlich näher. „Lübeck besitzt wieder einen Zonengrenzübergang", jubelten die LN. „Die Straße nach Mecklenburg ist frei." Tausende drängten sich rund um den neu geschaffenen Zollhof. Jenseits des Schlagbaums nach Selsmdorf lag die Straße verlassen da. Bei der feierlichen Eröffnung des Übergangs wiesen Vopos die Festgäste aus dem Westen rüde zurecht. Ehrengäste, die den Grenzern Blumen und Marzipan überreichten wollten, wurden aufgefordert, „das Territorium der Deutschen Demokratischen Republik zu verlassen", sonst werde Gewalt angewendet.

1968 entstanden auf DDR-Seite neue Abfertigungsgebäude mit später 13 Fahrspuren. Die Zahl der Reisenden wuchs bis Ende der 70er Jahre auf über 700 000. In den 80er Jahren blühte der Mülltourismus zur Deponie Schönberg: 1984 passierten 32 000 Laster die Grenze.

 

Ausgabe 343 vom 31.08.2004

Schilder für bessere Nachtruhe

Mit Verkehrszeichen soll Schlutup vom Durchgangsverkehr befreit werden

Am gestrigen Montag hat der Bereich Stadtplanung an ausgewählten Straßen nach Schlutup zwei neue Verkehrsschilder aufstellen lassen, die die Zufahrt durch den Ort regeln. Ziel ist, den Stadtteil Schlutup vom Durchgangsverkehr aus Richtung Selmsdorf in Richtung Herrenbrücke / Bundesstraße 75 zu befreien. Mit den nun platzierten so genannten Wechselverkehrszeichen wird die Durchfahrt durch Schlutup befristet. Ein Zeichen befindet sich an der B 104, rund 150 Meter vor der Einmündung der Verbindungsstraße nach Schlutup, Kreisstraße 18; das andere an der Mecklenburger Landstraße rund zehn Meter hinter dem Kreisverkehr am Gewerbegebiet.

Die mit Solarstrom betriebenen Verkehrszeichen zeigen folgende Regeln: Die Zufahrt aus Richtung Selmsdorf ist montags bis sonnabends jeweils von 6 bis 22 Uhr für Anlieger frei und von sonnabends bis montags von 22 bis 6 Uhr für den allgemeinen Kfz-Verkehr gesperrt. Das bedeutet, dass auch der Schwerlastverkehr nicht durch Schlutup fahren darf und somit die vom Straßenlärm geplagten Anwohnerinnen und Anwohner nachts ruhiger schlafen können.

Anders ausgedrückt bedeutet das: Die Zufahrt von der B 104 in den Stadtteil Schlutup ist - mit Ausnahme von Linienverkehr, Taxen und Radverkehr - am Wochenende von sonnabends ab 22 Uhr bis montags 6 Uhr und dienstags bis sonnabends jeweils vom Vorabend ab 22 Uhr bis morgens 6 Uhr gesperrt. In den sonstigen Tageszeiten ist die Zufahrt nach Schlutup frei für Anlieger, Linienbusse, Taxen und Radfahrer. Die B 104 steht weiterhin rund um die Uhr als Zufahrt aus Richtung Osten zur Verfügung.

Eine Ausfahrt aus Schlutup auf der Mecklenburger Straße in Richtung Gewerbegebiet beziehungsweise B 104 ist uneingeschränkt möglich; ebenso wie die An- und Abfahrt zum Gewerbegebiet Selmsdorf aus beziehungsweise in Richtung B 104. Eine vergleichbare Durchfahrtsregelung gibt es in der Friedenstraße bereits seit Jahren.

Der Inbetriebnahme dieser neuen Verkehrszeichen waren Abstimmungsgespräche seitens der Hansestadt Lübeck mit Vertretern des Landkreises Nordwest-Mecklenburgs (NWM) vorangegangen. Die Hansestadt Lübeck konnte erst jetzt tätig werden, weil die entsprechenden Unterlagen (Verfügungen) aus dem Nachbarkreis fehlten

 

  LN 31.08.2004 von Joachim Strunk

Neue Verkehrszeichen sollen den Schlutupern mehr Ruhe verschaffen

Schildchen wechsel dich
  

Neun Jahre nach dem ersten Antrag bekamen die Schlutuper gestern endlich ihr Durchfahrt-Verbotsschild - am Selmsdorfer Gewerbegebiet. Aber die Anwohner bleiben skeptisch.

zu den Fotos (j. Strunk): Arbeiter stellten gestern die neuen Wechselzeichen auf. Der rote Kreis mit dem weißen Querstrich verbietet die Durchfahrt.

Von montags bis sonnabends springt das solarbetriebene    
Wechselzeichen um 6 Uhr auf das eingeschränkte Einfahrverbot - für Anlieger erlaubt.

Trotz des windigen Regenwetters und des brausenden Schwerlastverkehrs auf der B 104 dauerte es nur knapp zwei Stunden, bis die beiden Wechselzeichen aufgestellt waren. Das erste steht, wenn man aus Richtung Selmsdorf kommt, etwa 150 Meter vor der Einmündung nach rechts zum Selmsdorfer Gewerbegebiet, das zweite solarbetriebene Zeichen ist kurz hinter dem Kreisverkehr in Richtung Schlutup platziert. Ab sofort gilt hier: Montags bis sonnabends ist die Zufahrt von jeweils 6 bis 22 Uhr nur für Anlieger, Linien-, Taxen- und Radverkehr frei. In der übrigen Zeit ist die Zufahrt für den allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr gesperrt.

Die Wechselschilder kosten inklusive Aufbau 17 000 Euro, dieallein die Stadt Lübeck trägt. Damit die Gemeinde Selmsdorf die von ihr ungewollten Schilder auf ihrem Gebiet akzeptierte, musste der Grevesmühlener Landrat Erhard Bräunig eine Duldungsverfügung erlassen.

Dass das Durchfahrtverbot dringend erforderlich ist, zeigte die jüngste Zählung des Amts für Verkehrsplanung Lübeck. Am vergangenen Donnerstag wurden vormittags von 4 bis 9 Uhr 2051 Fahrzeuge registriert, von 15 bis 20 Uhr waren es 2249.

Günther Düsterhöft, Leiter des zuständigen 3. Polizeireviers, will die Einhaltung des Verbots genau überprüfen. „Wir werden routinemäßige Verkehrskontrollen machen und uns die eine oder andere Nacht für eine halbe Stunde an die Strecke stellen." In der ersten Phase könne das durchaus auch etwas intensiver betrieben werden. Hauptkommissar Winfried Hein vom Sachbereich Verkehr der Polizeiinspektion Wismar macht allenfalls Hoffnung auf stichprobenhafte Kontrollen. Bernd Tegebauer, Sachgebietsleiter Verkehrswesen bei der Lübecker Polizei, ist gespannt, „ob die Zeichen angenommen oder permanent missachtet werden. Ich denke, dass sich das Problem ohnehin erledigt hat, wenn Mitte Dezember das fehlende Teilstück der Bundesautobahn 20 frei gegeben wird."

Das sehen Anwohner wie Albert Holst wesentlich skeptischer. „Das sind doch hauptsächlich Leute, die in Selmsdorf oder Dassow wohnen und zur Arbeit nach Lübeck oder Hamburg müssen. Ich glaube nicht, dass sie erst nach Lüdersdorf fahren, um auf die A 20 und dann in Lübeck auf die A 1 zu kommen." Der schnellere und „weltbekannte" Weg sei doch immer noch der mitten durch den Ort Schlutup.

Jürgen Schreiber, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Schlutup, könnte sich vorstellen, dass mit der Öffnung der A 20 zumindest der Lkw-Verkehr zurück geht. Die Installierung der neuen Verkehrszeichen begrüßt er, bezweifelt aber auch einen durchschlagenden Erfolg. „Schon unsere Verkehrsberuhigungsmaßnahmen haben nichts bewirkt. Tagsüber fuhren die Autos langsamer, nachts hat es aber niemanden interessiert." Wie Holst fordert auch er verstärkte Tempo-Kontrollen.

Eine wirkliche Entlastung der Durchgangsstraße in Schlutup erwarten alle Beteiligten erst dann, wenn die Umgehungsstraße Schlutup komplett ist. Noch führt der Umgehungsverkehr von der B 104 über die Wesloer Landstraße und den Wesloer Weg hin zur Travemünder Landstraße und dann weiter zur Autobahn. Geplant ist aber die Verlängerung der B 104 über die Wesloer Landstraße geradeaus in Richtung Mecklenburger Straße - eine Strecke von etwas mehr als einem Kilometer. Helmut Schüneman, Abteilungsleiter Verkehrsplanung der Stadt Lübeck, rechnet noch in diesem Jahr mit einem Planfeststellungsbeschluss. „Dann könnte es mit dem Bau ab 2006 losgehen."

 

LN 15./16.08.2004 von jac

Mit der Kutsche durch Schlutup

Mit dem Wettergott war partout kein Vertrag zu machen. Doch beim Sommerfest des „Cura-Seniorenzentrums Lübeck-Schlutup" musste nichts ins Wasser fallen. Selbst die Kutschfahrten durch Schlutup konnten verwirklicht werden. Die zum Teil hochbetagten Heimbewohner hatten daran großen Spaß.


Zwei Kaltblüter ziehen den Wagen von Peter Happach - 
die Senioren freuen sich riesig.
 (R.Jacob)

Seit 1998 ist das Heim mit seinen 59 Plätzen in der Hand der Cura-Gruppe, die 24 Häuser in ganz Deutschland betreibt. Dessen schleswig-holsteinische Regionalleiterin und zugleich Leiterin der Lübecker Einrichtung, Margot Tölle (48), gab sich stolz und heimst viel Lob ein, etwa von Alfred Kops (75), Mitglied des Lübecker Seniorenbeirates. Kops, zuständig für die Betreuung des Schlutuper Heimes, sprach von einem „wunderbar geführten Haus".

Bei bunter Musik von Marita & Rosi mit ihren Akkordeons sowie Kaffee, Kuchen, Sekt, Saft und Bowle wurde das Sommerfest wegen des Regens eben drinnen gefeiert.

Das größte Attraktion des Festes aber waren die Fahrten mit der alten Kutsche von Peter Happach. Zwei Kaltblüter zogen einen ausgedienten Lübecker Omnibusaufsatz. Der als Mühlenwanderer bekannte Schlutuper Horst P.Schwanke führte auf der Kutschfahrt seine Passagiere durch Schlutups Geschichte. „Einmalig schön", befand Heimbewohnerin Inge Stahl (93).