Presseberichte aus dem Jahr 2006 (November - Dezember):            [ zurück ]  
6000 Blumenzwiebeln für ein schöneres Schlutup 
Schlutup blüht auf 

Der ausgefallene Wochenmarkt  
Schlutuper Gemeinde im Schatzfieber
 
3000 Besucher bummelten über den Herbstmarkt
Schlutuper Ortsumgehung kommt nach 17 Jahren
Erster Spatenstich für Ortsumgehung Schlutup
Fischfabrik wird zum alternativen Wohnprojekt
  

 

LN 17/18.12.2006 von dor

6000 Blumenzwiebeln für ein schöneres Schlutup


Der Pflanztrupp: Wilhelm Ehlert (v. I.), Cay-Uwe Fiehn, Lothar Thabe,
Peter Willwater, Jürgen Schreiber und Ingrid Schatz.  Foto: Neelsen

Schlutup soll schöner werden und im nächsten Frühjahr richtig aufblühen - das haben sich die örtliche CDU, die Siedlergemeinschaft, die Kirche und der Gemeinnützige Verein vorgenommen. Gestern schwangen acht Männer und eine Frau den Spaten und pflanzten die ersten von 6000 Blumenzwiebeln.

Krokusse und Narzissen hat der Grüne Kreis Lübeck gesponsert. Der Grüne Kreis ist eine Tochtergesellschaft der Gemeinnützigen und springt Bürgern zur Seite, die ehrenamtlich und auf eigene Faust die Stadt verschönern. Am Burgtor, am Brink, am Recyclinghof, an der Kanalstraße und auf dem Kücknitzer Kirchplatz sind die Mitglieder des Grünen Kreises bereits tätig geworden, zählt der Vorsitzende Cay-Uwe Fiehn auf.

Die Aktion in Schlutup geht auf Initiative der CDU-Vorsitzenden Ingrid Schatz zurück, die die Verbände zusammentrommelte und den Grünen Kreis einspannte. „Schlutup soll im Frühjahr ein bisschen bunter aussehen", wünscht sich die engagierte CDU-Politikerin. An drei Stellen werden die 6000 Blumenzwiebeln gesetzt - direkt gegenüber vom Grenzhaus und ein Stückchen weiter in Richtung Landesgrenze, außerdem an zwei Stellen direkt im Ort.

Blumenzwiebeln setzen mitten im Dezember - ist das nicht ungewöhnlich? „Überhaupt nicht", erklärt Wilhelm Ehlert, Schatzmeister beim Grünen Kreis Lübeck: „So lange der Boden offen ist, man also mit dem Spaten in den Boden kommt, kann man auch pflanzen."

 

 HL- live.de  Newsletter vom 17.12.2006

 

Schlutup blüht auf

Das kommende Frühjahr wird bunt in Schlutup: Der Grüne Kreis, CDU-Ortsverband, Siedlerbund und Gemeinnütziger Verein pflanzen in diesen Tagen zusammen 6000 Blumenzwiebeln.

Der CDU-Ortsverband hat die Aktion organisiert, der Verein "Grüner Kreis Lübeck" stellt die Blumenzwiebeln und beim Pflanzen packen die verschiedenen Schlutuper Vereine wieder tatkräftig an. Am Samstagvormittag wurden die ersten Blumen am Gedenkstein "Slut Up" gesetzt.

Cay-Uwe Fiehn und Wilhelm Ehlert vom Grünen Kreis haben die Krokuss- und Osterglocken-Zwiebeln im Wert von 600 Euro bereit gestellt. Beide sind auch bei der Pflanzaktion dabei. Der Diplom-Ingenieur für Gartenbau Ehlert gibt auch die passenden Tipps: Die zweifache Höhe der Zwiebel muss mit Erde bedeckt werden. Spätestens nächsten Samstag sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, hofft Organisatorin Ingrid Schatz.

Schlutup soll aufblühen: Engagierte Bürger und der Grüne Kreis pflanzen 6000 Blumen. Foto: JW

 

LN 7.12.2006 von Sebastian Prey

Der ausgefallene Wochenmarkt

Sorgen um den Wochenmarkt in Schlutup. Nur noch vier Händler bieten dort ihre Waren feil. Gestern fiel der Markt komplett aus - zur Überraschung der Händler und Kunden.

Lange haben die Schlutuper für einen Wochenmarkt in ihrem Stadtteil gekämpft. Optimistisch sind die Marktbeschicker im Juli vorigen Jahres an den Start gegangen, doch von den Händlern haben sich schon einige wieder verabschiedet - mangels Masse. Ungeachtet dessen wird der Platz derzeit mit einer verbesserten Infrastruktur für Wochenmarkthändler ausgestattet. Kosten: 30 000 Euro.


Baustelle Schlutuper Markt: Am nächsten Mittwoch soll hier wieder der Wochenmarkt sein.        Foto: L. Roesler

Gestern konnten noch nicht einmal die restlichen vier tapferen Beschicker ihre Stände aufbauen. Bauarbeiten blockierten den Platz. Die Händler mussten unverrichteter Dinge wieder umdrehen, und Kunden wunderten sich später über den ausgefallenen Wochenmarkt. „Da ist etwas schief gelaufen. Wir wurden nicht informiert", sagt Marion Rosteck vom städtischen Bereich Märkte. Die Bauarbeiten dienen der Verbesserung der Infrastruktur des Wochenmarktes. Marktmeisterin Rosteck: „Stromleitungen und Wasseranschlüsse werden verlegt und installiert."

Die Resonanz auch an anderen Mittwochvormittagen auf dem Schlutuper Markt ist allerdings dürftig. Selbst große Wochenmarkt-Verfechter müssen bei dem eher trostlosen Anblick zurückrudern. Vom Ausbau des Marktes für die Beschicker will Ingrid Schatz (CDU) derzeit lieber nicht mehr reden. „Das können wir nicht allen Ernstes fordern. Das Geld wird an anderer Stelle dringender benötigt", so die Ortsvorsitzende. Dass das Angebot nicht in Anspruch genommen werde, habe laut Schatz einen ganz einfachen Grund. „Die Leute haben kein Geld mehr. Viele würden dort gerne frische Produkte kaufen, doch die gute Qualität hat auch ihren Preis. Das können sich viele Schlutuper schlichtweg nicht mehr leisten", so Schatz. Der Ausbau des Schlutuper Marktes zum Wohlfühl-Platz und attraktiven Wochenmarkt-Standort steht laut Rosteck allerdings auch gar nicht auf der Tagesordnung. Die jetzige Maßnahme stelle lediglich eine adäquate Ausstattung sicher.

„Die große Umgestaltung des Marktes zu einer schönen Fläche darf man nicht nur in direktem Zusammenhang mit dem Wochenmarkt sehen", sagt Harald Quirder vom SPD-Ortsverein. Er hofft, dass der Wochenmarkt sich wieder stärker etabliert. „Im Sommer lief der eigentlich ganz gut. Es ist erstaunlich, aber es soll noch immer Schlutuper geben, die gar nicht wissen, dass wir einen Wochenmarkt haben", so Quirder.

Die Situation sei auf fast allen Wochenmärkten in der Stadt nicht rosig, weiß Rosteck. Für den Schlutuper Markt versucht sie derzeit, eine Bäckerei und einen Stand mit Molkereiprodukten zu gewinnen. „Dadurch wäre das Angebot abgerundet."

 

LN 1.12.2006 von Oliver Vogt

Schlutuper Gemeinde im Schatzfieber

Die Schlutuper Kirchengemeinde St. Andreas
lüftete jetzt das Geheimnis einer
altertümlichen Spendentruhe.
 

Jahrelang hat sie einfach nur so in der Kirche herum gestanden, die schwarze, eisenbeschlagene Holztruhe. Nicht, dass sie jetzt irgend jemanden gestört oder es sonst einen bestimmten Grund dafür gegeben hätte - die Kirchengemeinde St. Andreas war einfach nur der Meinung, dass es jetzt an der Zeit sei, das Geheimnis der Truhe zu lüften. „Einfache Neugier war der Grund", sagt Pastorin Christina Kayales.

Und so kamen am Abend jede Menge Neugierige in die Andreaskirche, um dabei zu sein, wie die beiden schwarzen Eisenschlösser von der Truhe entfernt wurden. Aber nicht alle waren darüber glücklich: „Ich hätte der Truhe ihr Geheimnis belassen", meint der Schlutuper Historiker Horst P. Schwanke. „Es muss nicht immer alles aufgedeckt werden. Und ich denke, es ist sowieso nichts darin." Wissen wollte er es dann aber auch.

Die Truhe, so ist es zumindest überliefert, wurde vor mehreren hundert Jahren von der Kirche angeschafft, um Spenden für Bedürftige zu sammeln.

Dass heute noch etwas Wertvolles zu finden sein würde, daran glaubte niemand aus der Gemeinde. Denn sollte etwas da gewesen sein, hätte es vor 200 Jahren mit Sicherheit das französische Heer geplündert. Noch lange kein Grund, nicht dem Schatzfieber zu verfallen. Vielleicht ist den Franzosen ja etwas entgangen, vielleicht hat ein frommer Gottesmann eine goldbeschlagene Bibel, wichtige Schriften oder Goldmünzen in einem geheimen Seitenfach hinterlassen ...

Vielleicht hätte man solche Legenden bewahren sollen, denn die Realität erwies sich dann wie so häufig als überaus nüchtern. Münzen wurden zwar gefunden, jedoch vornehmlich aus neuerer Zeit. Im ganzen: 12,43 Deutsche Mark, 55 Cent, eine DDR-Mark, vermutlich direkt nach der Grenzöffnung von einem dankbaren DDR-Bürger dort hinterlassen, und 5 Rentenpfennige aus der Weimarer Republik - wenig aufregend.


Horst (li.) und Florian Lopitz gehen den Geheimnissen der alten Truhe auf den Grund. Auch Pastorin Dr. Christina Kayales (r.) ist im Schatzfieber.

Der „Schatz" ist geborgen: 12,43 Deutsche Mark, eine DDR-Mark, 55 Euro-Cent, 5 Rentenpfennige und vier mittelalterliche Münzen waren in der Truhe. Fotos: Wolfgang Maxwitat

Die Anwesenden, vor allem die Herren, wollten sich damit aber nicht so schnell zufrieden geben und suchten die Truhe systematisch weiter nach einem Geheimfach ab. Und schon in der Bibel steht: „Wer suchet, der findet". Ein Geheimfach und einen doppelten Boden zwar nicht - dafür aber vier mittelalterliche Münzen aus alten Hansetagen. In einer Ritze eingeklemmt, hatten sie in der Truhe die Jahrhunderte überdauert. Ein sehr winziger Schatz zwar- aber immerhin.

Als Schatzkiste kommt die alte Spendentruhe aber weiterhin zu Ehren. „Wir werden die Truhe im Familiengottesdienst benutzen", sagt Kayales, „Da tun wir dann kleine Schätze für die Kinder hinein."

 

LN 7.11.2006 von dor

3000 Besucher bummelten über den Schlutuper Herbstmarkt

Diese Veranstaltung hat im Stadtteil Kult-Charakter: Der Schlutuper Herbstmarkt lockt Jahr für Jahr rund 3000 Besucher in die Sporthalle am Krümmling. 53 Aussteller, allesamt Hobbykünstler, hatte der Veranstalter, die SPD Schlutup, diesmal zugelassen. „Wir hatten viel mehr Bewerbungen", berichten Harald Quirder und Peter Biedermann von der SPD. Aber es sollte auch nicht zu eng in der Halle werden. Zumal ein Teil der Fläche für Turn-, Tanz- und Sportvorführungen Schlutuper Vereine gebraucht wurde. Die Aussteller boten Kinderkleidung, Schnitzarbeiten, Patchwork, Kuscheltiere, Keramik und Weihnachtswichtel. Wer wollte, durfte zwischen dem Verzehr von Bratwurst und dem Genuss von Punsch seinen Kopf anstrengen. Der Gemeinnützige Verein verteilte ein „Schlutup-Quiz". Wer räucherte in Schlutup die ersten Heringe? Wer war in Schlutup der erste Standesbeamte? Rund 2000 Euro Reinerlös erwarten die Veranstalter. Das Geld kommt in diesem Jahr der Arbeiterwohlfahrt und der Kirche zugute. SPD-Chef Quirder: „ In den vergangenen zwölf Jahren haben wir knapp 20 000 Euro an gemeinnützige Projekte ausgeschüttet."

Selbstgestrickte Kinderkleidung verkaufte Gisela Biedermann auf dem Herbstmarkt Seit 13 Jahren ist die 67-Jährige dabei und erinnert sich noch an die Zeiten, als der Basar vor der Halle stattfand. Foto: Dirk Silz

LN-Notiz vom 10.11.2006

SPD Schlutup lädt zum Herbstmarkt

Wie in den Vorjahren findet der Schlutuper Herbstmarkt des SPD Ortsvereines
am ersten Novembersonntag, am 05. 11. in der Zeit von 10 bis 17 Uhr
in der Schlutuper Sporthalle am Krümmling statt.

Die von vielen Besuchern seit Jahren beliebte Veranstaltung, die bereits im 13. Jahr stattfindet, hat auch dieses Mal wieder viele neue Angebote und Anregungen zu bieten. So wird an einem eigenen Stand der Schlutuper Autor Horst P. Schwanke sein neuestes Buch einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Für das leibliche Wohl ist durch eine Cafeteria in der Halle sowie eine Gulaschkanone, Bratwurst und Getränke im Außenzelt gesorgt. Wie immer wird der Überschuss stadtteilbezogenen Projekten zugeführt, in diesem Jahr der Schlutuper AWO und der Schlutuper Kirche.

 

LN 4.11.2006 von Sebastian Prey
  
 

Erster Spatenstich nach 17 Jahren:
Schlutuper Ortsumgehung kommt


Nach dem Schlutuper Spatenstich signierte Minister Dietrich Austermann das „historische Objekt".   Foto: Neelsen

Daran haben viele Schlutuper schon nicht mehr geglaubt. 17 Jahre lang haben sie für den zweiten Bauabschnitt der Ortsumgehung gekämpft. Gestern gab es den ersten offiziellen Spatenstich für das sieben Millionen Euro teure Verkehrsprojekt.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) sprach von einem „Feiertag für Schlutup und Lübeck". Denn auch die regionale Wirtschaft profitiere von dem Neubau, der weitere Investitionen nach sich ziehen werde. So stünden im Fünf-Jahres-Plan des Bundes 550 Millionen Euro für Schleswig-Holstein zur Verfügung. Davon werden 350 Millionen in der Region Lübeck verbaut. „Dann hört hoffentlich das Gejammere in Lübeck auf, dass man ständig benachteiligt wird." Die Hansestadt werde mit Hafen-, Schienen- und Straßenausbau zu einer Verkehrs- und Logistik-Drehscheibe ausgebaut, versprach der Minister im Beisein der Bundestagsabgeordneten Gabriele Hiller-Ohm, des Landtagsabgeordneten Hans Müller (beide SPD), Mitgliedern der Bürgerschaft und zahlreichen Forstleuten.

Die zwei Kilometer lange Straße, die die Mecklenburger Straße mit der Wesloer Landstraße verbinden wird, soll den Wesloer Weg entlasten. Diese Straße, die mitten durchs Lauerholz führt, soll dann der Natur zurückgegeben werden. Die Fertigstellung ist für 2008 geplant.

 

 HL- live.de  Newsletter vom 03.11.2006

Erster Spatenstich für Ortsumgehung Schlutup

Knapp 17 Jahre nach dem Fall der Mauer haben Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dietrich Austermann und der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, Ulrich Kasparick, den Startschuss für den Baubeginn des zweiten Abschnitts der Ortsumgehung Schlutup gegeben.

"Die Menschen haben auf diese Entlastung lange gewartet und mussten lange mit einem Provisorium leben", sagte Austermann. Er sei froh, dass nun - rund 15 Jahre nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts - endlich die Bagger rollen können und der Abschnitt im Herbst 2008 für den Verkehr frei gegeben werden soll.

Der zweite Abschnitt ersetzt das derzeit vorhandene, rund einen Kilometer westlich verlaufende Provisorium durch das Lauerholz und verbindet die Mecklenburger Straße mit dem ersten Bauabschnitt, der Wesloer Straße. Die Wesloer Straße soll künftig Erholungssuchenden als Geh- und Radweg zur Verfügung stehen. Die Landesregierung hatte sich laut Austermann engagiert für ein vorzeitiges Bereitstellen von Bundesmitteln eingesetzt. "Denn wir wissen, welche gewaltige Lärm- und Abgasbelastung mit dem Durchgangsverkehr für die Menschen verbunden ist", so Austermann. Der Einsatz für die Ortsumgehung sei auch ein weiterer Beleg dafür, dass sich das Land im Raum Lübeck für eine konsequente Verbesserung der Verkehrssituation einsetze. Austermann erinnerte in diesem Zusammenhang an den Bau der A 20, des Herrentunnels und der neuen Flughafen-Umgehung B 207 und erneuerte sein Angebot, die Stadt Lübeck bei der Erstellung eines Verkehrsgutachtens für den Innenstadtbereich zu unterstützen.

Mit Blick auf den zweiten Abschnitt der Ortsumgehung Schlutup sagte Austermann: "Zwar ist die Verkehrsbelastung auf dieser Strecke durch die A 20 zunächst zurückgegangen, aber bereits im Jahr 2010 müssen wir auf dem neuen Bauabschnitt schon wieder mit 15.000 Kraftfahrzeugen pro Tag rechnen." Deshalb werde der rund 6,4 Millionen Euro teure und zwei Kilometer lange Bauabschnitt zur dauerhaft zügigen sowie sicheren Abwicklung der Verkehre in Schlutup beitragen - insbesondere des überörtlichen Verkehrs.

Der Wald für die neue Umgehung ist schon gerodet.

Der Wald für die neue Umgehung
ist schon gerodet.

 

LN 3.11.2006 von Josephine von Zastrow

Fischfabrik wird zum
alternativen Wohnprojekt

Seit zehn Jahren steht sie leer: die alte Fischfabrik „Anker". Jetzt wird das Areal in Schlutup wieder zum Leben erweckt. Dort soll eine Genossenschaft gegründet werden und ein Wohnprojekt entstehen.

Roter Backstein, herbstlich-gelbe Sträucher und Gestrüpp, dazwischen lugt der zugewucherte Teer hervor. Das Areal hinter dem großen Eingangstor aus Metall-Gitter erinnert an einen Kindheitstraum eines Abenteuerspielplatzes. Leere Lagerhallen, überall stehen gelbe Kisten herum, Winkel, Gassen, durchgeregnete Dächer, Moder - überall kann man sich auf Entdeckungsreise begeben.

Fischfabrik „Anker" steht auf einem Messingschild am ehemaligen Verwaltungsgebäude. Der Charme der verlassenen Fabrik hat es der Schlutuperin Gudrun Viking (50) angetan. Ein Anruf bei Volker Holtermann-Köhler (43) - und der Mann vom Büro „Conplan" hat sich an die Arbeit gemacht. Er hat bereits die Sanierung des Aegidienhofes gestaltet und bei dem Altstadt-Wohnprojekt „Gröpels" mitgewirkt - nun kümmert er sich um die Fischfabrik. Mit von der Partie ist natürlich die Initiatorin des Projektes, Gudrun Viking. Aber auch ihre Tochter Nadine Viking (31) samt Freund Carsten Witzlack (34) und ihr Nachwuchs Marike.

Hereinspaziert: Volker Holtermann-Köhler (43) vom Büro.„Conplan" öffnet das Tor zur Fischfabrik „Anker" - und lädt ein zum neuen, alternativen Wohnprojekt, das dort in Schlutup entstehen soll.

Foto: Wolfgang Maxwitat

Auf dem 12 000 Quadratmeter großen Areal mit einer Halle und sechs weiteren Gebäuden soll ein alternatives Wohnprojekt entstehen - Hintern Höfen heißt es. Denn es liegt hinter der gleichnamigen Straße, nur wenige Meter vom Wasser der Schlutuper Wiek entfernt. Doch: „Die Substanz der Häuser ist zu schlecht - deshalb müssen sie alle abgerissen werden", sagt Holtermann-Köhler. Bis auf den Pferdestall. Der könnte so etwas wie ein Gemeinschaftshaus auf dem Gelände werden, so Holtermann-Köhler. Einen Namen gibt es auch schon: „Die Reparier-Bar", sagt Nadine Viking gut gelaunt. Eben Cafe und Werkstatt in einem. Auch einen gemeinsamen Öko-Garten für alle Bewohner kann sie sich vorstellen.

Insgesamt sollen 40 Einheiten auf 3000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen. Geplant sind vier Mehrfamilienhäuser, sieben Doppelhäuser und zwei Einfamilienhäuser. Wohnungen von 50 bis 150 Quadratmeter sind dort zu haben. Der Clou an dem Projekt: Um es zu finanzieren, soll eine Genossenschaft gegründet werden. Denn das Investitionsvolumen beträgt insgesamt sechs Millionen Euro. Davon müssen 1,2 Millionen Euro an Eigenkapital erbracht werden - der Rest ist teilweise förderfähig oder über zinsgünstige Baukredite zu finanzieren. Wer sich beispielsweise eine Wohnung mit 60 Quadratmetern mieten. möchte, der zahlt 15 300 Euro als Genossenschaftsanteil ein. Anschließend bezahlt er zwischen fünf und sieben Euro pro Quadratmeter Miete. Zudem ist ein Drittel der Wohnungen für Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins vorgesehen. „Es ist eine Möglichkeit, Eigentum zu erwerben, ohne zu kaufen", beschreibt Holtermann-Köhler das Modell.

Der ehemalige Besitzer der Fabrik, der mit seinem Betrieb nach Dassow gegangen ist, ist ebenfalls angetan von dem Projekt. Er würde das Grundstück im September 2007 für eine halbe Million Euro verkaufen - und hat auch Interesse, sich selbst am Projekt zu beteiligen, sagt Holtermann-Köhler. Wenn alles gut geht, dann können im Herbst 2008 die ersten Menschen Hintern Höfen wohnen. Doch bis es soweit ist, muss die Mannschaft um die Vikings noch etwas wachsen. „Wir stellen uns die Oma vor, die aktiv geblieben und gerne unter jungen Leuten ist", sagt Nadine Viking über ihre neuen Wunsch-Nachbarn. Genauso sind junge Familien willkommen, die die „etwas andere Art" miteinander zu wohnen favorisieren.

Wer Interesse an dem Wohnprojekt hat, der kann sich am Sonnabend, 3. November, von 11 bis 14 Uhr im Gemeindesaal der Kirche Schlutup im Bögengang 12 einfinden. Immer zur vollen Stunde wird ein geführter Rundgang über das Gelände der alten Fischfabrik angeboten - mit Überraschungen. Ab 13.30 Uhr gibt es dann noch einen Rundgang durch Schlutup. Informationen gibt es auch unter
www.schlutuper-wiek.de oder bei „Conplan" unter Telefon 04 51/871 11 36.