Presseberichte aus dem Jahr 2008 (Januar - Juli):            [ zurück ]  
 
50 Jahre Badespaß in Schlutup
Granate in Schlutup gefunden 
Ärger um abgeräumte Gräber 
Fischfabrik macht Platz für Wohnprojekt 
  

 

LN 27/28.07.2008 von Sabine Risch

Freibad Schlutup:
Jubiläumsfest bei Traumwetter

Baden und den Sommer genießen - das hätte gestern voll und ganz gereicht. Dennoch bekamen die Freibad-Gäste in Schlutup mehr Programm geboten.

Ein paar wackelige Sekunden voller Konzentration, dann macht es laut „platsch": Schon wieder ist ein mutiges Mädel ins Rennkajak gestiegen und gekentert. „Sehr lustig", sagt Angelique (10). Wie ihr geht es allen Freibad-Gästen, die die Vorführungen des Kanu-Clubs Lübeck im Nichtschwimmer-Teil verfolgt haben und sich nun selbst ins Boot wagen. Wie ein Fisch im Wasser bewegt sich Sandra Kühnapfel (17), mehrfache norddeutsche Jahrgangsmeisterin, die den Startsprung und die Schwimmstile vorführt.

Überall auf dem Freibad-Gelände herrscht fröhliches Treiben gut gelaunter Menschen - ob zu Wasser im Kleinkindbecken oder im großen Becken, wo eine riesige Hüpfburg mit Rutsche aufgebaut ist, oder aber an Land auf der Tummelwiese.

Besonders beliebt bei den Jüngeren: das brennende Haus der Jugendfeuerwehr, das mit ordentlich viel Wasser nur zu gern gelöscht wird. Der Gemeinnützige Verein bietet Erbsenschlagen an, und selbstverständlich gibt's kleine Preise zu gewinnen. Regelrechter Volksauflauf herrscht stets zur vollen Stunde im Eingangsbereich des Freibads - immer dann, wenn Susanne Müller von den Lübecker Schwimmbädern wieder einmal Lose ziehen lässt. Der Hauptgewinn des Tages geht um 14 Uhr an Bernd Rüge (40), der sich richtig freut, einen Tragschrauber-Rundflug mitmachen zu dürfen.

Wer viel schwimmt und tobt, muss sich auch mal stärken - was besonders gut mit Pommes oder Bratwurst vom Kiosk geht. Die Betreiber Andreas und Michael Loock erleben einen Ansturm. Auch Mutter Renate Loock hilft mit - zwei Tage lang hat sie in der Küche gestanden, um acht Torten und diverse Kuchen zu backen.


Glücksfee Celina (6) im Stress: Im dichten
Gedränge durfte sie gestern 20 Lose ziehen.
Als Gewinne gab's kleine Preise der
Lübecker Schwimmbäder - Kulis,
Kino-Gutscheine und Stoffbeutel.


Lisa-Marie (9) gehörte zu den Mutigen, die ihr Geschick im Rennkajak erprobten. Lange blieb niemand im Boot sitzen.    Fotos: NEELSEN

„Hier in Schlutup", sagt CDU-Bürgerschaftsmitglied Ingrid Schatz, „ziehen alle an einem Strang, machen alles gemeinsam". Was stimmt und sich auch in der Begrüßungsansprache von Ursula Kessel, stellvertretende Direktorin der Lübecker Schwimmbäder, spiegelt. Sie dankt den örtlichen Vereinen, aber auch der Sparkassen-Stiftung.

Eine bunte Mischung versammelt sich auch am Tisch unterm Sonnenschirm. „Unser Medienschirm", sagt jemand in Anspielung auf das Medienzelt der Travemünder Woche. Ingrid Schatz, Polizei-Stationsleiter Ralf Mathias, Volker Krause (BfL), Harald Quirder (SPD), Ursula Kessel und Jürgen Wiechmann vom Gemeinnützigen sitzen plaudernd beisammen. Schwimmen gehen sie heute nicht - aber sie würden viel für den Erhalt des 50 Jahre alten Lübecker Schwimmbads tun.

 

LN 25.07.2008 von Sabine Risch

50 Jahre Badespaß in Schlutup

Rechtzeitig zum großen Tag ist der Sommer zurückgekehrt: Morgen feiert das Freibad Schlutup ganz groß seinen 50. Geburtstag.

Leuchtendes Blau, drumherum sattes Grün: Wer in diesen Tagen ins Freibad Schlutup kommt, kann dem Drang, ins 24 Grad warme Nass zu springen und sich hinterher auf der Liegewiese in der Sonne zu entspannen, nur schwer widerstehen.

Es war zu einer Zeit, in der Abkühlung Suchenden neben der Ostsee nur die Flussbäder an Trave und Wakenitz zur Verfügung standen: Die Naturbäder Marli und Falkenwiese waren beide bereits 1899 eingerichtet worden, das Altstadtbad Krähenteich entstand ein Jahr später. Für die Bewohner des Stadtteils Schlutup nicht gerade gut erreichbar. Jürgen Schreiber, seit 14 Jahren Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins und seinerzeit Schlutuper Steppke, erinnert sich, „dass damals in Schlutup das Baden in der Trave und ihren Seitenarmen wegen der starken Verschmutzung verboten wurde."

Nicht weiter verwunderlich also, dass sich der Gemeinnützige Verein unter Karl-Heinz Lange dafür stark machte, das erste städtische Freibad in Schlutup zu bauen. Mit Erfolg: 1958 wurde die 20 000 Quadratmeter große Badeanstalt mit ihrem 45 mal 19 Meter großen Becken eröffnet. Das Wasser kam und kommt aus einem Brunnen und hat frostige acht Grad.

Auf das Erwärmen des Wassers verzichtete man aufgrund mangelnder Erfahrung, aber auch „weil man davon ausging, dass unser norddeutsches Klima meist 21 schöne Sommertage hat, an denen der Badegast das Wasser als behaglich empfindet". Das hat Ursula Kessel, stellvertretende Direktorin der Lübecker Schwimmbäder, recherchiert. „Als Kind ist es einem egal, ob das Wasser kalt ist oder nicht", sagt zwar Jürgen Schreiber, der damals häufig mit seinen Freunden in die Badeanstalt kam. Dennoch war insgesamt der Besuch des Freibades aufgrund der „erfrischenden" Wassertemperatur sehr gering, was die Verantwortlichen dazu bewog, aus betriebswirtschaftlichen Gründen das Bad mit einer Erwärmungsanlage nachzurüsten. Sie wurde 1966 in Betrieb genommen - und ließ die Besucherzahlen von 25 494 (1965) auf 43 230 (1966) in die Höhe schnellen. Eine 1999 realisierte Solar-Absorberanlage sorgt dafür, dass sich die Kosten auch in Zeiten dramatisch steigender Energiepreise in Grenzen halten.


  Betriebsleiter Lars Woisin (li.) und Jürgen
Schreiber mit einem Foto aus den frühen
60er Jahren: Damals war das Freibad noch
nicht so eingegrünt wie heute


Badespaß anno 2008 (oben): Das Freibad Schlutup lockt mit großem Becken, Kinderplanschbecken
und viel "Auslauf".

Anno 1958 (links unten) gab's einen
Drei-Meter-Sprungturm, der später aus Sicherheitsgründen beseitigt wurde.

Fotos: Sabine Risch (2), Rösler/privat (1)   .

Fünf Jahrzehnte hat das Freibad Schlutup überstanden; schlechte Zeiten - 1995 war es von der Schließung bedroht - inklusive. Über 50 Jahre hinweg hat der Gemeinnützige Verein sich für Erhalt und Verschönerung eingesetzt. Wie zur Jahrtausendwende, als er für 45 000 Euro ein neues Kinderbecken spendierte - was dazu beitrug, dass der städtische Eigenbetrieb knapp 800 000 Euro in die Sanierung des Freibads steckte. Und seit immerhin zehn Jahren unterstützt der Verein jährlich den Kauf von 150 Kinder-Saisonkarten mit fünf Euro.

Morgen jedenfalls wird das „Geburtstagskind" groß gefeiert. Für ein buntes Programm (siehe nebenstehenden Text) haben die Lübecker Schwimmbäder, der Gemeinnützige Verein und der TSV Schlutup gesorgt - den Rest besorgt Petrus.

 
Ab 12 Uhr gibt es Badespaß mit Programm:

  • Verlosung: Hauptgewinn ist ein Rundflug mit einem Tragschrauber

  • Bootsschau des Lübecker Kanu-Clubs

  • Kajak- und Kanadier-Sport, u.a. mit Landesmeister David Krause

  • Vorführung von Schwimmstilen mit der mehrfachen norddeutschen Jahrgangsmeisterin Sandra Kühnapfel

  • Ausstellung zur Geschichte des Bades vom Gemeinnützigen Verein Schlutup

  • Großes Aqua-RunEvent

  • Das „brennende Haus" der Jugendfeuerwehr Schlutup

  • Reiten

  • Schnuppertauchen

  • Torwandschießen

  • Glücksrad

  • Infostand der Polizei

  • 19 bis 22 Uhr Disco.

Der Eintritt kostet an diesem Tag für Kinder 50 Cent, für Erwachsene zwei Euro.
 

 

 HL- live.de  Newsletter vom 04.07.2008

 

Granate in Schlutup gefunden

Am Donnerstag gegen 11.45 Uhr fand ein Hausmeister im Industriepark Schlutup eine 45 Zentimeter lange Granate mit 10,5 Zentimeter Durchmesser. Der Kampfmittelräumdienst wurde angefordert und entsorgte das Geschoss.

Die gelbe Granate neuerer Bauweise lag an der Oberfläche in einer Waldfläche. Die Polizei sperrte den Bereich weiträumig ab. Zu Evakuierungen kam es nicht. Der Kampfmittelräumdienst barg gegen 14 Uhr die Granate mit einem Bagger und fuhr sie ab.

Die Herkunft der Granate ist noch völlig unbekannt. Sie stammt aber offensichtlich nicht aus Weltkriegsbeständen. Bei einer Absuche in der näheren Umgebung wurde keine weitere Munition gefunden.

 

LN 30.05.2008 von Sebastian Prey
Ärger über abgeräumte Gräber

 
Hinterbliebene sind schockiert: Die Friedhofsverwaltung in Schlutup hat an den Gräbern Blumenvasen, Gestecke und Kerzen entfernt. Das Aufstellen verstößt gegen die Friedhofssatzung.

„Das kann man doch nicht einfach machen. Mir ist fast die Luft weggeblieben, als ich davon erfahren habe" , sagt Hiltrud Schulz. Die 67-Jährige kommt jeden zweiten Tag zum Friedhof, besucht die Grabstelle ihrer Schwiegereltern. Auch Jutta Lemke, die täglich zum Urnengrab „Unterm Rasen" ihres vor elf Jahren verstorbenen Mannes geht, ist betroffen. Zwei Vasen mit frischen Blumen, die sie neben einen kleinen Balkonkasten oberhalb des Grabsteins aufgestellt hatte, waren plötzlich weg.

„Die Blumen wurden abgeräumt und auf einen Sammelplatz gebracht", sagt die 67-Jährige. Elf Jahre lang bringt sie regelmäßig frische Blumen zum Grab, und jetzt soll es auf einmal verboten sein. Tochter Carola Smeets (47) ist schockiert: „Alles soll ganz gerade und einheitlich sein. Wenn wir gewollt hätten, dass mein Vater ein Soldatengrab bekommt, hätten wir ihn auch da hinten anonym beerdigen können."


Hiltrud Schulz (67) forscht nach der
abgeräumten Vase, die die
Friedhofsverwaltung in dieser
Ecke „eingelagert" hat.
 
Fotos: W. MAXWITAT

Jutta Lemke (72) und Carola
Smeets (48) sind verärgert über
die verschwundenen Blumen.

Im Infokasten am Friedhofseingang wird mit einem Schreiben auf die Satzung aufmerksam gemacht. Lediglich ein Balkonkasten und ein oder zwei Vasen pro Grabstelle seien erlaubt, heißt es in dem Anschlag. „Mehr habe ich ja nie hingestellt", sagt Jutta Lemke empört. Adelheid Comteduca (56) will gerade einen frischen Strauß Blumen an einer benachbarten Grabstelle hinstellen. „Das können Sie sich sparen. Frische Blumen sind hier nicht mehr erlaubt", klärt Jutta Lemke auf. Sie habe sich schon gewundert, wo der Engel mit Kerze abgeblieben sei. „Das ist ja wirklich nicht zu glauben, dass die Gräber hier einfach abgeräumt werden", sagt die 56-jährige aus Ovendorf. An einigen Gräbern habe es sicherlich Uberhand genommen, aber da hätte man die Leute ja ansprechen können. „Dafür muss man ja nicht so rücksichtslos vorgehen", findet Comteduca.

Reihenweise haben sich schon die Angehörigen bei der Friedhofsverwaltung über die neue Gangart beschwert. Zwar sei es ganz schön, dass hier etwas passiert und die Wege neu hergerichtet werden. Denn in den vergangenen elf Jahren sei nie an den Gräbern Rasen gemäht worden. „Den haben wir mit einer Schere geschnitten", berichtet Lemke. Sie ist wie Hiltrud Schulz der Meinung, dass es auch so etwas wie ein Gewohnheitsrecht auf einem Friedhof geben muss.

Die zuständige Pastorin Dr. Christina Kayales von der St.-Andreas-Gemeinde will das Thema nicht hochkochen: „Natürlich gab es Beschwerden. Die hat es aber immer wieder in den vergangenen Jahren gegeben, wenn Grabstellen abgeräumt wurden." Dass der Rasen nicht regelmäßig gemäht wurde, das habe unter anderem auch daran gelegen, dass alles vollgestellt worden sei. Das Vorgehen sei lange Zeit vorher angekündigt worden und ein Beitrag zur Unterstützung der Friedhofskultur.

Es gebe unterschiedliche Grabarten auf einem Friedhof. Gerade die Urnengräber „Unterm Rasen", die eigentlich nur eine Platte mit Namen vorsehen, seien für viele Menschen eine echte Alternative zu den anonymen Gräbern. Insbesondere, wenn die Hinterbliebenen auswärts leben, denn diese Gräber müssten nicht gepflegt werden. „Wenn aber die Grabstellen drumherum mit Blumen und mehr geschmückt werden, wirken die anderen Gräber vernachlässigt, und das setzt die anderen Hinterbliebenen unter Druck, auch etwas zu tun", erklärt Kayales.

 

LN 25.04.2008 von Sebastian Prey
Fischfabrik macht Platz für Wohnprojekt

 
Bagger machen derzeit Platz für ein neues Wohnprojekt in Schlutup. Etwa 100 Menschen sollen später auf dem Areal der ehemalige Fischfabrik „Anker" leben.
 

Ein Stück Schlutuper Zeitgeschichte verschwindet. Die Fischkonservenfabrik „Anker" wird abgerissen. Auf dem Areal ist ein besonderes Wohnprojekt geplant.

Der große moderne Schornstein im Mittelpunkt des ehemaligen Fabrikareals ragt noch empor. Doch die direkt angrenzenden Backsteinbauten sind bereits gefallen. In den nächsten fünf Wochen will das Abbruchunternehmen Grabowski fast alle Spuren der Konservenfabrik, die 1997 eine neue Produktionsstätte in Dassow eröffnet und daraufhin Schlutup verlassen hat, beseitigt haben. „Den Schornstein werden wir später mit einem Seil umlegen", sagt Junior-Chef Dirk Grabowski, der in etwa fünf Wochen das etwa 10 000 Quadratmeter große Areal geräumt übergeben will. Um die 150 Lastwagen-Touren werden benötigt, um die Überreste der Konservenfabrik zu entfernen. Lediglich ein kleineres Gebäude direkt an der Straße Haler Ort wird stehen bleiben und an die Fischfabrik erinnern. Es soll von den künftigen Bewohnern des Projekts „Hintern Höfen" als Gemeinschaftshaus genutzt werden.


Das alte Hausmeistergebäude am Haler Ort steht noch. Im Hof der der ehemaligen Fischfabrik haben die Bagger schon viel plattgemacht.    Foto: Tim Jelonek

Hier wurden über 100 Jahre Anker Fischkonserven für die ganze Welt produziert.
  Foto: Sebastian Prey

Eigenheime, Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser mit zwei bis drei Etagen für Mietwohnungen für etwa 8,5 Millionen Euro sollen auf dem Gelände in der Schlutuper Altstadt entstehen. Das Büro „Conplan", das unter anderem den Aegidienhof geplant hat, will hier generationsübergreifendes Wohnen ermöglichen. Offenheit, Toleranz und Verständnis für unterschiedliche Interessen und unterschiedliche Lebenskonzepte sollen hier verankert werden. So werden zu einem Drittel Sozialwohnungen gebaut, ein Drittel wird Eigentum und ein Drittel Genossenschafts-Mietwohnungen.

Laut Volker Holtermann-Köhler von „Conplan", der das Projekt mit den Lübecker Architekten Sigrid Meyer und Trainer Steffens sowie Stefan Franck betreut, seien schon 40 der geplanten 5 7 Wohnungen vergeben. Lediglich Wohnraum zur Miete (Quadratmeterpreis zwischen 5,25 und 6,50 Euro) stünden zur Verfügung.

Künftige Bewohner, die teilweise aus ganz Deutschland kommen, und Planer treffen sich am morgigen Sonnabend um 15 Uhr zu einem kleinen, internen Frühlings- und Abrissfest auf dem Bauplatz am Haler Ort.


Freie Sicht vom Abrissplatz auf
den Turm der alten Fischerkirche
in Schlutup.   Foto: Sebastian Prey

Mit einem Bagger räumt die Firma Grabowski seit Anfang der Woche das Areal.    Foto: Sebastian Prey