ST. ANSGAR KIRCHE LÜBECK-SCHLUTUP

  

Anschrift:

seit 1.3.2004 ist die Kirche profaniert
   

Weitere Infos:

 

 

Etwas zur Geschichte:

1945:

Das Ende des schrecklichen Weltkrieges brachte 1945 einen gewaltigen Strom heimatlos gewordener Flüchtlinge aus den Ostbezirken auch nach Lübeck. Die Zahl der Katholiken wuchs immer mehr an, so dass sich in Schlutup eine katholische Gemeinde bildete. Sie ging aus der Muttergemeinde St. Joseph, Lübeck-Kücknitz, hervor. Zunächst hatte die neue St. Ansgar-Gemeinde keine eigene Kirche, so wurde der katholische Gottesdienst alle 14 Tage im Pfarrsaal der evangelischen Gemeinde gehalten.

1953:

Am 18. Oktober 1953 weihte die Schlutuper katholische Gemeinde ihre Kirche St. Ansgar in der Wesloer Straße ein.

1954:

Am l. 11.1954 wurde die St. Ansgar-Gemeinde von der Muttergemeinde St. Joseph abgepfarrt und selbständige Kirchengemeinde (zu diesem Zeitpunkt zählte die Gemeinde 1.450 Katholiken). Damit erhielt sie nun auch ihren ersten Pastor, Pfarrer Albert Hentschke. Er genoss in Schlutup und weit über seine Gemeinde hinaus Sympathien und Ansehen. Er war bei seinem Ausscheiden 1996 dienstältester Pfarrer in Schleswig-Holstein

1972:

1972 bekam St. Ansgar ein Pfarrheim als Treffpunkt für die Gemeinde, für Unterricht, Versammlungen, Gemeindefeste usw.

1978:

Die Katholikenzahl ging nach Auflösung des Breitlings-, Gothmund- und Travelagers und des Lagers am Stau sehr zurück. Viele Katholiken zogen auch bald weiter zum Westen, um Arbeit und Wohnung zu finden. Der Stand zur Zeit 1978: 850 Katholiken, davon 150 katholische Gastarbeiter.

1988:

Nach dem Tod des verdienten Chorleiters Georg Beck löste sich der Kirchen-Chor auf - die Sänger und Sängerinnen wechselten zum St.Andreas-Chor in Schlutup.

1993:

Dank einer großzügigen Spende konnte eine neue Orgel angeschafft werden.

1996:

Pfarrer Hentschke trat in den Ruhestand (er starb am 10. Dezember 1996); sein Nachfolger Pfarrer Alfons Liening betreute dann die Gemeinden Kücknitz und Schlutup gleichzeitig.

2000:

Der Mangel an Geistlichen zwang die katholische Kirche im Juni 2000 zu einer Neuordnung. Seitdem leitete Pfarrer Liedeka die Gemeinden St. Ansgar und Heilig-Geist. Aus Mangel an Kandidaten hat St. Ansgar weiterhin einen Gemeinderat aber keinen eigenen Kirchenvorstand mehr.

2002:

Im Februar wurde die Pfarrgemeinde St. Ansgar aufgelöst. Seit diesem Zeitpunkt ist die Sankt-Ansgar-Kirche Filialkirche der Pfarrgemeinde Heilig Geist - die Leitung von St.Ansgar bleibt für ein halbes Jahr vakant - am 1. Juli übernimmt Pfarrer Klatt die Leitung.

2004:

Am 29.2. fand der letzte Gottesdienst in der St.Ansgar-Kirche statt - das Gebäude wurde dann am 1.3. profaniert ("entheiligt").

               (Hierzu ein Artikel aus der hiesigen Zeitung).

2006:

Zwei Jahre lang hat das Erzbistum Hamburg vergeblich nach einem neuen Nutzer der früheren St. Ansgar Kirche in Schlutup gesucht - nun wird der Bau an der Wesloer Straße abgerissen.

               (Hierzu ein Artikel aus der hiesigen Zeitung).


  

Zur Kirche:

Der Entwurf der Kirche stammt von dem Architekten Lippsmeier - Osnabrück. Die Bauleitung oblag dem Lübecker Architekten Rohbra. Am 26. April 1953 konnte der Grundstein gelegt werden, und am 18. Oktober 1953 konnte der - leider am 29. 6. 78 verstorbene - Herr Weihbischof Johannes von Rudloff die Kirche konsekrieren. Die Kirche wurde dem hl. Ansgar, Apostel des Nordens, geweiht. 

Die Kirche ist ein einfacher Bau, im Ziegelmauerwerk errichtet, die Giebel und der kleine Turm sind aus sichtbarem Backsteinwerk. Die Kirche hat 250 Plätze.

Mit großer Opferbereitschaft ging nun die Gemeinde daran, den leeren Kirchenraum auszustatten. Zu erwähnen ist das große bleiverglaste Altarfenster (Künstler: Zöller in Miltenberg). Das große Chorfenster stellt den reichen Fischfang dar. Die Kreuzwegstationen hat der Bildhauer 0tto Flath in Bad Segeberg gearbeitet.

 

Zum Namen der Kirche:

Den Namen für die Kirche gab der Heilige Ansgar. Er wurde 801 in der Picardie im Norden Frankreichs geboren. Seit 831 war er dann erster Bischof von Hamburg-Bremen und förderte die Ausbreitung des Christentums in Schweden, Jütland und Schleswig. Nach ihm wird auch heute noch eine Auszeichnung "das Ansgarkreuz" der evangelischen Kirche Nordelbiens benannt. Gestorben ist der „Apostel des Nordens" am 3.2.865 in Bremen.

(... mehr zu seiner Biographie)

  

Zur Ökumenischen Zusammenarbeit
der Schlutuper Kirchen

Ein Beispiel für die gute ökumenische Zusammenarbeit in Schlutup ist der gemeinsame Kirchenchor. Nach dem Tode von Georg Beck, dem verdienten Leiter des St.-Ansgar-Chores, hatte die Gemeinde in ihrem Kreise niemanden, der die Chorleitung hätte übernehmen können. Man tat sich schließlich mit dem evangelischen Kirchenchor St. Andreas zusammen, der sich über diesen Zuwachs freute.

Darüber hinaus pflegen auch die Frauen beider Gemeinden engen Kontakt, mit Sorgfalt wird der jährliche Weltgebetstag von einem Team katholischer und evangelischer Schlutuper Frauen vorbereitet. Der Tag wird dann, wie schon seit vielen Jahren, wechselnd in der katholischen und evangelischen Kirche gefeiert.

Außerdem feiern beide Gemeinden seit dem 22.8.1992 auch das "Ökumenische Gemeindefest" (Foto) gemeinsam abwechselnd in St.Andreas und St.Ansgar.

 

 

50 Jahre St.Ansgar Lübeck-Schlutup (aus einer Festschrift von Franz Globisch)

Entstehung der Gemeinde und die Anfangsjahre

Das Ende des schrecklichen Weltkrieges brachte 1945 einen gewaltigen Strom heimatlos gewordener Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten auch nach Lübeck. Bis Kriegsende hatte Lübeck 155 000 Einwohner, darunter ca. 6 000 Katholiken. Durch den starken Zustrom von katholischen Gläubigen wurde der Bedarf an Kirchen dringend notwendig. Zu der Zeit gab es in Lübeck die Herz-Jesu-Kirche (1891) an der Parade und die Pfarrkirche St. Joseph (1910) in Kücknitz.

Die St.Ansgar-Gemeinde ist aus der Muttergemeinde St.Joseph, Lübeck-Kücknitz, hervorgegangen. Seit Jahrzehnten wurde in Schlutup als Außenbezirk der St.Joseph-Gemeinde der kath. Gottesdienst zunächst im Pfarrsaal der ev. Gemeinde gehalten. Im nachhinein sei dafür auch hier noch einmal herzlich gedankt.

Im Mai 1950 wurde in der Gemeinde St. Joseph in Kücknitz ein Kirchbauverein gegründet, dem schon im ersten Monat 353 Gemeindemitglieder beitraten. Neben der Finanzierung von Arbeiten am eigenen Gotteshaus verfolgte der Bauverein auch das Ziel, dem Außenbezirk Schlutup und den dort lebenden rund tausend Katholiken zu einer eigenen Kirche zu verhelfen. Der kath. Kirchenverband Lübeck hatte schon Jahre vorher an der Wesloer Straße ein Grundstück erworben.

Der Entwurf für das schlichte Gotteshaus stammt von dem Architekten Lippsmeier jun., Osnabrück. Die Bauleitung wurde dem Lübecker Architekten Kurt Rohbra, übertragen, die Bauausführung hatte das Baugeschäft Johann Sterly, Schlutup.

Die Pfarrgemeinde Lübeck-Kücknitz brachte trotz der damaligen schlechten wirtschaftlichen Lage einen Betrag von 5 000 DM auf. Dazu kamen noch folgende Spenden:
     Bonifatiusverein Paderborn 37.000 DM
     Bonifatiusverein Osnabrück 9.000 DM
     Bischöfliches Generalvikariat Osnabrück 7.000 DM
     Hochofenwerk Lübeck-Herrenwyk 15 to Zement 1.200 DM

Der Grundstein für die neue Kirche, die den Namen des heiligen Ansgar, des ersten Erzbischofs von Hamburg erhielt, konnte am 26.April 1953 gelegt werden. Unter großer Beteiligung der Katholiken aus Schlutup und Kücknitz vollzog Dechant Albert Bültel unter Assistenz von Kaplan Otto Stevens die Weihe und Segnung der Grundmauern.

Am 18. Oktober 1953 konsekrierte Weihbischof Johannes v.Rudloff die St.Ansgar-Kirche. Mit großem Gefolge, Priester und Messdiener, zog der Bischof in die noch leere Kirche ein und nahm die feierliche Konsekration vor. In den Altar wurden Reliquien der heiligen Märtyrer Probus und Jukundinus eingelassen. An dem anschließenden Pontifikalamt war die Beteilung der jungen Gemeinde sehr groß. Von der ev. Gemeinde Schlutup nahm Herr Pastor Hesekiel und Vertreter des Kirchenvorstandes teil.

Die Kirche ist ein einfacher Bau, im Putzbau errichtet, die Giebel und der kleine Turm sind aus rotem Verblendmauerwerk hergestellt. Die Kirche hat 250 Plätze. Ein angrenzender Gemeinderaum wurde für Versammlungen und Unterricht genutzt. Als 1972 das neue Gemeindezentrum gebaut wurde, wurde dieser Raum als Sakristei umfunktioniert. In dem niedrigen quadratischen Turm mit seiner offenen Glockenstube ruft eine alte bronzene Schiffsglocke, deren Herkunft nicht bekannt ist, die Gemeinde zum Gottesdienst.

Zur St.Ansgar-Gemeinde gehören außer Schlutup noch Israelsdorf und die Herreninsel. St. Ansgar war nach St. Bonifatius der zweite Neubau einer katholischen Kirche in Lübeck nach dem Kriege. Nach Fertigstellung der Kirche wurde das Pfarrhaus gebaut. Kosten: 35 000 DM. Ausführung: Baugeschäft Joh. Sterly, Schlutup.

Im ersten Jahr ohne eigenen Pastor wurde die Gemeinde seelsorglich von Kaplan Otto Stevens, St.Joseph Kücknitz, versorgt.

Am 1.November 1954 wurde die St.Ansgar-Gemeinde von der Muttergemeinde abgepfarrt und selbständige Kirchengemeinde. Am 22. August 1954 wurde Pastor Albert Hentschke als erster Pastor von Schlutup von Pastor Friedrich Garthaus (Kücknitz) in sein Amt eingeführt.

Pastor Hentschke, am 26. September 1911 in Leimnitz Krs. Frankfurt/Oder geboren, empfing am 1.August 1937 in Breslau durch Kardinal Bertram die Priesterweihe.

Mit großer Opferbereitschaft ging nun die Gemeinde daran, notwendige Altargeräte anzuschaffen und den leeren Kirchenraum auszustatten. So kostete z.B. der Tabernakel 935 DM. Für die 50 Stühle, die vorerst in der Kirche standen, mussten Kirchenbänke besorgt werden.

In den späteren Jahren folgte das große bleiverglaste Altarfenster (Künstler: A. Zöller aus Miltenberg). Es nimmt Bezug auf Schlutup und stellt den "Reichen Fischfang" dar. Nächste Anschaffung die Kreuzwegstationen, eine Arbeit des Bildhauers Otto Flath aus Bad Segeberg. Mehrere Familien spendeten zusammen eine Kreuzwegstation. Immer wieder lag ein größerer Schein im Spendenkorb, wenn die monatliche Kollekte für Neuanschaffungen angesagt war. Für heutige Verhältnisse erscheinen uns die DM-Preise niedrig - zu der damaligen Zeit mit Arbeitslosigkeit und geringen Verdiensten waren es gewaltige Summen. Vergessen dürfen wir nicht - und sind heute noch dankbar - so manch- großherzigen Spender und Mäzen, denen wir u.a. die Muttergottesfigur und den Teppichboden zu verdanken haben.

Die Kirche stand, aber der Kirchenvorplatz und das Gelände um die Kirche glich einer Wüste. Bald fanden sich freiwillige Helfer, die in den Sommermonaten täglich mit Spaten, Hacke und Harke den Platz verschönerten. Rabatten wurden angelegt, Blumen gepflanzt und Rasen gesät. Bei jedem Wetter trafen sich einige Senioren zu ihrem Gartendienst.

Nicht zu vergessen die Gemeindemitglieder, die ehrenamtlich den Küsterdienst versahen, die Kirche reinigten, auf dem Harmonium den Gesang der Gemeinde begleiteten, die Frauen, die Altartücher und. Messdienerröcke nähten und die vielen anderen, die anfallende Arbeiten verrichteten. Ihnen allen sei gedankt.

In den ersten Jahren entwickelte sich ein reges Gemeindeleben, besonders bei der Jugend. Die Jugendlichen trafen sich regelmäßig zu Gruppenstunden und veranstalteten Feste. So richteten sie jahrelang die Nikolausfeiern im großen Saal der "Schlutuper Tannen" aus. Es war das Ereignis in Schlutup. Im Mittelpunkt immer ein Märchenspiel, bevor St. Nikolaus mit seinem Gabensack erschien. Oder auch die berühmten Faschingsfeste mit Gästen aus den Nachbargemeinden. Ein gutes Festteam hatte alles fest im Griff und immer neue Ideen. Und in der Weihnachtszeit gab es ein Krippenspiel in der Kirche, bei dem Jungen und Mädchen gleichermaßen mitwirkten.

Für jeden Jungen aus der Gemeinde war es eine Selbstverständlichkeit, Messdiener zu werden. Mit dieser Gruppe (ca. 25 Jungen) veranstalteten wir im Sommer 1955 ein Zeltlager an der Trave auf dem Gelände des noch jungen Klosters Nütschau.

Die Katholikenzahl ging nach Auflösung des Breitlings-, Gothmund- und Travelagers sowie des Lagers am Stau sehr zurück. Viele Katholiken zogen bald weiter nach dem Westen, um Arbeit und Wohnung zu finden. Schnell entwickelte sich auch eine gute ökumenische Zusammenarbeit mit der ev. St.Andreas-Gemeinde. Dies kommt in gemeinsamen kirchenmusikalischen Aktivitäten, bei Gottesdiensten zum Weltgebetstag oder bei Gemeindefesten zum Ausdruck.

Als der Chor der St.Ansgar-Gemeinde nach dem Tod seines verdienten Chorleiters; Georg Beck 1988 sich auflöste, traten die Sängerinnen später dem Chor von St.Andreas bei. Aussage eines Schlutupers: "Die Schlutuper sind auf diesen Chor besonders stolz, weil Lutheraner und Katholiken einen Kirchenchor bilden."

Dank einer großzügigen Spende, die einen großen Teil der Kaufsumme deckte, konnte 1993 die neue Orgel angeschafft werden. Sie bereichert seitdem die Gottesdienste und unterstützt den Gesang der Gemeinde. Pastor Henschke hat von Beginn an die Aufbauarbeit in der Gemeinde entscheidend mitgestaltet. Er sorgte nicht nur für den gelungenen äußeren Aufbau der Gemeinde - noch wichtiger war ihm der innere Aufbau, die Beziehung zu den Mitgliedern seiner Gemeinde. Er war ein menschlicher und verständnisvoller Seelsorger, fand stets das rechte Wort und vermittelte weltoffene Pastoral. So verwundert es nicht, dass aus dieser kleinen Gemeinde vier Männer sich für das Diakonat entschieden haben:
     Hartmut Benedict, Winfried Schönfeld, Manfred Kober und Wolfgang Lenz.
Später knüpfte Pastor Hentschke ein weites Netz von Beziehungen auch mit ehemaligen Gemeindemitgliedern. Diese persönliche Verbundenheit zu jedem einzelnen hat die Gemeinde geprägt, so dass man mit Recht sagen kann: Pastor Albert Hentschke war so etwas wie der Vater der ihm anvertrauten Gemeinde St. Ansgar zu Schlutup.

Nach 42 Jahren segensreicher Tätigkeit wurde Pastor Hentschke am 26.Mai 1996 in den Ruhestand verabschiedet, den er nicht lange genießen konnte. Er starb am 10. Dezember 1996.

Die Gemeinde St. Ansgar wird 5 Jahre lang seelsorglich betreut von Pastor Liening (St. Joseph Kücknitz), danach anderthalb Jahre von Pfarrer Liedeka (Hl. Geist) und nach einer Vakanz von einem halben Jahr übernimmt Pfarrer Klatt (HI. Geist) am 1.Juli 2oo2 die Leitung von St.Ansgar.