Ev. Luth. Kirchengemeinde St. Andreas Schlutup

  

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- 1650

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1903  Erneuerung des Kirchengestühls und der Kirchenbänke. Die ursprünglichen Wangen wurden belassen; älteste Wange stammt aus 1585.

1906  Der Kirchenvorsteher Hans Voß spendet 1.000 Mark. Arbeit an der neuen Friedhofskapelle.

1908  Der Evangelische Bund gründete einen Zweigverein in Schlutup. Auftakt war eine Luthergedächtnisfeier in der Kirche am 16. Februar.
Das an der Herrenbrücke gelegene Brückenwärterhaus wurde nach langwierigen Verhandlungen dem Kirchspiel Schlutups zugewiesen.
Bis 1917 waren 4 Glocken im Geläut. Mechanisches Läutewerk für die Glocke kam hinzu. Es gab Schwierigkeiten beim Läuten. Der Kirchenvorstand erteilte deswegen 1908 den Auftrag, von der Firma Ohlsson Lübeck die Glocke mit dem dunklen Ton aus 1597 umgießen zu lassen. Ein Glockenersatz war vorhanden, eine kleinere mit mechanischem Läutewerk wurde angeschafft. Die Enttäuschung in der Gemeinde über den Klang war groß. Im 1. Weltkrieg ging diese neue kleine Glocke im Rahmen der ”Mobilmachung Lübecker Glocken” 1917 verloren. Sie galt als nicht erhaltenswert. Im Zuge dieser Mobilmachung mussten auch die Orgelpfeifen abgeliefert werden. Recherchen ergaben, dass die Firma Ohlsson die große, ursprünglich zum Schlutuper Geläut gehörende Glocke nicht eingeschmolzen hatte, sondern an den Vorwerker Friedhof verkauft hatte. Im 2. Krieg schien das Glockenschicksal besiegelt. Für den Endsieg wurde das Glockenmetall dringend gebraucht. Auch die beiden Schlutuper Glocken mussten abgeliefert werden. Aber der Lauf der Geschichte war anders als der Plan des zerstörerischen Kriegshandwerkes. Die einst an den Vorwerker Friedhof gelieferte Glocke und eine der aus Schlutup demontierten Glocken waren unversehrt geblieben. Sie kamen zurück in die Fischerkirche. Der Wunsch manchen Schlutupers ging in Erfüllung. Das historische Geläut erklang wieder. 4.980 RM mussten gezahlt werden.

1910  Die Schlutuper Gemeinde hatte Finanzsorgen. Aus dem Senatsprotokoll vom 12. November 1910 geht hervor, dass Lübeck eine ”Beihülfe bis zum Betrage von 200 Mark gewährt wird” zur Beschaffung eines Harmoniums in der neu erbauten Kirchhofskapelle (1919) und der Leichenhalle.
Die Mitglieder der Kirchengemeinde Schlutup zahlten, außer einem Haus- und Mietgeld, Kirchensteuern in Höhe von 15 v. H. der Einkommenssteuer, dazu kam das Maitagsgeld.

1918  Der Kriegerverein übergibt die Gedenktafel für die im 1. Weltkrieg gefallenen Gemeindeglieder.

1921  Haussammlung für Altardecken.

1924  Gründliche Instandsetzung des inneren Kirchenschiffes; Schließung der vier seitlichen Nischen; Aufgabe der alten Deckenmalerei von 1871, die Wände wurden gelblich weiß, die Decken ockerfarben, die Balken schwarzbraun gestrichen, die Vertäfelung wurde schwarz gebeizt.

1928  Der Kirchenvorsteher Gustav Herbst schenkte ein farbiges Kirchenfenster (der Heilige Andreas).

1931  Errichtung des Gemeindehauses Bögengang (Konfirmandensaal).

1934  Eingliederung der evangelischen Jugend in die HJ der Nationalsozialisten.

1936  Viele Geldspenden namentlich und anonym sowie zahlreiche Geschenke werden anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Kirche übergeben: u. a. Altarvasen (Frauen der Bibelstunde), je eine Altardecke von Helene Hildebrand und Ella Böge, Lesepult auf dem Altar (Bertram Bade/Niemann), ein farbiges Glasfenster von Albert Holst (Erscheinung des auferstandenen Christus am See Tiberias; eine Arbeit des Künstlers C. Störmer aus Lübeck); ein rotes und grünes Antependium aus Samt mit Goldstickereien von Gustav Herbst; Altarbibel (Walter Dillner); Bücherständer für Gesangbücher (Johannes Steffen); Fräulein Maria Bade zeichnete auf Pergament die Geschichte der Kirche (neben dem Eingang der Kirche); den Kreuzstichteppich im Altarraum hatten die Frauen gestickt: Drevsen, Büttger, Spotir, Krogmann, Fischer, Preziger; die Pastorenbilder Fischer und Hafermann stiftete Wilhelm Wiechmann und waren von C. Stolterfoht aus Lübeck gemalt worden; das Ziffernblatt der Turmuhr (W. Niset); die Orgelempore wurde altgrün statt wie bisher weiß gestrichen (Steffen); auf Gemeindekosten wurde die Schrift vergoldet; neue Bodenluken gebaut (Wilhelm Möller); das Kirchengestühl wurde braun gemalt (Heinrich Bade); neuer Kronleuchter aus Messing im Altarraum (Johann Steffen); Bronzeplatte neben der Tür (Schley); der Kirchenvorstand und der Küster Johannes Wegner spendeten den aus Messing gearbeiteten Wandarm neben der Tür; Erneuerung des Weges (Holst); die Fischer Walter Bade, Hans Kranz, Heinrich Voß, Hans Willwater, Johann Willwater schenkten den Fischkutter, gearbeitet hatte ihn H. Prien; Läuteanlage der Glocken (Kirchenrat aus Lübeck); Erneuerung des beschädigten Kirchengestühls/-wangen (Gödecke).

1938  Zwischen Kirchenrat und Kirchenvorstand Schlutup waren Verhandlungen im Gange wegen der Neuanschaffung einer Orgel. St. Andreas hatte einen Orgelbaufonds eingerichtet. Die Firma Kemper beschaffte das Material im voraus. Die Zeichnung über einen Neubau, einen neuen Orgelprospekt, Disposition der Register waren schon festgelegt. Aber die Kriegsereignisse unterbrachen das Vorhaben. Ein Neuanlauf geschah nach Kriegsende 1948. Die Entscheidung zur Reparatur oder Neubau stand an. Der Austausch schwacher Register (8 Fuß) gegen hellere Register (4 Fuß) war geplant. Die Orgel ”ist gegenwärtig schlecht,” so die Klagen über ”Geklapper”, bewegter Bass ”im Pedal klappert”, er überdeckt den Ton, nur ”Poltern statt Töne” waren zu hören. 15 Jahre Planungen vergingen dennoch. Die Heizungsschäden taten das Ihre, zum Teil waren 35 Grad Hitze wegen der defekten Heizung. 1953 wurde die Orgel gründlich überholt (Reinigung). Die Unzulänglichkeit des Orgelklanges aber blieb.
Kirchenfenster ”Barmherziger Samariter” (Hans Westphal); Kirchenfenster des guten Hirten (Johannes Lenschow), Arbeiten durch den Lübecker Künstler C. Störmer; eine neue Sonnenuhr löst die Uhr von 1628 ab (Alfred Arndt), ursprünglich war die Sonnenuhr aus Holz gefertigt; eine silberne Oblatendose (Heinrich Voß), gearbeitet von Koolmann aus Lübeck.

1942  Im November wurden das Pfeifenwerk und wertvolle Orgelteile durch Firma Kemper nach Behlendorf wegen der Bombengefahr über Lübeck ausgelagert.

1943  Das Pastorat musste für Wohnungen der Bombengeschädigten hergerichtet werden.

1946  Flüchtlingslager in Schlutup. Im Travelager, Breitlingslager, Bau Brüggen, Flackbaracke lebten ca. 1.600 Menschen. Die Lagerseelsorge wurde von Pastor Driemler, Pastor Jansen, Pastor Dr. van Beuningen und Pastor Hesekiel wahrgenommen. Es wurden noch 1953 14tägig Lagergottesdienste, Andachten, Kindergottesdienste und Bibelstunden gehalten. Die Veranstaltungen waren überfüllt. Die geistliche Gemeinschaft trotz schwerster Schicksale war überaus gut. Es gab extra einen Lagerbeirat, eigenen Kirchenvorstand, Organisten und Kirchenlagerchor.
Die katholische Gemeinde nutzte seit 1946 den Gemeindesaal im Bögengang alle 14 Tage für Gottesdienste bis zum Neubau der Katholischen Kirche.