S C H L U T U P
Geschichtliches und Kulturgeschichtliches von der Untertrave und
aus dem Burgtor-Landgebiet des lübeckischen Freistaates von Carl Westphal

  

Das Kirchengebäude:
Das äußere Gebäude
Die Kirchenglocken
Das Kircheninnere
Kirchhof und Grabsteine
Grabsteine 

 

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Teil 1: Kirchengeschichtliches 
 

     Das äußere Gebäude

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   Das Kirchengebäude an der höchsten Stelle des Ortes gelegen, ist von dem alten Kirchhof umgeben. Ringsum schließt ihn eine abgedachte Steinmauer und ein Kranz herrlicher alter Lindenbäume ein. Im schlichten gotischen Baustil ausgeführt, erscheint uns die Kirche als ein würdiger und beredter Zeuge für viele Jahrhunderte unserer Ortsgeschichte. Stumm und doch vernehmlich redet sie zu dem an ihrem Fuße Verweilenden von Kriegsnot und Segnungen des Friedens, vom Schicksal der Menschen und Völker, von Lust und Leid im Orte. Wie so oft winkte sie dem aus schwankem Schiff heimkehrenden Fischer in der Ferne den ersten Heimatsgruß entgegen; wie so oft trug von hier der Wind sanfte, wohlbekannte Glockenlaute hin zu dem in dunkler Nacht mit schwerer, gefahrvoller Arbeit beschäftigen Fischer, und wie so oft erschien ihm diese in Stunden drohender Gefahr als die nahe Errettung!
   Einfach, wie die ihn umgebende Bevölkerung, ist der Bau. Das Jahr der erbauung ist mit Sicherheit nicht festzustellen. Über den Turm erfahren wir, daß im Jahre 1649 ein fürchterlicher Sturm die Kirche beschädigt hat, und „wirft die Stange mit dem Hahn vom Turm." Nach den Kirchen-Rechnungen gaben die Schtutuper Fischer zum Bau des Kirchturms im Jahre 1640 = 90 M., 1641 = 103 M., 1643 = 60 M. und 1644 = 47 M. Hiernach scheint der Turm zuerst im Jahre 1640 errichtet worden zu sein. Am 10. Juni 1858 mittags 1 Uhr wurde er vom Blitz getroffen, ohne daß der Strahl zündete, vielmehr nur Stücke aus dem Kirchturm herausriß und Dachschindel herabwarf. Schon 1894 beschädigte ein Sturm das Kirchendach abermals. Im Jahre 1743 bei Ausbesserung des Turms wurde von den ausführenden Arbeitern nach herkömmkichem Brauch ein Trinkglas von oben herab auf die Erde geworfen. Doch merkwürdigerweise blieb dasselbe heil. Dieses Glas wurde dann allerseits als ein gutes Zeichen. angesehen, und zum Andenken an diese Tatsache bewahrte man das Glas auf. Es wurde später mit einer Gravierung versehen und befindet sich noch jetzt im Besitze des Pastorats.
  

Der Spruch auf dem Glase tautet:

Glück und Glas wie leicht bricht das?
Doch konnte man dies Glas
nach seinem Wurff vom thurm
ohn bruch und Schaden sehen,
Der Höchste laß auch unsern Ort
in nie gebrochnem Glücke stehen!

Schlukop Anno 1743, d. 3. Julii.

  

Ein Jahrhundert später, 1843, wurde noch ein fein geschliffener Deckel hierzu gestiftet. Auf ihm sind die Namen der damaligen Kirchenältesten eingraviert.

     Die Kirchenglocken

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   Von den Kirchenglocken zu Schlutup ist die vierte und kleinste (Beichtglocke) unter dem Namen Oelandsglocke bekannt. Einer unbegründeten Sage nach soll diese Glocke dereinst von Bewohnern Schlutups auf Oeland erbeutet worden sein. Alte Leute erzählten mir auch von dem klagenden Ton dieser Glocke: „Oe-lann - Oe-lann - Oe-lann!" so klinge es und erinnere eindrücklichst an die ferne Heimat.
   Gegossen ward die Glocke von Carsten Middeldorp, Glockengießer zu Lübeck. Der Ursprung der Sage jedoch reicht wahrscheinlich in sehr alte Zeiten zurück und steht in Beziehung zu einer Glocke, welche im Jahre 1450 in der Schlutuper Kirche aufgehängt wurde.Vergl. Dr. W. Brehmer, Mitteil. d. V. f. L. G. u. A., 1. Heft, S. 100. Damals erhielten die Vorsteher der Kirche, wie die nachfolgende Inskription des Niederstadtbuches erweist, von Marquard Smede, Vorsteher der Kirche auf Laaland, für die von ihnen gezahlte Summe von 6 eine Glocke im Werte von 16 M. zum Pfande, und ward ihnen dabei die Benutzung derselben in ihrer Kirche gestattet. Von dem vorbehaltenen Einlösungsrechte ist wohl kein Gebrauch gemacht, so daß die Glocke dauernd der Kirche zu Schlutup verblieben sein wird.
  

Die erwähnte Inskription von 1450 Barbare virginis (4. Dez.) lautet:

„Hinrick Moller unde Hans Eggherdes alse vorstendere der kerken to Slukup vor sick unde ere nakomlinge hebben bekant vor desseme boke, dat se van Marquarde Smede, de to Lalandes Ellebogen eyn vorstender der kerken is ghewesen, entfangen hebben eyne klocken myt deme knepel werdich 16 mark Lubesch alse eyn pand vor 6 mark Lubesch, de se scholen bruken to behoff des godeshuses darsulvest. Unde weret dat de copman to Lalandes Ellebogen de vorscrevene klocken wolden wedder hebben, so scholen se den erbenomeden vorstenderen de erbenomeden 6 mark tor noghe betalen, unde sint gud vor borst unde brake desser dinghe vorscreven. Scriptum jussu parcium ambarum."

  

Diese am weitesten östlich hängende und noch jetzt als Beichtglocke Verwendung findende kleinere Glocke trägt folgende Inschrift:

„So Offt Dein Schall
Durch Unsre Ohren bricht
Sey Unser Hertz Auf Gott
Udn Unsern Todt Gericht. –
 Anno 1772 Ist Diese Glocke Durch
Johann David Kriesche In Lübeck Umgegossen
Worden. Zu Welcher Zeit Thomas
Gotthard Neumeyer Pastor Und
Die Ehrsamen Männer
Jochim Hagen, Frantz
Wilcken, Paul Langloff,
Peter Vagt Vorsteher
Der Kirchen Zu Slukup
Waren."

  

Auf der größeren, in der Mitte hängenden Kirchenglocke finden wir nachstehende Inschrift:

„Anno 1590 Hebben De Ersamen Menner Hans Wiser, Marcus Homborch Und Jurgen Niemann Karcksvaren Tho Slukup Dusse Klocke Dorch Mattias Benninck In Lubeck Geten Laten."

  

Die auf der Westseite befinliche große Glocke trägt die Namen:

„Mattias Benning, Hans Wisser, Markes Humborch, Jurgen Niman Vorstender Der Kerken Tho Slucup."

Weiter finden sich dort die Hausmarken der eben genannten Kirchenvorsteher:

Goth Mi Anno 1597, In Lubeck
Lambertus Risswick Pastor."

  

Auf der kleinen in einem Vorturm auf gehängten Kirchenuhrglocke finden wir die Inschrift:

„ANO 1339 GOET MI KARSTEN MIDDELDORP VERBUM DONI MANET IN ETERNUM."

  

So oft haben diese Kirchenglocken ihren zum Besuche des Gotteshauses auffordernden Ruf in das unter ihnen sich ausbreitende Dorf hineingetragen, daß es sich wohl lohnte, sie genauer kennen zu lernen. So manchesmal kündeten sie den Hörern im weitesten Umkreise an, daß einer ihrer Mitchristen aus dem Leben geschieden war. Und schickte man sich an, einem lieben Mitbewohner das letzte Geleit zu geben, so waren sie es wieder, die im ganzen Ort für den Augenblick ein gemeinsames Gefüh1 der Trauer hervorbrachten, die einzelnen Bewohner als Mitglieder einer einzigen großen Familie sich fühlen ließen. Welch tiefen Eindruck das Glockengeläute aber zumal auf den hinter einem Sarge Herschreitenden macht, wissen hauptsächlich wir Dorfbewohner zu schätzen.

„Von dem Dome,
Schwer und lang,
Tönt der Glocke
Grabgesang.
Ernst begleiten ihre Trauerschläge
einen Wandrer auf dem letzten Wege."

 

1) Vergl. Dr. W. Brehmer, Mitteil. d. V. f. L. G. u. A., 1. Heft, S. 100.

 

     Das Kircheninnere

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   Treten wir in das Innere der Kirche, so haben wir zu unserer Rechten den A1tar, der 1716 von dem Lübecker Ratsherrn Adolph Brüningk der Kirche verehrt wurde. Er ist oben mit einem Bilde geschmückt, welches Christus am Kreuze darstellt. Den seitlichen Abschluß bildet je ein ansprechender Säulenaufbau mit weiß gehaltenen Holzfiguren. Zur Rechten gewahrt man die Juratenstühle und einiges andere Gestühl; links dagegen befindet sich der alte Pastorenstuhl. Der alte, vor etwa 500 Jahren entstandene gotische Hauptaltarschrein der Kirche ist noch erhalten und wird mit einer aus Eichenholz     geschnitzten Pietasgruppe im Museum zu Lübeck aufbewahrt.
   Das bisher in drei Abteilungen durch die Längsrichtung des Kirchenschiffes sich ziehende alte Gestühl ist kürzlich durch neues ersetzt worden. Die jetzige Anordnung der Stühle gewährt nur einen mittleren Durchgang. Bei der Erneuerung der Sitzbänke ist erfreulicherweise das mit schönen Schnitzereien versehene alte Holz zum Teil wieder verwandt worden. Dennoch gingen mit den alten Stühlen auch viele interessante Einzelheiten verloren. Ich erinnere nur an die dort eingeschnittenen Hausmarken unserer Vorfahren, die uns ausschließlich in der Kirche erhalten geblieben waren. Hierüber jedoch an anderer Stelle mehr.
   Dem Eingange gegenüber befindet sich an der Nordseite die Kanzel. Sie wurde 1649 im Stil der Spätrenaissance neu erbaut. Der polygone Kanzelstuhl ist mit den in Holz geschnitzten Gestalten Jesu und der Evangelisten geschmückt und wird von Engelgestalten getragen. Der mit einer schwebenden Taube geschmückte Schalldeckel besitzt besonders wertvollen ornamentalen und figürlichen Schmuck. Das Gesamtbild wird vervollständigt durch entzückende Intarsien. Als Abschluß der Kanzeltreppe finden wir eine ebenfalls reich geschmückte Tür mit der Figur eines Hohenpriesters. Recht bedeutend ist der Kunstwert dieser Kanzel, was schon aus dem Umstand erhellen mag, daß dieselbe mit 10000 Mark gegen Feuer versichert ist.
  

Links von der Kanzel ist die Nordwand mit einem großen Christusbild und dem Gemälde des am 20. August 1691 nach ungemein segensreicher Wirksamkeit verstorbenen Pastors Leopold ausgestattet. Das letztere zeigt uns nachstehende eigenartige Inschrift:

Wer will die Gottesfurcht, Gelehrsamkeit und Fleiß, die Redlichkeit und Treu in einem Bilde sehen,
Der seh Herr Leopold; wer ihn gekannt, der weiß daß alles dieses pflag bei ihm ganz herrlich stehen.
Seh nur sein Antlitz an, da wirstu selbsten lesen mehr, als die Hand gemalt: Schlutup soll Zeuge sein,
Er sey ein treuer Hirt biß in den Tod gewesen, der seine Schaffe nie ließ in der Noth  allein.
Er starb mit diesem Wort: O, Gott, in deine Hände befehl ich meine Schaff - o, große Hirtentreu -
Herr, meinen Geist nimm auf! wer sieht nicht aus dem Ende daß dieser Leopold ein Hirt gewesen sey.

  

Unter dem Chor befand sich bis vor kurzem zwischen dem hinteren Gestühl der Taufstein, neben, der Kanzel die größte Sehenswürdigkeit der Kirche. Im Jahre 1731 wurde das Chor wegen Zuwachs der Gemeinde vergrößert und mußte der Taufstein bei dieser Gelegenheit überbaut werden. Infolgedessen mußte auch die als Abschlußstück des Taufdeckels geltende Figur Johannes des Täufers einstweilen entfernt werden. Der mit biblischen Figuren geschmückte Taufdeckel zeigt die übliche Kelchform und trägt folgende Infchrift:

Anno 1641. Godt to Ehren und disser Kerken tom Zir dissen dopedekel too siner gedechnisse vorehret dohe disser Kerken geven" (ASmus Witt).

   Er ist gänzlich aus Holz gearbeitet. Seine Schnitzereien sind offenbar von Künstlerhand ausgeführt. Der eigentliche Deckel, in zwölf mit Putten besetzte Felder geteilt, verjüngt sich zu einem polygonen Tempel. Aus sechs Nischen blicken in stiller Resignation die Statuetten der Evangelisten. Erst in diesem Jahre fand der Taufstein seinen ihm gebührenden Platz vor dem Eingang zum Altar.
   Einer Orgel wird zum ersten Male Erwähnung getan im Jahre 1643 als "gänzlich renovirt, gereinigt und mit neuem Realstimmwerk versehen." Damals hat sich, nach den dafür gebrachten Gaben zu urteilen, die Gemeinde für diese Erneuerung lebhaft interessiert. Unter den Gebern werden genannt Georg und Hermann von Lengerich (Lengerke).
   Diese Orgel ist mehrfach ausgebessert, endlich aber völlig unbrauchbar und im Jahre 1735 durchgängig erneuert worden. Es wurde eine Orgel mit elf klingenden Stimmen hergestellt, deren Bau der "Orgelmacher" Hans Hantelmann, und nach ihm, da er inzwischen verstorben, sein Gehilfe Erdtmann Vogel ausgeführt hat. Wahrscheinlich ist diese Orgel an eben der Stelle wieder aufgerichtet worden, wo die ältere gestanden hatte, nämlich in der Ecke gegen Nordwest zur Seite des 1731 vom Schwibbogen an weiter vorgerückten Chores, welches durch diesen Umbau, vom Altar aus gesehen, von Süden nach Norden quer über die Kirche reichte, so daß die Brüstung mit der tiefer stehenden Orgel ziemlich in einer Flucht lag. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts erfuhr die Orgel mehrfache Ausbesserung, doch mußte man 1818 eine durchgreifende Reparatur durch den damaligen Orgelbauer Nölk aus Lübeck vornehmen lassen. Nach einer weiteren gründlichen Nachhilfe im Jahre 1864 verstummte plötzlich die mittlerweile altersschwach gewordene Orgel im Monat März des Jahres 1870 beim Gottesdienst. So entschloß man sich dann endlich zu einem vollständigen Orgelneubau, indem man sich gleichzeitig wegen Gewährung einer Beihilfe von 1000 Mark an den Senat der Stadt Lübeck wandte. Wenn man bedenkt, daß gerade damals die Kriegserklärung Frankreichs erfolgt war, so gewinnt das Wort des damaligen Bürgermeisters: "Daß um der Schweren Zeit willen ein Werk solcher Art nicht unterbleiben dürfe," um so größere Bedeutung.
   Es wurde nun die Empore um 5 Fuß vorgeschoben, die Decke gänzlich, bis auf ein Segment über dem Altare, um 6 1/2 Fuß gehoben und durch ein Hängewerk befestigt, der plumpe, entstellende Längsbalken als nunmehr überflüssig beseitigt; die Querbalken sind bis auf etwa ein Viertel zu beiden Seiten gekürzt, als Steifen jedoch durch eiserne Anker und Schnallenschrauben in der Mitte ersetzt.
   Die Empore hat sämtliche Bildtafeln des alten Chores und der Orgel als Vorderansicht erhalten; die Decke ist samt der östlich vor dem Altarraume aufstehenden Wandung nach den von dem Konservator Milde in Lübeck, dem tiefen Kenner kirchlicher Ornamentik, gelieferten stilgemäßen Zeichnungen und Angaben unter Benutzung vorhandenen Bildwerks von dem ortsansässigen Malermeister Dillner ausgemalt. Die Darstellung der heiligen Dreieinigkeit aus älterer Zeit an dem unberührt gebliebenen Teile der Decke über dem Altar ist neu aufgefrischt. Das Gestühl auf der Empore, zu der eine besondere, bequeme Treppe führt, wurde neu gearbeitet und bequem zu beiden Seiten der Orgel aufgestellt.
   Hermann von Lengerich (Lengerke) und seine Hausfrau Elisabeth haben zu dem 1645 unternommenen Bau des „Neuen Chores onter dem turm," welches bis an den Schwibbogen gereicht hat, „den Tischler u. Mahler Zierath auch die Feuren Bretter dazu u. was es sonsten mehr kostet. verehret," auch „ihr Wapen dafür gesetzet." Die an den Säulchen zwischen den vier gut gemalten, die vier großen Propheten darstellenden Bildtafeln, sauber ausgeführte Tischlerarbeit, in farbigem Holze eingelegte Verzierung, rührt wahrscheinlich von demselben Meister her, der 1649 die Kanzel gemacht hat. Das Chor, auf dem die derb aus Eichenholz gezimmerten Stühle noch bis zu dem Abbruch im Jahre 1871 standen, reichte mit feiner Brüstung, welche die eben genannten Bildtafeln geschmückt haben, den Schwibbogen abschließend, unter dem Turm bis gegen die westliche Wand desselben. Zur Rechten des Chores, vom Altar aus gesehen in der Ecke der Kirche gegen Norden, hat denn auch wohl schon die ältere Orgel gestanden, wie denn deren Aufrichtung der Anlaß gewesen sein mag, daß die Fenster auf der Nordwestseite zugemauert worden sind. Einer späteren Erwähnung nach zu schließen, hat der Maler jener Tafeln, von welchen nur eine, den Propheten Hesekiel darstellend, für das jetzige Chor in der Ecke gegen Süden erhalten werden konnte, Cortt Etegern geheißen. Die ganze innere Kirche, auch die Decke, ist in älterer Zeit mit Malereien ausgeschmückt gewesen, unter denen einige Überbleibsel, z. B. ein Frosch, der die Zither schlägt, ein Esel, der Posaune bläst, ein Frauenbild in damaliger Tracht, von dem Humor der Zeit und der des Malers zeugen. Die obenerwähnten Malereien an den Wänden sind später, etwa nach 1780, mit weißer Tünche überzogen, wie aus einer, dem im Jahre 1871 an der Chorwand teilweise sichtbar gewesenen Bilde des Jakobus minor nachgebildeten Glasmalerei im Fenster neben dem Chore zu vermuten steht.
   Zum Altargerät gehören zwei in Silber getriebene Leuchter, im Jahre 1768 von Catharine Qualmann gestiftet, dann zwei auf drei Hundegestalten ruhende Messingleuchter aus dem 15. Jahrhundert und eine silberne Weinkanne, gewidmet 1675 von der Witwe des Dietrich Gravensteden.
  

Ferner findet sich ein einfach gehaltener gotischer Kelch. Dieser trägt die Inschrift:

"Ano dm MCCCCXXXVI iare . do . let . maken .
marquart . weskendorp . eggert . dunker . hermen .
knoke . hinnik . jacoppes . dessen . kelk . to . slukup."

   Im Jahre 1840 schenkte die Frau des verdienstvollen Pastors Klug eine silbene Oblatendose.
   Die ehemals in viel größerer Anzahl vorhanden gewesenen Wertsachen sind im Laufe der Jahre vielfach verloren gegangen, da auch infolge mehrfacher Kriegsunruhen die sämtlichen Kirchengeräte oftmals nach Lübeck geschafft werden mußten. Zum andern Teil mögen dieselben auch vor Dieben nicht sicher gewesen sein, denn unter dem Jahr 1728 fand ich im Kirchenarchiv die Nachricht, daß nächtlicherweile "Meßgewandte, der Klingen-Beutel u. s. w." in der Kirche gestohlen wurden. Darauf wurde für gut befunden, "einen Wächter allhier so wohl zu der Kirche als zu eines jeden Sicherheit auf der Einwohner Unkosten" zu halten und ist darauf „so gleich am folgenden Montag Herrn Brockmöllern zum Wächter für hiesigen Ort von der Gemeinde erwählt worden, nachdem ihm von einem jeden Einwohner 3 Mark jedes Quartall über nebst einem willkürlichen Neu-Jahres-Gelde sind versprochen worden; dabei ihm auch die hiesigen Fischer bißhero gebet (?) etwas von ihren gefangenen Fischen mitgetheilet haben, daß er also ohne große Belästigung anderer bey dieser Bestallung ein gutes Auskommen hat."
   Im Jahre 1847 wurden der Schlutuper Kirche von sämtlichen Mitgliedern des Hohen Senats zu Lübeck aus eigenen Mitteln vier Luchtenfenster geschenkt, welche sowohl mit der Stadt Wappen als mit ihren eigenen geziert sind. Die Veranlassung zu diesem wertvollen Geschenke gab eine Aufzeichnung, welche sich in dem Schlutuper Kirchenbuche vorfindet, woselbst der Pastor Meno Müller "damit die nachkommenden dermahleins von dieser reparation der Fenster einige nachricht finden möchten" unterm 20. Novbr. 1708 berichtet: "Nachdem man einige Zeit her in acht genommen, daß die Fenster in unserer Slukupper Kirchen, dieweil sie seither Anno 1625 und also 83 Jahr drin gesessen, nicht mehr gut thun wollen, da insonderheit das Holtz, darin die Fenster genagelt, dermaßen verdorben gewesen, daß kein Stifft oder nagel mehr darin halten wollen. So hat man dazu gethan was nöthig gewesen, und die Kirche rund umbher allenthalben gantz neu befenstern lassen. Ein Hochweiser Rath der Stadt Lübeck hat aus geziemendes anhalten des Pastoris und derer Kirchen-Vorsteher solche reparation der Fenster nicht allein approbiret, und der Stadt Adler und wapen in eine eigene Lucht setzen lassen, dazu die Kosten von der Cämerey sind bezahlet worden, sondern auch überdem laut abgegebenen Decreti Anno 1708 d. 16. Junii verwilliget, daß von allen membris curiae ein Fenster dazu gegeben und verehret worden, wie denn solche Fenster mit ihren Wapen und Nahmen oben an der Süderseiten in denen ersten Luchten zu sehen sind. Die übrigen Fenster sind von guten Freunden theils außerhalb theils innerhalb dieser Gemeine geschenkt worden. Die alten Fenster samt denen Wapen sind mit Verwilligung seiner Magnificentz Hrn. Adolphi Matthaei Rodden, auf erweisung daß es auch vormahls schon so gehalten worden, dem gläser angegeben und zugeschlagen worden."
   Von der Malerei hatten sich bis auf die Zeit der letzten Erneuerung leider nur sehr schwache und zweifelhafte Spuren erhalten, und die alten in Holz eingerahmten Fenster von teilweise unregelmäßiger Gestalt waren, namentlich die beiden Fenster gegen Südwest auf dem Chore, nach Verlauf von 137 Jahren so baufällig geworden, daß sie im Jahre 1845, auf Kosten der Kirche, in Schmiedeeisen ausgeführt, neu eingesetzt werden mußten. Da jedoch alle übrigen Fenster gleich jenen beiden in überaus schadhaftem Zustande waren und der Erneuerung bedurften, so wandten sich der Pastor und die Geschworenen der Schlutuper Kirche, unter Bezug auf die oben erwähnten früheren Vorgänge in den Jahren 1625 und 1708, mit einer Eingabe an den Hohen Senat und baten um gleiche Vergünstigung, wie den Vorfahren zuteil geworden, worauf dann mittels Dekrets vom l. August 1846 der Kirche das erwähnte Geschenk bewilligt und mit dessen Ausführung das Landgericht beauftragt wurde.
   Demzufolge sind diese vier Luchtenfenster nach den Angaben des damaligen Stadtbaudirektors Spetzler in Gußeisen angefertigt und zu beiden Seiten des Altars in Spitzbogenform angebracht. Jedes Fenster enthält neunzehn Glastafeln, nämlich eine in dem Bogenstück unter dem Schlußstein, daneben je zwei andere in den beiden Seitenbögen, endlich unten in dem länglichen Viereck die übrigen sechzehn, in welchen die obengedachten Wappen in der Weise verteilt sind, daß in das erste Fenster rechts, gegen Norden, nahe dem Altar, und zwar in die Spitze: der Adler der Stadt, in die beiden Seitenbogen: die Wappen der älteren Bürgermeister, in die mittleren Tafeln: die Wappen der vier ältesten Senatoren; in das zweite Fenster links am Altar, gegen Süden, in die Spitze: das zweifarbige Wappenschild der Stadt, in die Seitenbogen: die Wappen der beiden andern Bürgermeister, in die mittleren Tafeln: die Wappen der folgenden vier Senatoren; in das Fenster weiter rechts vom Altare, neben dem ersten, in die beiden Seitenbogen: das Wappen der damaligen Senatoren des Landgerichts und darunter in sechs andere mittlere Tafeln: die Wappen der übrigen Senatoren; endlich in das Fenster weiter links vom Altare, neben dem zweiten, in die Spitze: das Wappen des ältesten Syndikus, in die beiden Seitenbogen: die Wappen der andern beiden Syndici, in die mittleren Tafeln: die Wappen des Protonotarius und der übrigen Sekretarien des Senats gesetzt wurden. Sämtliche Kosten für den Guß der Rahmen, die Maurerarbeiten usw. sind von dem lübeckischen Senat bestritten worden. Die Malerei wurde von dem damaligen Glasmaler Voges ausgeführt und zur besseren Erhaltung derselben jede gemalte Tafel mit einer zweiten Glastafel bedeckt. In einigen Fenstern finden wir auch Familienwappen der Schlutuper Fischermeister.

     Kirchhof und Grabsteine

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   Man entdeckt ferner in den Gängen der Kirche Steine mit Inschriften. Der fromme Aberglaube wollte schon recht früh die Toten im Schoße der seligmachenden Kirche sicher gebettet haben. Wie teuer auch hier eine Ruhestätte zunächst wurde, das Haus Gottes ward doch allmählich zum Leichenhause. Allmählich, denn so häufig wie nach der Reformation wurde früher nicht in den Kirchen begraben. Die Platten zu beschaffen wird namentlich in älteren Zeiten im allgemeinen Sache der Angehörigen gewesen sein. Wie man jedoch oft letztwillige Verfügungen über Begräbnis und Grabstein traf, so haben einzelne auch schon bei Lebzeiten sich den ihrigen bereiten lassen. Unter dem Jahre 1733 finde ich z. B. im Kirchenarchiv die Nachricht, daß "der Verwalter zu Weßloh" "ein Grab in der Kirch allhier in Schlukop" erbittet. Auf sein Begehren wird ihm dann "ein Grab unter dem Klocken-Thurm" überlassen. Das Material ist in der Regel Kalkstein, die Form der Steine das Rechteck. Die Inschrift legte man im Mittelalter und vereinzelt auch in späteren Jahrhunderten am Rande des Steins, zuweilen in doppelten Reihen, herum, und erst spät begann man sie auf der Mitte des Steins anzubringen.
  

Diese eben geschilderte Sitte ist jetzt ganz verschwunden. Ausschließlich wurden nun die Toten des Dorfes und seiner Umgebung auf dem alten, die Kirche umgebenden Kirchhofe beerdigt. Dieser genügte jedoch mit dem Aufblühen des Ortes bald nicht mehr, und es wurde vor einigen Jahren ein zweiter Begräbnisplatz an dem westlichen Ausgange des Dorfes nach Wesloe hin angelegt. Auch hier, entfernt von dem Treiben des Ortes und von dem Lärm der örtlichen Industrie, belegen im stillen Kreise hügeliger Fluren, darf man mit Alb. Träger sagen:

O nirgend weint es sich so gut,
Wie weit dich deine Füße tragen,
Als da, wo still ein Herze ruht,
Das einstens warm für dich geschlagen.

    

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