Die Bau- und Kunstdenkmäler der freien und Hansestadt Lübeck
Herausgeber Denkmalrat - Bearbeitet von Joh. Baltzer
Band IV - Lübeck 1928 - Verlag von Bernhard Nöhring

  

Inhalt  (1. Teil) :
Einleitung 
Geschichtliche Nachrichten 
Baubeschreibung 
Fußbodenbelag  

 

Weitere Seiten: 
Teil 2: Malereien - Empore - Altäre - Kanzel - Taufe
Teil 3: Orgel - Gestühl
Teil 4: Gemälde - Leuchter - Kommunionsgeräte 
Teil 5: Glocken und vieles mehr 

     Einleitung

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Schlutup um 1927:
   nahezu 3ooo Einwohner
   am rechten Traveufer
 

Schlutup, das sich neuerdings infolge der Ausdehnung seiner Fischindustrie aus einem Fischerdorfe zu einer ansehnlichen Ortschaft mit nahezu 3ooo Einwohnern entwickelt hat, liegt 8 km ostnordöstlich von Lübeck am rechten Traveufer, dort wo von altersher die Heerstraße nach Wismar und den übrigen Ostseestädten die städtische Landwehr überschritt.

Ansicht von der Traveseite   

 

Schlutup, Ansicht von der Traveseite

Die Kirche auf einer Anhöhe
   umgeben von Linden
   und einem alten Friedhof
 

Die Kirche liegt auf einer Anhöhe im äußersten nördlichen Teile des Ortes. Auf allen Seiten von dem mit einem Kranz alter Linden bestandenen Friedhof und den niedriger gelegenen Häusern umgeben, überragt sie in ihrer Lage die nach Süden sich ausbreitende Ortschaft und nach Osten zu die im Schlutuper Wiek seeartig erweiterte Trave.

     Geschichtliche Nachrichten

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1425 beginnt die Geschichte
   des Gotteshauses als
   Filiale von St.Jacobi
 

Das Gotteshaus wird zum ersten Male 1425 erwähnt, indem damals der Lübecker Rat eine ewige Messe für die "neue Kapelle" in Schlutup stiftete.Lüb. U.-B. 6, Nr. 671 Am 23. April 1436 wurde diese Kapelle von der geistlichen Oberbehörde als Parochialkirche,„Parochial“ bedeutet „Amtsbezirk eines Geistlichen“ (auch „Kirchsprengel”). Der Name Parochialkirche lässt sich also mit „Gemeindekirche“ übersetzen. wenngleich noch als Filiale von St. Jakobi zu Lübeck, anerkannt. Dieser Stiftungsbrief nennt als die Schutzheiligen die Jungfrau Maria sowie die Heiligen Andreas, Nikolaus, Katharina und Barbara.Lüb. U.-B. 7, Nr. 683. - Auf den damals errichteten Kirchenbau beziehen sich auch die folgenden testamentarischen Bestimmungen. 1436 Apr. 14 verfügte Diderik Wedege: "Item der kerken to Slukkup geve ik 10 mr. Lub., er buw mede to beternde", 1449 Sept. 9 Hinrik Lemmeke: "Item to dem buwe der cappellen to Slukupp geve ik 10 mr". St.-A., Testamente. Etwas abweichend hiervon wird im folgenden Jahre die Kapelle gelegentlich der Dotierung der dortigen Vikarie als "sunte Clawes, Andreas, Barbaren, Dorotheen und sunte Katherinen cappellen to Slucopp" bezeichnet.Urkunde von 1437 (in deme hilgen avende tho passchen) März 30 im niedersächs. Kopiar des St.-A., Bl. 332.

1640 wird am Turm gebaut 

Die Kosten eines in den Jahren 1640/42 ausgeführten Turmbaus sind im ältesten Kirchenbuch im einzelnen aufgeführt,Der Bau, bei dem 122 Ellen gehauene Feldsteine, 4000 Ziegelsteine und 1000 Flageggen verbraucht wurden, kostete einschließlich des Neueindeckens des Helmes mit "Sponholz" 1854 Mark 7 Gulden: Kirchenbuch von 1612, Bl. 212 und 216b. "Für die 4 kleinen Flügel am Thurm" (die Windfahnen an den Ecktürmchen) sind 8 Mark 9 Gulden verausgabt. doch handelte es sich. hierbei nur um die Instandsetzung oder Vollendung eines älteren Turmes über dessen Errichtung sich keine Nachrichten erhalten haben.

1703 Hahn und Kopf erneuert
1743 Helm mit Holzschindeln
1826 Turm-Verkleidung
1874 Schieferdach auf Turm
1876 Stundenglocke
 

1703 sind Hahn und Knopf erneuert; 1712 und abermals 1742/43 ist der Helm neu mit Holzschindeln gedeckt. Auf Herstellungsarbeiten in der Jahren 1763 und 1797 werden sich diese auf der Südseite des Turmes angebrachten Jahreszahlen beziehen. Die schadhafte Westseite des Turmes wurde 1826 völlig neu verkleidet. Nachdem 1842/43 nochmals die Schindeln durch neue ersetzt waren, erhielt der Turm 1874 sein jetziges Schieferdach; dabei ist das Mauerwerk etwas erhöht und mit einem Bogenfries versehen worden. 1876 endlich wurde das erkerartige Türmchen zur Aufhängung der Stundenglocke auf der Südseite am Fuß der Pyramide angebracht.

1871 Schiff erhält Holzdecke
1883 Dachstuhl verstärkt
1901 Wandvertäfelung neu
1903 Gestühl erneuert
1924 Instandsetzung
 

Das Schiff erhielt 1871 die jetzige, gegen die frühere erhöhte Decke, die damals nach Entwürfen C. J. Mildes bemalt wurde. 1883 kam nach Verstärkung des Dachstuhls statt der alten Deckung mit Mönch und Nonnen die heutige englische Schieferdeckung über dem Schiff zur Ausführung. Nachdem 1901 die Wandvertäfelung und zwei Jahre darauf das Gestühl erneuert war, erfolgte 1924 eine umfassende Instandsetzung des Innern, bei der vier der seitlichen Nischen geschlossen wurden und die Wandflächen und die Decke einen ruhigen einheitlichen Anstrich an Stelle der alten Bemalung von 1871 erhielten.

     Baubeschreibung

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Der Grundriss:
   Acht Ecken und ein Turm
  Die Kirche besteht aus einem Schiff, das im Osten und Westen mit drei Achteck- seiten abgeschlossen ist und dem an der Westseite ein Turm auf quadratischer Grundfläche vorgelagert ist. Das Schiff ist im Lichten rund 22 m lang; die lichte Breite beträgt im Westen 12,30 m und verringert sich nach Osten bis auf 11,50 m 

Grundriss der Kirche   

 Schlutup, Grundriß der Kirche, 1 : 300
Gotischer Baustil
   Rundbogige Tür
   und rundbogige Fenster
 

An den freien Ecken sowie an der Nord- und Südseite des Schiffs versteifen Strebepfeiler einfachster Art die Umfassungsmauer, die – soweit ursprünglich – in gotischem Verband ausgeführt und in ihrem ganzen Umfange aus einem Guß zu sein scheint, wenn auch vielfach erneuert. Die auf der Südseite gelegene rundbogige Tür liegt in einer abgefasten Spitzbogenblende, die wieder von einer ebensolchen höheren, oben von einem (erneuerten) Kreisfenster durchbrochenen Blende umschlossen wird. Eine zweite, auf der Nordseite neben dem nordöstlichen Strebepfeiler gelegene niedrige Tür, gleichfalls rundbogig in abgefaster Spitzbogenblende, ist schon seit längerer Zeit vermauert. In den Langseiten des Schiffs sind je drei Fenster angeordnet, in den Polygonseiten je zwei bis auf die nördlich dem Turm sich anschließende Seite, die kein Fenster hat, vermutlich weil hier die alte Orgel ihren Platz hatte. Die hochsitzenden spitzbogigen Fenster sind im 19. Jahrhundert erneuert, nur das jetzt vermauerte Fensterpaar der östlichen Polygonseite ist noch ursprünglich; diese letzteren Fenster sind außen und innen abgefast, ihre Sohlbank liegt etwas höher als bei den erneuerten Fenstern, und der Spitzbogen hat eine steilere Form.

Viele Nischen im Innenraum 

Auf der Innenseite sitzen die Fenster in flachbogig überwölbten abgefasten Nischen, die bis auf den Fußboden herunterreichen. Außer diesen Fensternischen, die sich symmetrisch auch auf der fensterlosen Seite neben dem Turm wiederholen, und einer Nische hinter der Kanzel befinden sich noch auf jeder Langseite zwei jetzt geschlossene Nischen, von denen je eine nur ganz geringe Breite hat und einer kleinen, außen sichtbaren Kreisblende entspricht. Auffallenderweise weicht die Lage des hier angeordneten äußeren Strebepfeilers erheblich von dem inneren Mauerschaft zwischen diesen Nischen ab.

 

  Auf der inneren Nordseite in der Gegend der vermauerten Tür ist ferner ein Mauerabsatz zu bemerken, über dem eine Nische ohne Beziehung zu der darunter befindlichen ehemaligen Tür und ohne Verbindung mit einem Fenster gebildet ist. Worauf diese Unregelmäßigkeit zurückzuführen ist, ist zweifelhaft. Neben der vermauerten Tür ist ein Wandschrank in der Mauer ausgespart, der bei seiner Lage hier auf der Nordseite des Altarraumes als Sakramentsnische gedeutet werden könnte, doch befindet sich eine ähnliche Schranknische auch neben der südlichen Tür.

Längsschnitt der Kirche   

 

Schlutup, Längsschnitt der Kirche

Flache Balkendecke  Die ehemalige flache Balkendecke, die auf einem von drei Holzpfeilern getragenen Unterzuge ruhte,Lüb. Bl. 1871, S. 384. ist im Jahre 1871 durch die jetzige freitragende Hängewerkkonstruktion ersetzt worden, bei der die Decke auf den Streben und dem Spannriegel der Hängewerke aufliegt, so daß der Innenraum eine größere Höhe gewonnen hat. Nur über dem Polygonschluß des Altarraumes ist noch die alte Decke in ihrer tieferen Lage beibehalten (Abb. S. 535 bis 537)

Querschnitt der Kirche   
nach Osten gesehen   

 

Schlutup, Querschnitt der Kirche nach Osten gesehen

Geschiefertes Satteldach 

Das Schiff wird überdeckt von einem einheitlichen geschieferten Satteldach, das nach Osten abgewalmt ist und sich im Westen mit windschiefen Flächen an den Turm anschließt.

Der Turm
   Erd- und Obergeschoss

  

  Schlutup, Zeichen im Kirchturm, Werkmeisterzeichen
Werkmeisterzeichen

 

Das Erdgeschoß des Turmes öffnet sich auf der 1826 völlig neu verkleideten Westseite in einem doppelt abgeschrägten korbbogigen Portal, nach Norden und Süden in je zwei schmalen, gleichfalls korbbogigen und einfach abgefasten Fenstern. Die beiden Obergeschosse hatten ursprünglich auf jeder Seite paarweise angeordnete rundbogige Doppelfenster in Blenden, die im zweiten Obergeschoß und auf der erneuerten Westseite rundbogig, im ersten der Nord- und Südseite außen spitzbogig geschlossen sind. In den beiden südlichen Blenden des ersten Obergeschosses ist aber je eines der Doppelfenster bis auf eine kleine abgefaste Kreisöffnung vermauert, und auf der Nordseite sind in beiden Obergeschossen die westlichen Fensterpaare und zugehörigen Blenden völlig vermauert in einheitlicher Ausführung mit der Verkleidung der Westseite des Turmes. Die beiden vorderen Ecken des Turmes sind bis etwa 5 m Höhe mit quadermäßig bearbeiteten Feldsteinen verstärkt, die bei der Erneuerung im Jahre 1826 wiederverwandt worden sind.Nach einer Notiz des Stadtbaumeisters Börm, der die Instandsetzung von 1826 leitete, waren diese Ecken des Turmes früher ganz mit Feldsteinen aufgeführt.

Schlutup, Zeichen im Kirchturm, Werkmeisterzeichen
Zeichen im Kirchturm

  Unten auf der Südseite der südlichen Turmecke ist außerdem ein Kalksteinquader eingemauert, auf dem die Jahreszahl 1797 eingehauen ist, der außerdem aber auf dem Kopf stehend zwischen den Initialen AW ein Werkmeister-Zeichen aufweist, das sich ebenso und neben denselben Initialen auf einem Holzständer im Glockengeschoß wiederholt. Über (ursprünglich also unter) diesem Zeichen sind noch schwache Spuren einer nicht mehr zu entziffernden Inschrift erkennbar. Ferner ist in der Südmauer des Turmes unter dem Fensterpaar des Erdgeschosses eine quadratische Sandsteinplatte eingelassen mit der Inschrift:
             [Joch]IM HAGE[n]  |  [Fr]ENTZ WILKE[n]  |
          [Paul] LANGLOH[t]  |  1763. HI . . .
Vier kleine Ecktürmchen
   und ein Türmchen für die
   Stundenglocke
  Den Abschluß der Turmmauer bildet seit 1874 ein zum Charakter der Kirche recht wenig passender vorgekragter Rundbogenfries. Darüber erhebt sich das geschieferte achtseitige Pyramidendach zwischen vier kleinen Eckpyramiden, die schon die Ansicht der Kirche vom Jahre 1601 zeigt. Auf der Südseite über dem die Jahreszahl 1869 tragenden und die Fenster des Glockengeschosses zum Teil verdeckenden Zifferblatt der Uhr ist 1876 das Türmchen der Stundenglocke errichtet.

Schlutup auf dem Plane   
des Hans Frese   
vom Jahre 1601   

 

Schlutup auf dem Plane des Hans Frese vom Jahre 1601

Die Empore 

Nach dem Kirchenschiff ist die Turmmauer von einem weiten (jetzt über der Empore durch eine Bretterwand und unter ihr durch eine Mauer geschlossenen) Rundbogen durchbrochen. Die Fensterpaare liegen hier im Innern des Turmes in Nischen, die im ersten Geschoß über der in die Turmhalle hineingebauten Empore stichbogig, im zweiten und im dritten rundbogig geschlossen sind. Die Balkenlage über dem Emporengeschoß ruht an der Westmauer auf drei großen, als Konsolen roh behauenen Findlingen.

  

Auf der Ostseite des Turmes treten im Dachraum des Schiffs über dem anschließenden Deckenbalken die abgesägten Stümpfe von fünf im übrigen im Turm eingemauerten und auf kurzen Wechselbalken eingezapften Sparrenfüßen aus der Mauer hervor, die auf den First zu gerichtet sind und von einer ehemaligen Abwalmung des Dachs nach dem Turm zu herrühren müssen.

Die Glockenstube 

Im obersten Geschoß, der Glockenstube, ist an dem nördlichen Mittelständer des zur Unterstützung der Helmkonstruktion ausgeführten Ständereinbaus das nebenstehende Zeichen mit den Initialen AW (wie auf einem Quader der südwestlichen Turmecke) und der Inschrift: Anno 1602 den. 21. February eingeschnitten. Auf dem hölzernen Querriegel des Turmportals ist die Zahl des Jahres 164o, in dem der Turm instand gesetzt wurde, angebracht.

Ziegelformate 

Das Ziegelformat des Turmes ist mit 29 - 30 / 13,5 - 14 / 8,5 - 9 cm noch etwas größer als dasjenige des Schiffs, das das nur wenig schwankende Format 28 - 29 / 13 / 8,5 aufweist.

Innenansicht   
der Schlutuper Kirche    

 

Schlutup, Innenansicht der Schlutuper Kirche

Zeitstellung
   des Kirchenschiffs
   und des Turmes.
 

Der gotische Mauerverband der Umfassungen des Schiffs sowie die Form der Türen, Fenster und Nischen lassen den Schluß zu, daß die Schlutuper Kirche noch aus der Zeit ihrer Stiftung im Jahre 1436 herrührt. Sehr merkwürdig ist für diese Zeit der doppelte Polygonschluß oder die länglich achtseitige Anlage, eine Planform, die uns sonst erst im Kirchenbau des 17. und 18. Jahrhunderts hin und wieder begegnet. Auch die Auflösung der inneren Wandflächen in flachbogige Nischen ist eine beachtenswerte Eigentümlichkeit der Kirche

  

Ob schon dieser gotische Kirchenbau einen anderen Turm als etwa nur einen Dachreiter besessen hat, ist zweifelhaft. Die in der Baugeschichte angeführte Abrechnung über einen Turmbau in den Jahren 1640 – 42 bezieht sich freilich nur auf eine umfassende Instandsetzung, wie schon aus der verhältnismäßig geringen Anzahl der gebrauchten Ziegel (4ooo) hervorgeht.Anm. 1. Die angeführte Anzahl von 1000 Flachecken ist übrigens auffallend, da der Turm jetzt nur am Portal und an den untersten Fenstern Flachecken zeigt, zusammen noch nicht 500. Vermutlich waren demnach die Öffnungen in der 1826 erneuerten Westseite von Flachecken umrahmt. Auch ist die Schlutuper Kirche schon auf der 1601 von Hans Frese angefertigten, für die damalige Zeit recht getreuen Zeichnung vom Unterlauf der Trave St.-A., Plan II 169. mit einem Turm dargestellt, der im Wesentlichen mit dem heutigen übereinstimmt; sogar die vier kleinen Eckpyramiden fehlen nicht. Daß der gegenwärtige Turm aber nicht mehr zur gotischen Kirche gehört, folgt schon aus der innen ebenso wie außen zu beobachtenden Fuge im Anschluß an die nordwestliche Polygonseite des Schiffs,Auf der Südseite ist diese Feststellung wegen der Erneuerung des Mauerwerks der anschließenden Seite des Schiffs nicht zu mehr zu machen. und ferner daraus, daß der Turm von unten bis oben gleichmäßig – abgesehen von der Verkleidung der Westseite mit den anschließenden Teilen der Nord- und Südseite aus dem Jahre 1826 – im neuzeitlichen Kreuzverband aufgeführt ist. Da nun an einem Hauptständer des obersten Turmgeschosses die Jahreszahl 1602 mit dem Zeichen des Werkmeisters AW angebracht ist,Um einen Werkmeister kann es sich in der Tat doch nur nach der Art und dem Ort der Anbringung des Zeichens handeln. Mit einer geringfügigen Änderung begegnet uns das Zeichen mit den Buchstaben AW auch im Schnitzwerk einer Gestühlwange vom Jahre 1624 wieder, wo es sich auf den Küster Asmus Witte bezieht. und sich dies Zeichen mit denselben Buchstaben auch an einem, freilich nicht mehr in ursprünglicher Lage befindlichen Quader am Fuß des Turmes wiederholt, so werden wir dieses Jahr wohl als das der Vollendung des Turmes betrachten dürfen, der somit auf der Freseschen Zeichnung von 1601 bereits zur Darstellung kommen konnte.

  

Auffallend ist dann freilich die Tatsache, daß schon nach 40 Jahren eine so umfangreiche Instandsetzung erforderlich war, wie es aus der Abrechnung im Kirchenbuch hervorgeht. Sonst müßte schon angenommen werden, daß es sich auch 1602 nur um eine Herstellung gehandelt hat und der Turmbau selbst noch älter ist. Wegen der erwähnten neuzeitlichen Mauertechnik kann er aber nicht vor dem 16. Jahrhundert angesetzt werden, und sodann zeigt das Mauerwerk nirgends Absätze und Verschiedenheiten, die auf weiter auseinanderliegende Bauperioden schließen lassen könnten.

  

Die erwähnte Einmauerung der Sparrenfüße in der östlichen Turmmauer könnte zu der Annahme führen, daß diese Sparren und die Mauer hierunter noch vom gotischen Schiff beibehalten wären. Die Ostmauer des Turmes zeigt aber auch unter den Sparrenstümpfen und dem Deckenbalken, soweit sich bei dem Anstrich im Innern des Schiffs feststellen läßt, dieselbe Struktur wie darüber und ist, wie erwähnt, durch eine Fuge von der nördlich anstoßenden Seite des Schiffs getrennt. Der ehemalige Abschluß des Schiffs hat sich hier also anscheinend nicht mehr erhalten, obwohl anzunehmen ist, daß die östliche Turmmauer auf dem Fundament der das Schiff ehemals im Westen begrenzenden Polygonseite errichtet ist.

     Fußbodenbelag

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Steinfliesen weiß und rot  Der Chor ist mit großen quadratischen, diagonal zur Mittellinie der Kirche verlaufenden Steinfliesen von abwechselnd weißer und rötlicher Farbe, stellenweise auch mit älteren Grabplatten belegt, Eine Anzahl der rötlichen Fliesen trägt die Grabschriften hier beigesetzter Schlutuper Pastoren und ihrer Angehörigen. Diese Inschriften betreffen – um hier nur die Geistlichen und deren Ehefrauen zu berücksichtigen – 

Stellenweise Grabplatten

     den am 24. September 1599 gestorbenen Pastor "Lambartus Riswick",
  
die am 11. Februar 1612 gestorbene "ehr und tugentsame Frau Regina Kusels",
   die im Dezember 1678 geborene und im Dezember 1723 entschlafene
        Frau Anna Juliana Steinfeld,
   den am 3o. August 1675 geborenen und am 19. November 1727 gestorbenen
         Pastor Heinrich Christoph Steinfeld, dessen Andenken der Vers feiert:
         "Hier liegt Treu, Gottesfurcht, Witz, Wissenschaft begraben,
          Dis und mehr konte man an einem Steinfeld haben."
   die am 16. August 1716 geborene und am 10, Oktober 1749 gestorbene
          Frau Anna Elisabeth Blanck,
   den am 15. August 1690 zu Lübeck geborenen, am 21. Januar 1728 zum
          Pastor in Schlutup erwählten und am 20. Oktober 1758 gestorbenen
          Herrn Otto Albert Blanck,
   die am 25. Februar 1733 geborene und am 12. September 1762 gestorbene
           Frau Anna Sophia Neumeier geb. Blanck,
   den am 8. Januar 1793 gestorbenen Pastor Thomas Gotthard Neumeyer.
Braune und weiße Steine 

1647 sind für den Chor an Stelle der damals beseitigten "alten Ahlstrake" 148 Ellen "braune und weiße Steine", die Elle zu 10 , zu Schiff bezogen, für die "zu hehawen und zu poliren" der Steinhauer 32 6 erhielt; ferner sind demselben "für die steinerne Liste furm Altare" 8 gezahlt, Kirchenbuch von 1612, Bl. 234.

  

Der Mittelgang des Langhauses weist einen aus kleinen Quadraten zusammengesetzten roten Ziegelfußboden auf, in den einige Grabplatten oder Teile von solchen eingestreut sind.

     ... weiter

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