Die Bau- und Kunstdenkmäler der freien und Hansestadt Lübeck
Herausgeber Denkmalrat - Bearbeitet von Joh. Baltzer
Band IV - Lübeck 1928 - Verlag von Bernhard Nöhring

  

Inhalt: (2. Teil)
Ausmalung Kircheninnere 
Glasmalereien
Die westliche Empore 
Altäre 
Kanzel 
Taufe   

 

Weitere Seiten: 
Teil 1: Einleitung - Geschichte - Bau - Fußbodenbelag
Teil 3: Orgel - Gestühl
Teil 4: Gemälde - Leuchter - Kommunionsgeräte 
Teil 5: Glocken und vieles mehr
 

     Ausmalung des Kircheninnern

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Das Kirchenbuch überliefert
   die alte Malereien
 

1661 erhielt der Lübecker "Mahler Cordt Etegern fur die Scheibe zu renoviren und die Kirchthüre zu vermahlen mit einem grosen Bilde benebenst noch 2 kleine Bilder, auch den Sonnenseyer anzustreichen 44 "; Kirchenbuch von 1612, Bl. 270 b. 1695/96 sind "dem Mahler, die Kirche an den Wenden zu vermahlen, 100 " gezahlt; Kirchenbuch von 1677 – 1781, S. 127.

Bunt war's immer:
   schwarz
-eisenrot-blaßrot
   eisenrot-ocker-weiß
   schwarz-weiß-eisenrot-gelb
 

Spuren einer ehemaligen Bemalung des Inneren waren noch bis vor kurzem ringsherum an den gelblich übertünchten Wänden, besonders in den Mauernischen, unschwer festzustellen. Hinter dem Altar erkannte man deutlich eine sitzende Figur mit Heiligenschein in den Farben schwarz-eisenrot-blaßrot, und darunter ein weiß-rotes Fliesenmuster. Wohl der Neuausmalung von 1695/96 ist die einfache Flächen und Linien in eisenrot-ocker-weiß aufweisende Malerei der Balkendecke über der ursprünglichen Empore im Turm sowie ein an der Untersicht dieses ältesten Teiles der jetzigen Empore erkennbares reiches Barockrankenwerk in den Farben schwarz-weiß-eisenrot-gelb zuzuweisen. Für die Chorwand sind zudem die 1871 zutage getretenen Reste eines Bildes des Jakobus Minor bezeugt.Lüb. Blätter 1871, S. 372. An der ehemaligen Decke des Schiffes, die, wie schon erwähnt, von einem auf drei mächtigen Holzpfeilern ruhenden Längsbalken getragen wurde, waren, als sie 1871 beim Aufbau der jetzigen Orgel um nahezu zwei Meter gehoben wurde, ebenfalls Reste älterer Malerei sichtbar, u. a. ein die Zither schlagender Frosch, ein die Posaune blasender Esel und ein Frauenbild in altertümlicher Tracht. Die Ornamente der 1871 ausgeführten neuen Decke und der östlich vor dem Altarraum aufstehenden Wandung waren vom Konservator C. J. Milde entworfen und vom Schlutuper Maler B. Dillner ausgeführt.Lüb. Blätter 1871, S. 384.

Bemalung um 1924:
   Wandflächen gelblichweiß
   Vertäfelung schwarz
   Deckenfelder ockerfarben
   Balken schwarzbraun
 

An die Stelle dieser zum Charakter des Gebäudes wenig passenden Ausmalung ist 1924 die heutige Bemalung getreten, bei der die Wandflächen über der schwarz gebeizten Vertäfelung gelblichweiß, die Deckenfelder zwischen den schwarzbraunen Balken ockerfarben gestrichen sind. Hierdurch ist für den mit seiner reichen alten Ausstattung gut erhaltenen Innenraum eine ruhige anheimelnde Gesamtwirkung erzielt.

Engel und Engelköpfe 

Das von dem Umbau im Jahre 1871 und den Übermalungen unberührt gebliebene Deckenpolygon über dem Chor zeigt eine von Engeln und Engelsköpfen umschwebte mäßige barocke Darstellung der Dreieinigkeit. 

     Glasmalereien

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Das nördliche Fenster
   mit 4 Zierscheiben
 

Es enthalten das nördliche Fenster an der Emporenbrüstung vier Zierscheiben,
   von denen die beiden oberen die Inschriften
       "Jochim Hagen, der Krchen Vorsteher Anno 1780" und
       "Peter Vagt, dieser Kirchen Vorsteher Ao 1780",
   das dritte das Bildnis des Apostels Jakobus Minor mit dem Walkerbaum und
      
  der Unterschrift "Jacobus Minor Ao 1780",
   das letzte ein Wappen mit der Unterschrift "Claus Peter Vaigt,
         Vorsteher dieser Kirchen 1807 – 1842" aufweisen.

Das südliche Fenster
   mit vier Wappenscheiben
 

Es enthalten das vom Chor aus erste Fenster der südlichen Längswand vier sämtlich in weiß, rot und gelb ausgeführte Wappenscheiben mit den Unterschriften:
   1. Jochim Hans Vaigt, dieser Kirchen Vorsteher erwählet 1807 (?),
   2. Peter Langloh, dieser Kirchen Vorsteher erwählet 1821,
   3. Hinrich Hellmann, dieser Kirchenvorsteher erwählet 1836,
   4. Marcus Bade, dieser Kirchenvorsteher erwählet 1843.

Die 4 Fenster im AltarraumDie hier erwähnten Fenster wurden in den Jahren 1928-1938 durch die heutigen Fenster ersetzt. 

Die vier Fenster im Altarraum sind 1846 von den damaligen Mitgliedern und "hohen Beamten" des Senates geschenkt als Ersatz für die 1708 ebenfalls vom Rate gestifteten älteren dortigen südseitigen Fenster durch die, wie es scheint, zwei 1628 von Hermann von Elswich und vom Protonotar Johann Feldhusen der Kirche verehrte Fenster verdrängt sind. Die vom Stadtbaumeister J. A. Spetzler entworfenen Fenster enthalten in gußeisernen Einfassungen die vom Glasmaler J. Voges in Lackfarben ausgeführten,Nach einer dem Kirchenbuch von 1612 eingehefteten Abschrift der Stiftungsurkunde. jetzt größtenteils unkenntlich gewordenen Wappen der Stifter. Es befinden sich:
   in dem nordwärts dem Altar zunächst gelegenen Fenster die Wappen
       der Bürgermeister Ch. N. von Evers und Th. G. Wunderlich und
       der Senatoren L. Müller, Dr. M. Sievers, J. H. Schröder und J. H. Gaedertz,
   in dem südwärts vom Altar belegenen Fenster die Wappen
       der Bürgermeister Dr. B. H. Frister und Dr. J. J. F. Torkuhl und
       der Senatoren Ch. E. F. Weber, J. Behrens, 
       Dr. C. L. Roeck und Dr. F. M. J. Claudius,
   in dem zweiten nördlichen Fenster die Wappen
       der Senatoren G. H. Nölting, Dr. H. Brehmer, G. Ch. Tegtmeyer, 
       D. H. Heycke, H. C. Dittmer, Dr. H. W. Hach, 
       J. D. Eschenburg und Dr. Th. Curtius,
   in dem zweiten südlichen Fenster die Wappen
       der Syndici Dr. C. G. Curtius, Dr. P. L. Elder und Dr. H. von der Hude,
       des Protonotars Dr. C. H. Gütschow, des Sekretärs Dr. L. H. Kindler,
       des Archivars Dr. E. B. Winckler und
       des Sekretärs Dr. M. N. Ch. Wunderlich. 

     Die westliche Empore

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Die Empore um 1645
   mit Stühlen und
   Tafelbildern
 

Im Jahre 1645 wurde "das neue Chor unter dem Turm" gebaut, und zwar im wesentlichen auf Kosten des nachmaligen Ratsherrn Hermann von Lengerke, "dessen Wappen daran gesetzt".Kirchenbuch von 1612, vor S. 12 eingeheftetes Blatt. Diese mit derben eichenen Stühlen besetzte Empore reichte von der westlichen Turmwand bis zur östlichen, die sich nach dem Langhaus zu in einem erst 1871 geschlossenen Schwibbogen öffnete, und endigte hier mit einer Brüstung, an der die Tafelbilder der vier großen Propheten mit Säulchen von eingelegter Arbeit abwechselten.Lübeckische Blätter 1871, S. 372.  

Die Empore um 1731
   wird vergrößert
 

Im Sommer 1731 ist "bey dem Anwachs und Vermehrung" der Gemeinde "das Chor nach dem Kirchenturm, da es vorhin nur biß unter dem Schwibbogen gegangen, viel grösser gemacht und weiter in die Kirche hineingerückt gerückt worden".Kirchenbuch von 1612, Bl. 24. Nach dem Rechnungsbuch von 1677 - 1781 (S. 278) hat 1730/31 der Tischler 90 Tage an dem Chor gearbeitet. Dieser Erweiterungsbau, der nach Norden zu bis nahe an die dort aufgestellte Orgel reichte, war an seiner vorderen Brüstung mit elf Tafelbi1dern neutestamentlichen Inhalts geschmückt.Lüb. Blätter 1871, S. 373. 1732/33 sind "an den Mahler, das neue Chor zu bemahlen", 66 Lüb. Mark gezahlt; Rechnungsbuch von 1677 - 1781, S. 287. 

Die Empore um 1871
   wird wieder vergrößert
 

Eine abermalige Verbreiterung der Empore um 5 Fuß (1,4 m) unter gleichzeitiger Verlängerung auf die ganze Kirchenbreite fand im Jahre 1871 gelegentlich des dortigen Aufbaus der neuen Orgel statt. Die nunmehr von der östlichen Turmwand aus rund 4,5 m breite Bühne wird von vier kräftigen hölzernen Säulen mit korintisierenden Kapitälen vom Jahre 1731 getragen. Ihre Brüstung ist mit achtzehn von weißgestrichenem derb-barockem Blattwerk umrahmten mäßigen Tafelbildern geziert, die 1871 vom Schlutuper Maler B. Dillner wieder aufgefrischt sind. An erster Stelle von Süden her ist das der ältesten Brüstung von 1645 entstammende
   1. Das Brustbild des Propheten Hesekiel
angebracht. Die an den fünf folgenden und den sechs letzten Stellen befindlichen Bilder haben der Brüstung von 1731 angehört und stellen dar:
   2. Die Verkündigung. LVC I v 31 seq.
   3. Die Anbetung der Hirten. LVC. II v 1 seq.
   4, Die Anbetung der Könige. MATTH. II v 1 seq.
  
5. Die Taufe Christi. MATTH III v 13 seq.
  
6. Petri Fischzug. LVC. V v 1 seq.
   
  
13. Christus in Gethsemane. LVC. XXII v. 41 seq.
  
14. Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes. IOH. XIX v. 16 seq.
  
15. Die Auferstehung. MATTH. XXVIII v 1 seq.
  
16. Die Himmelfahrt, ACT. v 9 seq.
   17. Die Ausgießung des heiligen Geistes. ACT. II v. 1 seq.
  
18. Das jüngste Gericht. MATTH. XXV v 31.
Die schwach vorspringende Mitte nimmt schließlich die Anno 1735 datierte ehemalige Orgelbrüstung Im Rechnungsjahre Mitte 1741 bis Mitte 1742 sind "an den Mahlergesellen, der die Orgel in der Kirche bemahlet und vielen Fleiß daran gewendet, Trinckg. 2 Mark" und "an den Mahler Peschel für das Mahlwerck an der Orgel und an der Cantzel nebst andern Kleinigkeiten" 50 Mark 8 Schillinge gezahlt: Rechnungsbuch von 1677 - 1781. S. 339. mit ihren etwas größeren sechs Tafelbildern ein.
Sie haben zum Gegenstand:
   7. Die Einnahme von Jericho. JOS. Vl.
   8. Jephtas Heimkehr nach Besiegung der Ammoniter. JVD. XI.
   9. Davids Einzug nach der Tötung Goliaths. I. SAM. XVIII.
   10. Saul zückt seinen Spieß auf David. I. SAM. XIX.
  
11. König David mit der Harfe. PSALT: DAV.
   12. "Das andere Gesicht" der Offenbarung Johannis. APOC: IV, V.

     Altäre

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Der gotische Altar um 1500
   (Doppeltriptychon) Mit einem KLICK ... das Triptychon
 

Der 1847 dem Museum (jetzt Raum 13) überwiesene gotische Altar der Schlutuper Kirche ist ein um 1500 zu Lübeck entstandenes Doppeltriptychon, das, wie die auf ihm dargestellten Heiligen des Franziskanerordens erweisen, aus der St.-Katharinen-Kirche stammt und jedenfalls den dortigen St.-Annen-Altar geschmückt hat. Es mißt ohne die bis auf wenige Reste zerstörte Kreuzblumenbekrönung 1,76 m in der Höhe und 1,17 m in der Breite.

Die Gregorsmesse
 
Die Heiligen: 
   St.Bonaventura, 
   St.Bernhardinus
 

Außenseitig sind St. Anna selbdritt und die Gregorsmesse dargestellt.
Bei Öffnung der Außenflügel werden auf den beiden Mittelfeldern zwei auf gemustertem Goldgrund gemalte Heilige sichtbar: 
   der 1482 heilig gesprochene Kardinal St. Bonaventura (+ 1274) mit 
       grünendem Stabe, an dem ein Kruzifixus hängt, und
   der in die graue Ordenskutte gekleidete Generalvikar des Franziskanerordens
       St. Bernhardinus von Siena (+ 1444); letzterer trägt auf der Rechten
       die von einem Kruzifix überhöhte Sonne mit dem ihs-Zeichen und
       der (übermalten) Umschrift:
       "In nomene Jhesu one genu flecttar (!) celestiu terrastriu et infarnoru",
       während die Linke ein offenes Buch mit den Worten
       "Vater manyfestadi nome tuum hominib quus (!) dedisti michi" hält;
       vor ihm liegen die Insignien dreier von ihm ausgeschlagener Bistümer.

Gotischer Altar um 1500    
aus der Schlutuper Kirche    

links: St. Bonaventura     
mitte:    Mitteltafel     
rechts: St. Bernhardinus    

[ ... größere Abbildung ]    

 

           

Die Legende
   der beiden Heiligen
 

Die durch ein schwarz auf Gold gemaltes breites Rankenwerkband geteilten beiden äußeren Felder zeigen je zwei Bilder aus der Legende beider Heiligen, nämlich:
  
1. "Hur sedet de pawest bonaventura de kardanael hod";
  
2. dem Kardinal Bonaventura reicht ein Engel die Hostie,
       die er demutsvoll zurück weist; die Unterschrift ist übermalt;
  
3. "Hir vo'wecket be'na'din ij kide', de i maget vo'drcket hade";
  
4. der von zwei Ordensbrüdern begleitete Heilige heilt
       einen Lahmen und einen Blinden;
       von der Unterschrift ist nur der Anfang: "Hir maket be'na'rdi" erha1ten.

Die Begegnung 
   Joachims und Annas 
   am goldenen Tore 
   und der heiligen Nacht
 

Von den die Innenseiten der inneren Flügel zierenden vier geschnitzten Gruppen, die jede von einem im Eselsrücken geschweiften Baldachin und einer Maßwerkleiste eingeschlossen werden, stehen in Beziehung zum Gegenstande der Mitteltafel nur die an erster und an letzter Stelle befindlichen Darstellungen der Begegnung Joachims und Annas am goldenen Tore und der heiligen Nacht; die beiden anderen Gruppen stellen anscheinend das Martyrium der 10 000 Ritter vor Kaiser Adrian und die Darbringung eines Opfers durch den letzteren dar.

Die Haupttafel 

In der Haupttafel (Lichtdruck) thronen untereinander die anmutigen Gestalten der hl. Anna und der dem Christkind eine Traube reichenden Himmelskönigin; zu ihren Füßen sitzen Maria Cleophä und Maria Salomä, begleitet von ihren Kindern, aus deren Zahl der älteste Knabe, Jakobus Minor, nicht erhalten ist; den Raum zwischen dem Thron und dessen zwei nahezu freistehenden Wangen füllen die sechs männlichen Mitglieder der heiligen Sippe. Den oberen Abschluß bildet der von tauförmig gedrehten Säulchen getragene dreiteilige reiche Maßwerk-Baldachin des Thrones, den unteren eine durchbrochene Maßwerkleiste.

Der jetzige Barockaltar

[ ... größere Abbildung ]    

 

Der jetzige hölzerne Altar der Barockzeit ist laut der Inschrift am Unterbau 1716 als Geschenk des am 8. November 1714 gestorbenen Lübecker Kaufmannes Adolf Brüning errichtet.

Der Heiland am Kreuz
   zwischen Maria
   und Johannes
 

Zwei seitliche Säulenpaare, die jedes mit einem weiter rückwärts aufgestellten Pilaster einen einspringenden rechten Winkel bilden, in dem die Gestalten des Glaubens und der Hoffnung aufgestellt sind, tragen das verkröpfte Gebälk. Vor dem flachen mittleren Rundgiebel ragt die Figur des Auferstandenen mit der Siegesfahne zwischen zwei auf geschwungenen Giebelvoluten 1agernden Engeln mit Palmzweigen empor. Die also umrahmte große Rundbogennische zeigt ein stark gedunkeltes, auf Holz gemaltes Bild des Heilands am Kreuz zwischen Maria und Johannes, während auf der Basis, dicht über dem mit einer Steinplatte abgedeckten Altartische, die Einsetzung des hl. Abendmahls dargestellt ist.

     Die Kanzel

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Die Kanzel 1649/50 vom
   Tischler Hans Silmann
 

Die nordseitig gelegene Kanzel, eine gute Arbeit im Übergangsstil von der Renaissance zum Barocken, ist in der Hauptsache 1649/50 vom Lübecker Tischler Hans Silmann Nach dem Kopulationsregister des St.-Jakobi- Kirchspiels von 1633/65 (S. 182) ist in der Zeit vom 27. August bis 17. September 1648 "Hanß Sileman ein Tischler mit Anna Isensees zu Schluckauf" getraut worden. St.-A., jedenfalls einem Verwandten des damaligen Kirchengeschworenen Eler Silmann, gebaut.

Fünf Achteckseiten
   Treppenbrüstung mit
   Mathäus, Markus,
   Salvator Mundi, Lukas,
   Johannes, Petrus,
   Paulus und Jakobus
 

Fünf Achteckseiten, in deren östliche die der Kirchenwand angeschlossene Kanzeltreppe einmündet, bilden den Grundriß des Predigtstuhls, der sich auf weit ausladenden, in einem Zapfen zusammenstoßenden Voluten erhebt. Ecksäulen mit niederen, auf Engelsköpfen ruhenden Postamenten tragen das mit barocken Schlingwerkfüllungen gezierte Brüstungsgebälk, dessen vorspringende Deckplatte von Engelkopfkonsolen gestützt wird. Die so umrahmten Brüstungsflächen der Kanzel zeigen Rundbögen mit zierlichen Intarsienornamenten, die abwechselnd hell auf dunklem und dunkel auf hellem Grunde gehalten sind. In gleicher Anordnung ist die schräg ansteigende Treppenbrüstung geschmückt. In den blau grundierten Nischen stehen acht bis zu deren voller Scheitelhöhe reichende Figuren, die zweifellos von einer andern Hand als die Intarsien geschnitzt sind. Es sind in der Reihenfolge von Westen nach Osten: S MATHEVS, S. MARCVS, SALVATOR MVNDI, S. LVCAS, S. IOHANNES, S. PETRVS, S. PAVLVS und S. IACOBVS. Wohlerhaltene Spätrenaissancemalerei (weiße Ranken auf blaugrünem Grunde) ziert die Untersicht der Kanzel und der Treppe.

Das Kanzelportal 

Das Kanzelportal ist gleichfalls nach Süden gewandt. Zwei auf Postamenten ruhende Säulen tragen das Gebälk, dessen steile durchbrochene Giebelverdachung eine Mosesfigur umschließt, während seitlich die Statuetten des Glaubens und der Hoffnung und auf den Ecken zwei aus blankem Messingblech getriebene pinienzapfenartige Aufsätze aufgestellt sind. Der Fries ist ANNO 1649 datiert. Die Tür zeigt in ihrem oberen Teile eine reich mit Intarsien gezierte Rundbogenfüllung, die ringsum von aufgelegtem reichem Schlingwerk umrankt wird. Die Mitte der Füllung nimmt die Figur eines Hohenpriesters ein.

Füllung der Kanzeltür    

 

Moses mit Gesetzestafeln
   und Johannes der Täufer
 

Den hinteren Abschluß des Predigtstuhls bildet eine Mauernische mit türähnlicher Täfelung, die von schlecht aufgefrischten Gemälden Vielleicht die beiden 1661 von Kort Etegern gemalten kleinen Bilder; s. oben, Moses mit den Gesetzestafeln und Johannes dem Täufer, flankiert wird.

Der Schalldeckel 

Der Kern des in fünf Achteckseiten vorspringenden Schalldeckels einschließlich seines figürlichen Schmucks ist vom Lübecker Ratsherrn (1573-97) Johann Spangenberg gestiftet, wahrscheinlich 1587, da aus diesem Jahre sowohl der Kanzelleuchter wie der ebenfalls von Johann Spangenberg geschenkte große Kronleuchter der Kirche datiert sind. Sein jetziges barockes Gepräge hat der Deckel 1651 vom Meister Hans Silmann erhalten. Der Fries und die Gesimse sind mit Rankenwerkornamenten besetzt, die vorderseitig oben das Spangenbergsche Wappen (vgl. Band III, S. 414), unten die Jahreszahl 1649 umschließen. Über den mit Cherubimköpfen gezierten Ecken stehen Engel mit Kreuzigungssymbolen. Die Bekrönung bildet die von zentrisch aufsteigenden Voluten getragene Figur des Heilands als guter Hirte.

Kirchenbuch 1650 

Der Pastor Hermann Rodberg (1629 – 54) berichtet im ältesten Kirchenbuch (auf einem vor S. 12 eingehefteten Blatt): "Anno 1650 die neuwe Cantzell mit der Treppen sampt der Thueren laßen machen, kostet biß dato ohne den Deckell   355 . Nach den dortigen Jahresabrechnungen (Bl. 24o – 250) wurden 1649 "Meister Hanß Sileman dem Tischler fur die Cantzel, so er neuw machen soll, an Gelde vorausgetahn 10 Rthlr, ist 30 ". 1650 erhielt er weitere 240 . Er hat damals 10 Tage, ein Geselle 4 Wochen, ein Lehrling 3 Wochen in Schlutup gearbeitet, wie sich aus den Ausgaben für ihre Beköstigung ergibt.

Kirchenbuch 1651 

1651 hat "Hinrich Spangenberg, die Cantzeldecke, so sehl. H. Johan Spangenberg, sein Grosvatter, der Kirche alhir damals gegeben, aufs neuwe aufzuzieren, der Kirchen verehrt 10 Rthlr., 30 ". Unter den Ausgaben von 1652 heißt es: "Dem Tischler M. Hanß Silman noch wegen des Predigstuelß bezalt" 24 ; "2 Tischlergesellen an der Cantzeldecken zu arbeiten heraus gewesen, haben verunkostet 1 8 "; "dem Tischler Arbeitslohn fur 3 ½ Tag 3 13 "; 1653: "Des Tischler Frauwen, so die neuwe Cantzel gemacht, ihr for diesem versprochene Verehrunge bezalt, 2 Rthl.".

     Taufe

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Die Taufe 

Die Taufe (Abb.) besteht aus drei Teilen beträchtlich verschiedenen Alters.

Die Kupa (Taufbecken) 

Die dem 13. Jahrhundert angehörige, 34 cm hohe Kupa aus Kalkstein, die ein kupfernes Einsatzbecken birgt, hat die Form einer abgeplatteten Halbkugel. Sie ist ringsum mit spätgotischer, stark aufgefrischter Malerei geziert: nach Südosten zu thront zwischen zwei anbetenden Engeln auf einem Regenbogen Gott Vater, der einen Kruzifixus im Arme hält; gegenüber ist die Taufe Christi im Jordan dargestellt; die übrige Wandung bedecken rankende kräftige Rosenzweige. Den oberen Rand umziehen die niederdeutschen Bibelstellen Marcus 16, Vers 16, und Römer 6, Vers 3. Da die Kupa bedeutend älter ist als das Gotteshaus, so liegt die Annahme nahe, daß sie aus dessen Mutterkirche, St. Jakobi, hierher gelangt ist, als dort die 1466 gegossene bronzene Fünte aufgestellt wurde.

Der Fuß 

Der jüngere, 56 cm hohe Fuß leitet von einer quadratischen Platte mit abgeschrägten Ecken in einen achtseitigen, am oberen Ende ausgekragten Stiel über.

Abbildung:  Die Taufe    
aus der Schlutuper Kirche    
 

Der Taufdeckel 

Den barocken hölzernen Taufdeckel, eine Stiftung des Küsters Asmus Witte, bildet ein auf zwölfeckigem, mit Cherubimköpfen und Schnörkeln besetztem Unterbau ruhendes sechsseitiges Tempelchen. Ein seine schlichte Basis umziehendes breites Band mit eingelegtem Muster wird durch folgende Inschrift halbiert: "ANNO 1641 hefft Asmus / witte godt tho Ehren vnde / disser Kercken thom zier Dissen / Dopedeckell tho siner gedecht / nisse vorehret do he Disser / Kercken gedehnet Int 40 Jahr". Der Hauptteil ist an den Ecken mit Hermenpilastern geschmückt, zwischen denen in offenen Rundbogennischen die Figürchen der vier Evangelisten und der Apostel Petrus und Paulus stehen. Gekrönt wird das Ganze durch die von sechs zentrischen Voluten getragene Figur des segnenden Heilands mit der Weltkugel.

  

Die Taufe stand früher im Mittelgange der Kirche nach Westen zu, so daß bei der Erweiterung der Empore im Jahre 1731 diese über sie hinweggezogen und die hindernde Deckelbekrönung abgenommen werden mußte; 1906, nach dem Umbau des Gestühls, ist sie unter Belassung auf der Mittelachse der Kirche gegenüber der südlichen Eingangstür aufgestellt (vgl. Abb. S. 537).

     ... weiter

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