Die Bau- und Kunstdenkmäler der freien und Hansestadt Lübeck
Herausgeber Denkmalrat - Bearbeitet von Joh. Baltzer
Band IV - Lübeck 1928 - Verlag von Bernhard Nöhring

  

Inhalt: (3. Teil) 
Orgeln
Gestühl
   

 

Weitere Seiten: 
Teil 1: Einleitung - Geschichte - Bau - Fußbodenbelag
Teil 2: Malereien - Empore - Altäre - Kanzel - Taufe
Teil 4: Gemälde - Leuchter - Kommunionsgeräte 
Teil 5: Glocken und vieles mehr 

     Orgeln

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Orgel um 1550

Die älteste nachweisbare Orgel stammte wahrscheinlich aus der Zeit vor 1550, da die im Jahre 1612 vom Pastor Johann Küsel gemachten Auszüge aus zwei 1550 und 1575 angelegten verloren gegangenen Kirchenbüchern einen Orgelbau nicht erwähnen. Sie ist 16344 vom Orgelbauer "renoviret, eine neu Realstimwerk darin gemacht und die Belgen alle ausgeflicket, daran er 3 Wochen selbander gearbeitet". Rechnungsbuch von 1612, S. 193 (nicht unter 1643, wie in den "Lüb. Blättern" 1871, S. 372, angegeben wird).

Orgel um 1735

Orgel von 1735. Durch Vertrag vom 7. Juli l734 wurde dem Orgelbauer Hans Hantelmann für den Preis von 300 Talern die Lieferung einer neuen Orgel mit 11 klingenden Stimmen verdungen. Sie ist am 17. Juli 1735 eingeweiht worden. 1818 und 1864 durchgreifenden Reparaturen unterzogen, versagte sie beim Gottesdienst am 22. April 1870 den Dienst.Lüb. Blätter: 1871, S. 372 f. u. 378, und handschriftliche Kirchenchronik im Pastoratsarchiv. Diese Orgel ist gleich der älteren vor der nordwestlichen Polygonseite der Kirche in ziemlich gleicher Fluchtlinie mit dem 1731 erweiterten, höher gelegenen Chor aufgestellt gewesen. Die sechs Tafelbilder, mit denen ihre Brüstung geziert war, sind in die Brüstung der heutigen Orgelbühne versetzt.

Orgel um 1871

Die jetzige Orgel, die ihren Platz auf der Empore vor der westseitigen Kirchenwand hat, ist von den Orgelbauern Ph. Furtwängler und Söhne in Elze für den Preis von 5000 lüb. geliefert und am 20. August 1871 eingeweiht.

     Gestühl

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Gestühl in der Kirche    

Das Gestühl um 1905

Das Gestühl ist 1905 erneut. Dabei sind mit Geschick Reste des alten Gestühls, sowohl Wangen wie Brüstungen, wieder verwendet. Als ältestes beglaubigtes Stück ist eine Wange mit Rosettenverzierung und der Jahreszahl 1585 erhalten (Abbildung oben mitte und unten links). Das Ornament wiederholt sich öfters. Eine zweite Art ist zackenförmig ausgeschnitten, eine ähnliche zudem noch in der Art alter Fachwerkhäuser muschelförmig verziert (Abbildung oben rechts und unten rechts).

Wangenbekrönungen     
des Gestühls     

            

Brüstungsfüllungen um 1635

Ungemein reichhaltig scheinen im ehemaligen Gestühl die Brüstungsfüllungen ausgebildet gewesen zu sein: bevorzugt ist eine feinmaschig-gitterförmig durchbrochene Schnitzerei, die mit kleinen Abweichungen häufig wiederkehrt. Eine dieser Füllungen zeigt in einem Kreismuster die Jahreszahl 1635.

Füllungen des Gestühls    
 (Brustfüllungen um 1635)    

Brustfüllung um 1624

Reicher geschnitzt ist die von 1624 datierte Darstellung eines von zwei Fabeltieren gehaltenen ovalen Schildes, dessen Monogramm dieses Stück dem Küster Asmus Witte zuweist.Ostern 1624 wurde dem Küster Asmus Witte von den Kirchenvorstehern "unter der Orgell ein Ortt ... eingethan und vergonnet, ein Stuel daruff für sein Weib und Kinder zu bawen und nach seinem totlichen Abgange zu besitzen"; Kirchenbuch von 1612, Bl. 16. Kleine, zierlich gedrehte Holzdocken, in rhythmischen Gruppen wiederkehrend, bilden den wirkungsvollen Gegensatz zu diesen freien Erfindungen.

Füllung vom Kirchengestühl    
(Füllung um 1624)    

Der Vorsteherstuhl
   und der Pastorenstuhl

Durch eine Brüstung von balusterförmig ausgesägten Brettern vom Schiff getrennt, befindet sich an der Südwand des Chores der schwarzgestrichene viersitzige Vorsteherstuhl, der, in einfachsten Renaissanceformen gehalten, der Chortäfelung und dem 1905 von seiner bisherigen Stelle südwärts vom Altar an die Nordwand des Chores neben der Kanzeltreppe versetzten Pastorenstuhl entspricht. Die obere Brüstungsfüllung ist auch hier gitterartig durchbrochen, zudem werden die Brüstungen durch aufgesetzte zapfenartige Gebilde gekrönt, während die Wangen F1achschnitzereien zeigen.Am früheren Gestühl befindliche Hausmarken sind bei C. Westphal, "Schlutup, Geschichtliches und Kulturgeschichtliches" S. 221 f., wiedergegeben.

 

Am 9. Juni 1888 haben "M. Hans Schlichtingk und Hans Krantz daz Befelig von den Kirchschworen ... bekommen, daz sie in der Kirchen einen Stuell in das Chor bawen mochten"; Kirchenbuch von 1612, Bl. 13. "Anno 1624 ist der newe Stuell oben bei dem Altar nach der Nortseiten gebawett"; das. Bl. 15.

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