Die Bau- und Kunstdenkmäler der freien und Hansestadt Lübeck
Herausgeber Denkmalrat - Bearbeitet von Joh. Baltzer
Band IV - Lübeck 1928 - Verlag von Bernhard Nöhring

  

Inhalt: (5. Teil)
Glocken
Altarvorhänge
Messgewänder
Taufzeug
Sonstiges

 

Weitere Seiten: 
Teil 1: Einleitung - Geschichte - Bau - Fußbodenbelag
Teil 2: Malereien - Empore - Altäre - Kanzel - Taufe
Teil 3: Orgel - Gestühl
Teil 4: Gemälde - Leuchter - Kommunionsgeräte 

     Glocken

 ... zum Seitenanfang 

Die vier Glocken 

Die Kirche besaß bis zum Jahre 1917 vier Glocken, von denen die drei größten im oberen Turmgeschoß aufgehängt waren.

Glocke von 1908 

Von den letzteren war die eine erst 1908 von der Lübecker Glockengießerfirma M. &. 0. Ohlsson gegossen, und zwar als Ersatz für eine Glocke des Jahres 1597, an deren dunkelen Klange die Kirchengemeinde Anstoß genommen hatte. Diese ältere Glocke ist glücklicherweise vor dem Einschmelzen bewahrt geblieben und im Jahre 1910 staatlicherseits für die damals neu erbaute Kapelle auf dem Vorwerker Friedhof erworben, wo sie jetzt hängt.

Alte Glocke von 1597 

Diese 1169 kg schwere Glocke von 1597 mißt bei 1,02 m Höhe 0,65 m im oberen und 1,23 m im unteren Durchmesser. Ihren Hals umziehen ein schöner Renaissancefries, dessen einzelne Teile aus Fruchtgehängen zwischen Meerjungfern und Adlern gebildet werden, und die beiden, je von einem dreifachen Reifen überhöhten Schriftreihen:

   HANS . WISSER . MARKES . HVMBORCH . IVRIEN . NIMAN .
   VORSTENDER . DER . KERKEN . THO • SLVCVP .
   MATTIAS . BENNING

   GOTH . MI . ANNO . 1597 . IN . LVBECK .
   LAMBERTVS - RISWICK . PASTOR .

den Schluß bilden die Marken der eben genannten drei Vorsteher je zwischen
den Anfangsbuchstaben ihrer Namen:

Vom glatten Glockenfelde leiten fünf Reifen zum Schlagring über,
den ein flacher Doppelreifen umzieht. Die Krone ist mit bärtigen Köpfen-3)
verziert.

Fries und Inschrift    
der früheren Glocke    
der Schlutuper Kirche    
von 1597    
(Jetzt in der Kapelle des    
Vorwerker Friedhofs)    
 

Glocke von 1908 

Die Glocke von 1908, die bei 0,75 m Höhe 0,90 m im unteren Durchmesser hielt und 500 kg wog, enthielt auf dem nördlichen Glockenfelde das Gußjahr, die Namen der Kirchenvorsteher Jochen Hans Voß, Hans Hinrich Jürgen Bade und Hans Hinrich Bade und des Pastors Gerhard Fischer sowie die Gießerfirma; gegenüber war die Inschrift der Glocke von 1597 wiederholt. Sie begann jedoch irrtümlich mit den Worten "Mattias Benning", so daß der Gießername mit unter den Namen der Kirchenvorsteher stand. Sie ist im Kriegsjahre 1917 an die Metall-Mobilmachungsstelle eingeliefert.

Glocke von 1590 

Eine 819 kg schwere Glocke von 1590 hält in der Höhe 0,86 m und im Durchmesser oben 0,57 m und unten 1,13 m. Den Hals umziehen der gleiche Ornamentstreifen wie an der vorigen und zwei von drei dreifachen Reifen eingefaßte Schriftreihen. Sie lauten:

   ANNO + 1590 + HEBBEN + DE + ERSAMEN + MENNER +
   HANS + WISER + MARCVS + HOMBORCH + IVRGEN + NIMAN +
   KARCKSVAREN + THO + SLVCKVP + DVSSE + KLOCKE +
   DORCH + MATTIAS + BENNINCK + IN + LVBECK + GETEN + LATEN

Dies glatte Feld scheidet ein dreifacher Reifen von den mit einem Doppelreifen besetzten Schlagring. Die vier Ohren ziert je ein bärtiger Manneskopf.

Auf Grund der beiden verlorengegangenen Kirchenbücher von 1550 und 1575 vermerkt der Pastor Johann Küsel (1610-26) in dem 1612 von ihm angelegten ältesten Kirchenbuche (Bl. 101): "Die eine Klocke, so Anno 97 den 18. Julii gewogen, wicht 8 Schip , 7 Lis , dat Punt new Gutt 88 ; die ander Klocke wicht 5 Schipp und 17 Lis ."

Glocke von 1772 

Die nächstgrößte, 437 kg schwere Glocke von 1772 hält bei 73 cm Höhe im Durchmesser oben 51 cm und unten 93 cm. Den Hals umgeben ein Fries stehender Akanthusblätter und, von ihm durch einen dreifachen Reifen und einen schmalen blätterverzierten Rundstab geschieden, ein breites Rankenwerk, das nach unten hin zackenartig in hängende Trauben und Blüten ausläuft. Das Glockenfeld zeigt nach Süden zu den von zwei gekreuzten Palmwedeln umschlossenen gekrönten Iübischen Doppeladler zwischen zwei Rosenzweigen und darunter die Inschrift

   O   ANNO 1772 - IST DIESE GLOCKE DURCH   O
   IOHANN DAVID KRIESCHE • IN LÜBECK UMGEGOSSEN WORDEN •
   ZU WELCHER ZEIT THOMAS GOTTHARD NEUMEYER PASTOR •
   UND DIE EHRSAMEN MÄNNER IOCHIM HAGEN •
   FRANTZ WILLCKEN • PAUL LANGLOFF • PETER VAGT •
   VORSTEHER DER KIRCHEN ZU SLUKUP WAREN : •

Die nordseitige Fläche trägt eine Krone zwischen zwei Cherubimköpfen und darunter den Vers

0   SO OFT DEIN SCHALL   O
DURCH UNSER OHREN BRICHT
SEY UNSER HERTZ AUF GOTT
UND UNSERN TODT GERICHT.

Beide Inschriften sind am Anfang und Schluß der ersten Zeile von einem münzförmigen Medaillon mit einer Justitia oder mit einem Herzen, aus dem zwei Blumen wachsen, und seitlich von lose verstreuten Rokokoschnörkeln begleitet. Ein dreifacher Reifen leitet über zu dem scharfkantig ansetzenden Schlagring, den ein dem obigen gleichender Akanthusblattfries und ein breiter Reifen umzieht.

Im Kirchenrechnungsbuch von 1677-1781 heißt es (S. 419) unter 1771/72: "Für die 3te Glocke umzugiessen, so gewogen 874 , a 3 163 , neu Glockengut zugethan 91 a 1 , die Büssen dazu 22 a 1 , für Taug und Gerethschaft dem Glockengiesser 24 und desses Gesellen Trinckgeld, machen zusammen 306 .... "

Beichtglocke von 1559 

Die seit 1876 als Stundenglocke außenseitig am Turme aufgehängten "Beichtglocke" von 1559 mißt in der Höhe 52 cm und im Durchmesser oben 33 cm, unten 65 cm. Ihren Hals umgibt ein Renaissance-Rankenfries, den ein schmaler umwundener Stab von einem dreifachen Reifen trennt. Dicht unterhalb des letzteren steht auf dem im übrigen schlichten Glockenfelde:

   VERBVM * DONI * MANET * IN ETERNVM *
   ANO * 1559 * GOET MI * KARSTEN * MIDDELDORP *

Ein dreifacher Reifen grenzt nach oben hin den mit zwei dünnen Reifen besetzten Schlagring ab.

Die Ölandglocke 

Im Volksmunde führt diese Glocke die Bezeichnung Ölandsglocke, weil sie von den Schlutupern auf Öland erbeutet, und ihr "Ö-land" gedeuteter, klagender Ton ihre Sehnsucht nach der fernen Heimat ausdrücken soll. Brehmer, Mitt. d. V. f. Lüb. Gesch. 1, S. 100; Westphal, a. a. O., S. 156 f. Vielleicht liegt dieser Sage die Tatsache zugrunde, daß dem Niederstadtbuch zufolge 1450 von einem Kirchenvorsteher auf Laaland den Schlutuper Kirchgeschworenen eine Glocke für den Gebrauch ihres Gotteshauses verpfändet wurde, die wahrscheinlich, da die betreffende Buchung keinen Tilgungsvermerk trägt, dort verblieben ist und zu der heutigen kleinsten Glocke umgegossen sein mag; die Verwechselung der Inseln Laaland und Öland kann sich daraus erklären, daß für die nahe Travemünder Kirche am Ende des 16. Jahrhunderts tatsächlich eine "Ölandsche Glocke" bezeugt ist.

     Altarvorhänge

 ... zum Seitenanfang 

Altarlaken mit
   Silberstickerei

 

Ein neuerdings für die Schlutuper Friedhofskapelle wieder in Gebrauch genommenes Altarlaken von dunkelgrünem Sammet ist in Silberstickerei, mit C V A G V 1735 gezeichnet; die Umrahmung bilden zwei in Silber auf gelbseidenem Grunde gestickte überkreuzte Zweige.

"Anno 1735 hat Frau Anna Gerdruth, sel. Clas Vicken, gewesenen Verwalters zu Weßloh, nachgelaßene Wittwe ... unsere Kirche nicht allein mit 200 1, ... , sondern auch unsern Altar mit einem saubern sammeten Tuch beschencket ... ; sie hat aber für diese freywillige und reiche Gabe sich dieses ausbedungen, daß ... ihre Leiche nicht auff ihres sel. Mannes Sarg in dem von der Kirche erkauften Grabe ... , sondern an seiner Seite solte gesetzet, und also eine neue Grufft gemacht werden solte, welches ihr auch von dem Pastore und Kirchen Vorstehern ist versprochen worden. So geschehen Anno 1735 d. 8, Maji, Dom. Cantate"; Kirchenbuch von 1612, Bl. 25.

Altarvorhang von 1891 

Ein 1891 von der Witwe Sophie Böge geschenkter rotsammtner und goldgestickter Altarvorhang ist Anfang 1920 gestohlen und durch einen aus einem älteren schwarzsammetnen Bahrtuch gefertigten ersetzt.

     Meßgewänder

 ... zum Seitenanfang 

Ehemalige Meßgewänder 

An ehemaligen Meßgewändern werden ein 1728 gestohlenes grünsammetnes, ein aus dem Bestande der Petrikirche erworbenes "von einem gulden Stucke", und ein vom Kaufmann Adolf Brüning, dem Stifter des Altars, 1716 letztwillig verehrtes rotsammetnes aufgeführt; die beiden letzteren sind alsbald nach der durch Senatsdekret vom 3. Juni 1791 verfügten Aufhebung des Gebrauchs der Meßgewänder veräußert worden. Kirchenbuch von 1612, Bl. 101

     Taufzeug

 ... zum Seitenanfang 

Tauf- und Kaspelzeug 

Das dem kulturhistorischen (jetzt St.-Annen-) Museum seit seiner Begründung angehörende Tauf- oder Kaspelzeug umfaßt drei Stücke Vgl. (C. J. Milde,) Verzeichnis der Lübeckischen Kunstaltertümer ... auf dem oberen Chor der Katharinenkirche ... , Nr. 98 :

1. eine Kappe aus verblichenem roten Seidenstoff mit Goldspitzenüberzug und gefaltetem weißen Spitzenvorstoß, mit zwei roten Seidenbändern an den Ecken

2. eine karmoisinrote Sammetdecke von 87 cm Länge, die sich zusammensetzt aus
a) einem am Rande mit Goldborten besetzten miederartigen Querstück mit
    seitlichen Seidenbändern,
b) einem schürzenartigen, durch Mittelschlitz in zwei fünfseitige Bretter
    geteilten Behang mit aufgenähten Gold- und Silberborten,
c) vier Klunkern, bestehend aus je einem ovalen vergoldeten Messingmedaillon
    mit beiderseitiger Reliefdarstellung der Jordantaufe, einer messingnen Kugel
    und einer roten Sammetquaste mit langen gelben und roten Seidenfäden,

3. ein in der Mitte mit einem weißen Spitzendreieck besetztes rotes Sammetbricken von 22 cm Durchmesser mit zwei weißseidenen Klappen zur Befestigung über der Brust des Täuflings.

     Sonstiges

 ... zum Seitenanfang 

Gotteskasten 

Eine mit starken Eisenbändern dicht beschlagene und mit drei Schlössern versehene Geldtruhe von 70 cm Höhe und 1 m Länge steht hinter dem Altar.

Totenbahren 

Eine jetzt grau gestrichene große Bahre von 1695 zeigt an den Füßen inmitten eines reichen Akanthusblattwerks die gut geschnitzten Reliefbilder der vier Evangelisten mit ihren Symbolen. An den beiden Tragebalken sind zwischen den Daten
   ANNO | 1695   und   DEN * ZI * JANVAR   die Worte
   CHRISTVS * IST * MEIN * LEBEN    und
   STERBEN * IST * MEIN * GEWIN :  ausgespart;
drei weiter nach den Enden zu aufgesetzte Laubwerkkartuschen, von denen eine abgestoßen ist, enthalten die Worte
   HEVTE | ... | MORGN | DIER.

Im Rechnungsbuch von 1677-1781 heißt es (S. 122) unter 1694/95: "Eine neue Leichenbahr zur Kirchen machen lassen, davor dem Tischer bezahlet 33 .... Dem Mahler vor die Todtenbahr 10 8 ."

Füße der    
Totenbahre von 1695    
aus der Schlutuper Kirche    
 

              

Große Bahre von 1740 

Eine weitere große Bahre von 1740 zeigt an den Füßen bunt bemalte, mit Blüten bestreute Blattwerkverzierungen. Auf' den Tragebalken sind die beiden Zeilen ausgespart:
   ACH * HERR * LASZ * DEIN * LIEB * ENGELEIN * AM * LETZTEN *
   END * DIE * SEELE * MEIN * IN * ABRAHAMS * SCHOSZ * TRAGEN

Am Anfang und Ende beider Zeilen stehen, von Kränzen umrahmt, die Worte
   SO  FAHR | ICH  HIN | ZV  IESV | CHRIST .
an das letzte Wort schließt sich das Datum A. O. 1740. an.

"Ausgabe von Ao. 1739 biß zur Kirchen-Rechnung 1740":
"Für eine neue Todtenbahr an Meister David Pegel 23 ";
"Ausgabe von 1740 biß zur Kirchen-Rechnung 1741":
"An die Mahler-Wittwe Medauen für die neue Todtenbahr zu vergulden und zu bemahlen 18 ": Rechnungsbuch von 1677-1781, S. 327 und 333.

Fuß der    
Totenbahre von 1740    
aus der Schlutuper Kirche    
 

Kinderbahre von 1785 

Eine Kinderbahre weist als einzigen Schmuck an den  ANNO | 1785  datierten Füßen zwei spärliche ausgestochene Schnörkel auf; auf beiden Innenseiten der Tragebalken ist der Name  TOMAS - IOHANS  und zwischen diesen Worten eine teilweise durch eines der Querhölzer verdeckte Marke eingekerbt.

Säuglingsbahre von 1639 

Eine Säuglingsbahre, deren  ANNO | 1639  datierte und mit einfachen Schnörkeln gezierte Füße auch durch zwei mit den Tragebalken durch je zehn gedrehte Trallen zusammenhängende Längsleisten verbunden sind, zeigt auf jeder Außenseite der Tragebalken die eingeschnitzte Inschrift:
   vorehret . Asmus . Witte . thom . Gedechtenisse .

Aufbewahrungsort
   der Totenbahren
 

Die beiden großen Totenbahren befinden sich in der Turmhalle der Kirche; die beiden Kinderbahren werden in der Kapelle des 1896 in Gebrauch genommenen neuen Friedhofes am südwestlichen Ausgange von Schlutup aufbewahrt.

Sonnenuhr von 1628 

Eine verwitterte, 1628 verfertigter K. Klug, Nachrichten die Schlutuper Kirche betreffend (Handschrift im Pfarrarchiv), S. 3. hölzerne Sonnenuhr ist an dem Strebepfeiler der südwestlichen Ecke des Kirchenschiffs befestigt.

Das unzerbrochene Glas 

Als Merkwürdigkeit sei schließlich ein im Pastorate aufbewahrtes Glas erwähnt, das, als es 1743 nach Handwerksbrauch vom neugedeckten Kirchturm herabgeworfen wurde, keinen Schaden genommen hat. Es zeigt eine Ansicht der Kirche, an deren Turm unter einer Krone drei übereinandergelegte Pfeile sowie, ebenfalls überkrönt, die Buchstaben J A D angebracht sind; gegenüber ist die Inschrift eingeschliffen:

Glück und glas wie leicht bricht das?
Doch konnte man dis glas
Nach seinem Wurff vom thurm
Ohn bruch und Schaden sehen,
Der Höchste laß auch unsern ort
In nie gebrochnem glücke stehen!
                    Schlukop Anno 1743 d. 3. Julii.

Der ein Jahrhundert später zu diesem Glase gestiftete hohe geschliffene Deckel ist erst kürzlich abhanden gekommen.

Rechnungsbuch von 1677-1781 unter 1743/44 (S. 355): "Fur das Glaß, das in dem Wurff von dem Kirchenthurme unverletzt geblieben, zu schleifen, sammt dem Deckel 6 . Das Futteral dazu 4 . An denThurmdeckergesellen, der solches besorget, 8 ."

    

 ... zum Seitenanfang