L ü b e c k e r   G l o c k e n k u n d e
Veröffentlichungen zur Geschichte der Freien und Hansestadt Lübeck
Bd.2, Verlag Max Schmidt Lübeck 1913 von Prof. Dr. Theodor Hach

  

Das Kirchengebäude:
Einleitung
Glocke 1: M & O. Ohlsson
Glocke 2: Matthias Benning
Glocke 3: Joh. David Kriesche
Glocke 4: Karsten Middeldorp

 

Weitere Seiten:
Teil 1: Kirchengeschichtliches 
Teil 1: Kunstdenkmäler
Orgel: Orgelgeschichte
 

     Einleitung Glockenstube

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Einleitung

 

In dem spitzen schlanken Turme dieser reizend auf der Höhe am Wasser gelegenen Kirche, deren Fundationsurkunde vom Jahre 1436 datiert, befinden sich vier Glocken, welche teils durch ihre für eine Landkirche bedeutende Größe, teils durch ihr Alter (zwei entstammen noch dem 16. Jahrhundert) nicht ohne Interesse sind.

Glockenstube

 

In der Glockenstube findet sich folgende Inschrift eingeschnitten:

     Glocke 1: M. & O. Ohlsson 1908

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Die Glocke

 

An Stelle einer Glocke von 1597, die jetzt in der Kapelle des Vorwerker Friedhofes aufgehängt ist, befindet sich seit dem Jahre 1908 eine von den Brüdern M. & O. Ohlsson in Lübeck gegossene Glocke von einem Durchmesser von 0,91 m und einer Höhe von 0,80 m. Die Glocke hat eine vierhenkelige schlichte Krone. An der Haube finden sich einige einfache Reifen, ein schmaler Blattfries und ein gotischer Bogenfries.

Fries und Inschrift    
der früheren Glocke    
der Schlutuper Kirche    
von 1597    
(Jetzt in der Kapelle des    
Vorwerker Friedhofs)    

 

 

Inschriften

 

Die Inschriften sind in lateinischer Druckschrift gegeben, und zwar steht auf der einen Seite des Mantels:

Mattias Benning, Hans Wisser, Markes Humborch, Jurgen Nimann,
Vorstender der Kerken tho Slucup . goth mi A. D. 1597 in Lübeck.
Lambertus Risswick, Pastor.

Auf der anderen Seite:

Umgegossen Das ist nicht richtig: es handelt sich hier um einen völligen Neuguß, keinen Umguß einer alten Glocke.  A. D. 1908 Kirchenvorsteher: Jochen Hans Voss, Hans
Hinrich Jürgen Bade, Hans Hinrich Bade, Gerhard Fischer, Pastor, Schlutup.
M. O. Ohlsson | Hof-Glockengießer | Lübeck]

     Glocke 2: Matthias Benning 1590

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Die Glocke

 

Bei 1,12 m unterem und 0,57 m oberem Durchmesser hat die Glocke eine äußere Höhe von 0,93 m und eine innere von 0,88 m. Unter einer am oberen Rand umlaufenden kräftigen Verzierung, derselben wie auf der Glocke von 1597 auf dem Friedhofe zu Vorwerk (Abb. unten), beginnt dann die Umschrift (Lapidar) in zwei Reihen; in der ersten Reihe:

   ANNO. 1590. HEBBEN. DE. ERSAMEN. MENNER. HANS. WISER.
   MARCVS. HOMBORCH. VND. IVRGEN. NIEMAN

unter diesem Kreuz beginnt dann die zweite Reihe

   KARCKSVAREN.THO.SLVCKVP.DVSSE.KLOCKE.DURCH.
   MATTIAS. BENNINCK. IN. LÜBECK. GETEN. LATEN

Die Glocke wiegt 1638 . Sie erhielt 1772 einen neuen Riemen,
der 3   8 kostete.

Aus dem Kirchenbuch

 

Auf die Glocken Nr. 1 (jetzt im Vorwerker Friedhofe) und Nr. 2 bezieht sich, was auf dem 1622 angefangenen Kirchenbuches von der Hand des Pastors Hermann Rodberg (+ 1654) unter den Inventarstücken der Kirche aufgeführt ist:

"Erstlich an Klocken klein und groß: Die eine Klocke, die Anno 97 den 18. July gewogen, wicht 8 S 7 L ; das schippunt new Gutt 83 : (734 ) . Die andere Klocke wicht 5 S  u. 17 L ."

Obwohl die unten als Nr. 4 zu beschreibende Glocke schon damals
vorhanden war, so findet sie sich doch an dieser Stelle nicht erwähnt.

     Glocke 3: Sermonglocke - Joh. David Kriesche 1722

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Die jüngste Glocke

 

Die Glocke ist die jüngste der Kirche, und diesem Umstande verdanken wir einige genauere Nachrichten über sie, welche über Preis und Gewicht Auskunft geben, sowie zugleich in die Naivetät der damaligen Rechnungsführung einen Einblick gestatten.

Maße und Inschriften

 

Der untere Durchmesser beträgt 0,92 in, der obere 0,51 m; die äußere Höhe 0,80 m, die innere 0,76 m. Am oberen sowohl als am unteren Rande findet sich eine Arabeskenverzierung. Auf der einen Seite darunter der gekrönte lübeckische Doppeladler in Relief; zu dessen beiden Seiten je eine Rose mit zweiblättrigem Stiel. Darunter in sieben Reihen die Inschrift:

    (1)  ANNO 1772. IST DIESE GLOCKE DURCH  (2)  
   IOHANN DAVID KRIESCHE IN LÜBECK UMGEGOSSEN ||
   WORDEN. ZU WELCHER ZEIT THOMAS GOTTHARD ||
   NEUMEYER PASTOR UND DIE EHRSAMEN ||
   MÄNNER IOCHIM HAGEN. FRANZ WILLCKEN. ||
   PAUL LANGLOFF. PETER VAGT. VORSTEHER ||
   DER KIRCHEN ZU SLUKUP WAREN -.-

Auf der entgegengesetzten Seite findet sich unter einer ziemlich großen fünfreihigen Krone, zu deren beiden Seiten je ein geflügelter Engelskopf angebracht ist, in vier Reihen folgende Inschrift:

    (2)   SO OFFT DEIN SCHALL •  (1)
   DURCII UNSRE OHREN BRICHT
   SEY UNSER HERTZ AUF GOTT
   UND UNSERN TODT GERICHT

Rechts und links von den beiden letzten Zeilen in beiden Inschriften ist noch eine Blattranke in S-Form angebracht, von denen sich außerdem noch zwei unter der zweiten Inschrift allein vorfinden.

Die ersten Zeilen beider Inschriften sind von zwei Medaillons eingerahmt,
von denen  (1)  eine weibliche Figur mit Schwert und Wage (Justitia) darstellt
und  (2)  ein Herz, aus dem zwei Blumen an beblätterten Stilen hervorsprießen. Zu beachten ist, daß nicht nur Kriesche dieselbe Inschrift Nr. 2 in der gleichen Weise im Jahre 1789 an einer Glocke zu Siebenbäumen im Lauenburgischen angebracht hat (Linsen I, 627), sondern daß sie auch der Lübecker Glockengießer Hermann Kaspar Meyer 1773 mit denselben Medaillons und den Ranken an einer Glocke der Stadtkirche in Eutin verwendet hat.

Kirchenrechnungen

 

Zu den auf der Glocke genannten Personen ist zu bemerken, daß Thomas Gotthard Neumeyer der 17. Pastor in Schlutup war; er wurde am 4. Juli 1755 zum Pastor adjunctus gewählt und starb am B. Januar 1793.

In den Schlutuper Kirchenrechnungen jener Zeit sind die einzeln aufgeführten Posten nicht zusammengezählt, auch ein Saldo nicht ausgeworfen. So erklärt es sich, daß sich die Abrechnung über die Kosten dieser Glocke sowohl in der Kirchenrechnung 1771/72, als auch 1772/73 eingetragen findet, und zwar das zweite mal in etwas anderer Gruppierung und mit weiteren Ausgaben. Es lassen sich daraus folgende Daten entnehmen:

Ehe man sich zum Umguß entschloß, wurde die Glocke "aufgekeilt und der Klöppel in der Glocke zusammengeschmiedet". Es half aber nicht lange und man schritt zum Umguß. Außer der alten Glocke, von welcher wir nichts näheres wissen, ward "neu Glockengut zugetan 912 a 1 ". Die neue Glocke wog 874 , wofür der Gießer 3 für das Pfund = 163 erhielt. Ferner kosteten "die Büchsen dazu
22  zu 1  ". Die gesamte Rechnung des Gießers betrug 306 , wovon er 206 im ersten und 104 im folgenden Jahre erhielt. Da die Glocke in Lübeck auf dem Stadtgießhofe gegossen war, so hatte die Kirche die Transportkosten zu tragen. Sie zahlte "an die Träger in Lübeck die Glocke auf den Wagen zu bringen 7 7 ", "die Glocke heraus (d. i. nach Schlutup) zu bringen 8 4 ", ferner "die Glockengießergeräthschaften (Tau und Gerätschaften zum Aufbringen) hinein (nach Lübeck) zu bringen 1 8 ". Der Schmied erhielt "vor den Beschlag der neuen Glocke" die bedungenen 30 . Außerdem finden sich noch mehrere kleinere Ausgaben; die Gesamtkosten beziffern sich auf 373 6 .

     Glocke 4: Beichtglocke - Karsten Middeldorp 1559

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Die kleinste Glocke

 

Diese kleinste Glocke der Kirche hat 0,65 m unteren bei 0,33 m oberem Durchmesser, 0,54 m äußere und 0,51 m innere Höhe. Am oberen Rande findet sich nur eine einfache Verzierung und darunter die Umschtift:

ANO 1559 GOET MI KARSTEN MEDELDORP VERBVM
DONI MANET IN AETERNVM

Über diese Glocke findet sich in dem schon erwähnten 1622 angefangenen Kirchenbuche auf S. 101 von der Hand des Pastors Karl Klug (+ 1872) die Bemerkung:

"Die kleinste bei der Kirchenuhr hängende Glocke, womit zur Beichte geläutet wird, hat die Inschrift: Anno 1599 goet mi Carsten Middeldorp. Verbum Domini manet in aeternum. Hieraus ergibt sich, daß die Sage unbegründet ist, nach welcher diese Glocke von den Schlutupern, welche ehemals verwegene Seefahrer waren, auf Öland erobert sei. (Klug. P.)". Brehmer Mitt. 1, S. 100.

    

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