S t .   A n d r e a s   O r g e l   1 9 8 9
Festschrift  der St. Andreas-Kirche zur Einweihung einer neuen Orgel
Herausgeber: Kirchenvorstand der Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Andreas Schlutup

  

Die St. Andreas-Orgeln:
Erste Orgel in der St. Andreas-Kirche
Orgel Hantelmann / Vogel
Furtwängler-Orgel
Bruhn-Orgel   
Alte Orgel - Neue Orgel 

 

 

     Erste Orgel in der St. Andreas-Kirche

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Erste Orgel um 1500 

Die Archivalien geben Auskunft darüber, dass die Orgel aus dem 15. spätestens Anfang des 16. Jahrhunderts stammt. Seit 1550 ist die St. Andreas Orgel nachweisbar. Der Erbauer dieser Orgel ist unbekannt.

Die Kirche wird seit 1425 als "neue Kapelle" erstmalig erwähnt anlässlich der für sie gegebenen Stiftung einer "ewigen Messe" durch den Lübecker Rat. Die urkundliche Bestätigung der Filialkirche als selbständige Kirchengemeinde erfolgt erst 1436.

Reparatur 1634

 

Die Orgel muss wegen etlicher Mängel völlig repariert und gereinigt werden. Sie erhält ein neues Regalstimmwerk, die Bälge werden abgedichtet, der Zimbelstern und der Tremulant werden erneuert.

Die Orgel hatte vom Altar aus gesehen rechts hinten in der Ecke ihren Platz, also in der Nordwestseite rechts vom Schwibbogen. Heute sitzt dort der Kirchenchor. Es ist zu vermuten, dass der Orgel wegen die zwei Fenster zugemauert worden sind.

Die Gemeinde hatte großen Anteil an den Gaben zur Orgel (Geld und Sachspenden). Von Georg und Hermann von Lengerich wird berichtet, dass er die Holzbretter für den neuen Chor stiftete. 1645 wurde der Chor unter dem Turm neu gebaut und mit Eichengestühl bestückt. Von der Kirche aus führte eine kleine und enge Treppe zur Orgel. Der Chorraum war sehr beengt.

Bekannt ist aus dieser Zeit, dass der berühmte Küster Asmus Witte diese Orgel spielte. Er war zugleich Organist der Gemeinde. Er verstarb nach 63 Dienstjahren in der St.Andreas-Kirchengemeinde im Jahre 1664.

1705 gab es Pläne zum Neubau einer Orgel. Aber sie mussten aufgeschoben werden, weil andere dringende Aufgaben in der Schul– und Kirchengemeinde wahrzunehmen waren. Das Instrument wurde mehrfach repariert und ausgebessert.

     Orgel von Hantelmann / Vogel

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Neubau 1735 

Der Neubau einer Orgel mit 11 Registern wird am 7.Sonntag nach Trinitatis durch Pastor Otto Albert Blanck eingeweiht.

Orgelbauer war Hans Hantelmann, der vor Vollendung des Baus verstarb. Sein Geselle Christop Erdmann Vogel führte den Instrumentenbau zu Ende. Von den 11 Registern stammten drei aus der alten Orgel; sieben Registerstimmen gehörten zum Manualwerk, vier zum Pedalwerk. Die Prospektpfeifen bekamen eine Zinnfolie, damit sie schöner aussahen. Chronisten haben vermerkt, dass das alte Pfeifenmaterial wertvoller gewesen sei und einen höheren "Erzgehalt" gehabt habe als die neuen Pfeifen. Sie seien sehr dünn und aus geringem Metall hergestellt worden. Wie bei allen alten Orgeln war die Windführung eng und ungenügend. Die Grundstimmen waren nur mäßig besetzt, die Mittelstimmen waren schlecht, es musste eine Mixtur angewandt werden. Die Orgel galt als "schwindsüchtiges, der Grundstimmen ermangelndes Schreiwerk". Aber die Bemalung erfolgte erst 6 Jahre später 1741/42. Gutachter war damals der Organist Sandberg aus St.Aegidien.

Über 900 Taler soll die Orgel gekostet haben. Die Gemeinde hatte die Summe von 370 aufgebracht. Die Senatoren Stüben und Rump gaben vom Bauhof entsprechendes Bauholz. Der von 1728 bis 1755 amtierende Schlutuper Pastor Otto Albert Blanck schrieb anläßlich der Einweihung der Orgel:

Herr! Laß dies Orgel–Werk in gutem Stande stehen,
biß vieler Jahre Lauff unbrauchbar es gemacht;
Daß weder wir noch Kind und Kindes-Kinder sehen:
Es hab ihm Krieg und Brand den Untergang gebracht!
Erhalte es im Bau, sammt diesem deinem Tempel
Bey heil’ger Lieder Klang, und reinem Gottes Wort;
So bleiben wir, und auch die Nachwelt ein Exempel,
Wie deine Vorsorg’ uns erhält an unserm Ort.

Die Disposition der Hantelmann/Vogel Orgel 1734/35 nach W. Stahl, Musikgeschichte Lübecks:

Manual Gedackt 8’
Quintadena 8’
Prinzipal 4’
Rohrflöte 4’ – aus der alten Orgel
Oktave 2’ – aus der alten Orgel
Scharf 3’
Trometa 8’
Pedalwerk Gedackt 8
Tremulant Oktave 4’ – aus der alten Orgel
Zimbelstern

1780 wurde vermutlich die Kirche geweißt. Alle Wandmalereien wurden mit weißer Kalkfarbe übertüncht. 1989 sind gemäß den Auflagen des Amtes für Denkmalsschutz einige dieser Wandmalereien wieder freigelegt worden. Vor der neuen Weißung der Kirche im Juni 1989 wurden etliche Wandmalereienreste durch Restauratoren gesichert.

Renovierung 1818 

Eine Renovierung der Orgel erfolgt wegen der schlechten Klänge. Der Lübecker Orgelbauer Nölck bekommt den Auftrag. Der Organist von Königslöw aus St.Marien hat die Aufgabe des Gutachters übernommen. Der jeweilige St.Andreas Organist muss gegen Vergütung die Orgel stimmen.

Reparatur 1864 

Nochmals wird die Orgel umfassend repariert. Der Orgelbauer Heinrich Schröder aus Lübeck übernimmt diese Arbeiten. Aber der Erfolg ist nicht von langer Dauer. Die altersschwache Orgel wird infolge des schadhaften Kirchendaches stark in Mitleidenschaft gezogen.

Am Sonntag, dem 22. April 1870 verstummte diese Orgel endgültig während des Gottesdienstspiels. Organist an St. Andreas war Herr Propp. Sie musste ersetzt werden. Reparaturen waren unmöglich. Die Finanzlage war schwierig; Rücklagen besaß die Gemeinde nicht. Das Gemeindeeinkommen war jährlich schwankend und gering. Bittgänge beim Senator Behn und Bittschriften an den Bürgermeister Curtius sollten 1.000 Mark Beihilfe einbringen. Der Senat stimmte den Bau zu, freilich mit Bedenken wegen der gerade erfolgten Kriegserklärung mit Frankreich und überwies 400 Mark. Der Rest sollte über Kredite finanziert werden.

     Furtwängler-Orgel

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Neubau 1871 

Den Neubauauftrag erhielt die Firma Ph. Furtwängler und Söhne aus Elze. Am 24.April 1871 erfolgte der Abbruch. 1871, 11. Sonntag nach Trinitatis, am 20. August erklangen wieder schöne Orgeltöne im Gotteshaus. Reste der alten Orgel waren nicht mehr vorhanden. Die neue Orgel wurde mit zwei Manualen, einem Pedalwerk und 13 klingenden Registern erbaut. Gutachter war der Organist Jimmerthal aus St.Marien. Die neue Orgel bekam einen neuen Standort in der Mitte des Chores, wo sie heute auch steht. Der Platz war zu eng geworden. Denn diese Orgel war erheblich größer als die Vorgängerin. Besonders wegen der hohen Prospektpfeifen musste die alte, flache Balkendecke ausgebaut werden. Seit dieser Zeit gibt es in unserer Kirche die zu sehende freitragende Balkenkonstruktion. Hierzu wurde der Architekt Th. Sartorius aus Lübeck beauftragt. Die Decken wurden nach Entwürfen von P.C. Mildes durch den Schlutuper Maler B. Dillner ausgemalt. Das Kirchenschiff wirkte dadurch erheblich größer als zuvor. Die Empore mit der Bilderfront wurde gleichzeitig erneuert und um 5 Fuß verbreitert. Das Emporegestühl wurde für Chorschüler neu gearbeitet. Gleichzeitig wurde die Treppe verlegt und neu gebaut. Ein Photo aus alter Zeit zeigt, wie gut die neue Orgel zur Geltung kam. Es war hell in der Schlutuper Kirche; die Grundfarbe der Decken war weiß und wurde nach Vorgaben des Konservators Mildes mit Ornamenten verziert. Die Akustik war wesentlich verbessert worden.

Der Furtwängler Orgel wurde eine brillante Disposition, kräftige und entsprechend weiche Töne in den Höhen und Tiefen nachgesagt. Den Orgelbauern wurde Geschicklichkeit und Sorgfalt sowie das Beherrschen der fortgeschrittenen Baukunst lobend bescheinigt.

Bis gut um die Jahrhundertwende gab es keine Orgelprobleme. Aber dann machten sich Schäden bemerkbar. Die Furtwängler Orgel sollte vor einem halben Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt werden. Der Schlutuper Kirchenvorstand hatte mit der Lübecker Kirchenleitung über den Orgelneubau verhandelt. Ein Orgelbaufond war eingerichtet worden. Die Aufträge waren der Lübecker Orgelbaufirma Kemper erteilt worden. Prospektentwurf, Konstruktionspläne, Disposition der Register waren festgelegt. Kemper hatte Orgelbaumaterial beschafft. Der Kriegsausbruch vereitelte diese Pläne. Die Kriegsereignisse und die Bombengefahr für Lübeck und die in Schlutup ansässigen Munitionsfabriken veranlassten 1942 den Kirchenvorstand, durch die Firma Karl Kemper das Pfeifenwerk und andere wertvolle Orgelbauteile auf das Land zu bringen und in Behlendorf einzulagern.

Erst nach Kriegsende wurde die Orgelbaufrage erneut diskutiert. 1948 gab es Debatten, ob ein Neubau oder eine umfassende Reparatur die Orgelfrage befriedigend lösen könnte. Eine Entscheidung konnte in dieser wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeit nicht getroffen werden. Die Klagen über das Geklapper und Poltern nahmen ständig zu. Orgeltöne wurden durch Fremdgeräusche überdeckt. Dennoch mussten 15 Jahre ins Kirchenland ziehen. Die defekte Heizung verstärkte die Orgelschäden. 35 Grad Hitze in der Kirche ließen der Orgel nur geringe Ton- und Klangchancen. Eine gründliche Reinigung im Jahre 1953 änderte nichts an der Unzulänglichkeit des Orgelklanges.

Orgel von 1871      

Grundüberholung und
   zugleich Erweiterung 1960
 

Es gab zwischenzeitlich Haussammlungen für den Umbau der Orgel. Eine Grundüberholung und zugleich Erweiterung konnten 1960 von der Firma Emanuel Kemper aus Lübeck vorgenommen werden. Das Rückpositiv kam hinzu; seit dieser Zeit ist die Orgelempore unterbrochen. Die zwei herausgenommenen Emporebilder sind zur Zeit im Turmraum zu sehen. Aber eine wesentliche Verbesserung des Klangbildes konnte nicht erzielt werden, obwohl nur sechs alte Register ganz und vier teilweise übernommen wurden. Entsprechend dem Zeitgeist wurde der Versuch mit Hilfe der Aufhellung der Disposition unternommen, aus einer "romantischen" Orgel eine "Barockorgel" zu bauen. Dies sollte den Idealen der Orgelbewegung Genüge tun. Der Orgelsachverständige schrieb in seinem Gutachten: "Eine gute Ergänzung des alten, romantischen Pfeifenmaterials mit neuem Pfeifenwerk ist 1960 nicht geglückt".

Die Disposition der Emanuel Kemper Orgel auf der Grundlage der Furtwängler–Orgel aus 1871

HauptwerkPrinzipal 8’ – aus Furtwängler-Orgel
Hohlflöte 8’ – zum Teil aus Furtwängler-Orgel
Oktave 4’ – aus Furtwängler-Orgel
Flöte 4’
Gemshorn 2’
Mixtur 4
Trompete 8’ – aus Furtwängler-Orgel
Rückpositiv

Gedackt 8’ – aus Furtwängler-Orgel
Prinzipal 4’
Rohrflöte 4’ – zum Teil aus Furtwängler-Orgel
Oktave 2’ – zum Teil aus Furtwängler-Orgel
Quinte 1 1/3’
Scharf 3’ – zum Teil aus Furtwängler-Orgel
Krummhorn 8’

Pedalwerk

Subbaß 16’ – aus Furtwängler-Orgel
Gedacktbaß 8’ – aus Furtwängler-Orgel
Choralbaß 4’
Nachthorn 2’
Fagott 16’

Koppeln
Tremulant
Mechanische Spiel- und Registertraktur
Schleifladen
Orgel von 1960      

Reparatur 1976 

Trotz der umfangreichen Sanierung war eine große Reparatur der Windladen notwendig geworden. Kemper führte die Schäden auf die starke Oberheizung zurück. 12.000 DM waren erforderlich, um die Schäden zu beheben. Gleichzeitig wurde ein Befeuchtungsgerät gekauft, um weitere Trockenschäden zu vermeiden.

Das letzte große Konzert auf der Orgel spielte der Schlutuper Organist Edgar Louis Baehr am Sonntagabend Quasimodogeniti, dem 2. April 1989. Die allerletzten Orgeltöne erklangen anlässlich einer Hochzeit am Freitag vor dem Pfingstfest, dem 12. Mai 1989. Wenige Minuten nach den Tönen wurden die Pfeifen des Hauptwerkes durch die Mitglieder des Orgelbauausschusses ausgebaut, registriert und mit Preisen für den Pfeifenverkauf auf dem Gemeindefest am 24.6.1989 versehen. Gehäuse, Pedalwerk, Manual, Rückpositiv wurden kompakt an den Lehrer Krohn verkauft. Die neue Bruhn-Orgel enthält keine alten Orgelmaterialien.

     Bruhn-Orgel

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Neubau im Juni / Juli 1989 

Beim Betreten der Kirche zeigt ein erster Blick das schöne neue "Gesicht" der Orgel, den Prospekt. Der Orgelbauer Bruhn hatte die schwere Aufgabe, für eine 550 Jahre alte Kirche ein neues Gehäuse zu entwerfen. Der Prospekt sollte modern sein, sich aber in den vorhandenen Kirchenraum und in die Emporenbrüstung mit ihren alten Bildern einfügen. So wurden Elemente des klassischen Orgelprospektes, die Gliederung in Türme und Felder und deren echoartige Wiederholung im Prospekt des Rückpositivs verbunden mit einer schlichten geraden Linienführung, mit einer Betonung der Senkrechten und Waagerechten. Das Gehäuse der Orgel, das der Hauptorgel wie das des Rückpositivs, ist aus Eichenholz.

Das neue Orgelwerk ist gegliedert in drei Teile: In Hauptwerk, Pedalwerk und Rückpositiv, Hauptwerk und Pedalwerk sind im großen Gehäuse an der Westwand über dem Eingang aufgestellt. Das Rückpositiv, das über dem Mittelgang in die Bilderreihe der Brüstung eingebettet ist, ragt etwas in den Kirchenraum hinein. Der Spieltisch liegt unter dem Prospekt der Hauptorgel. Der Orgelspieler wendet dem Rückpositiv also den Rücken zu. Durch Türen ist der Spieltisch verschließbar. Alle Registerzüge sind damit für den Spieler auf einen Blick zu übersehen und schnell zu betätigen. Rechts vom Notenpult ist ein Fach eingebaut, das die Schalter für den Motor, den Tremulanten und den Zimbelstern aufnimmt und als Notenfach Platz bietet.

Die Tasten sind in drei Reihen angeordnet, zwei übereinanderliegend für das Spiel der Hände, eine für die Füße. Mit dem oberen Klavier werden die Register des Hauptwerks gespielt, mit dem unteren die des Rückpositivs. Der Umfang der beiden Klaviere beträgt 56 Tasten (C bis g 3). Das Pedal hat nur 30 Tasten. Sie sind aber erheblich größer und liegen weiter auseinander. Die Beläge der Tasten der Manualklaviaturen sind für die Untertasten aus Grenadill, für die Obertasten aus Ahorn mit einer Ivora-Auflage (kein Elfenbein). Die Orgelbank ist in der Höhe verstellbar. Das Pfeifenwerk des Rückpositivs steht mit Ausnahme des einen sichtbaren Registers in einem Schwellkasten. Dadurch kann der Klang dieses Werkes in der Lautstärke verändert und den musikalischen oder liturgischen Erfordernissen angepasst werden. Der Schweller wird betätigt durch einen Fußhebel im Spieltisch. Im Rückpositiv ist ein Zimbelstern eingebaut: Ein kleines Glockenspiel ertönt und der Stern in der mittleren Pfeife dreht sich.

Nur eine geringe Anzahl Pfeifen sind von außen, im Prospekt stehend, zu sehen. Die neue Orgel hat 1.300 Pfeifen, die kleinste ist nur wenige Millimeter lang, die größte misst drei Meter. 560 Pfeifen stehen im Rückpositiv, die restlichen, darunter die größeren, im Hauptgehäuse. Das Pfeifenwerk ist in Register geordnet, das sind Reihen gleichklingender Pfeifen, für jede Taste eine Pfeife. Diese Register sind einzeln zu schalten. Der Spieler wird sich durch entsprechende Auswahl den gewünschten Klang zusammenstellen. Im Hauptwerk stehen 7 Register, im Rückpositiv 8 und im Pedal 6, doch kann hier ein Register des Hauptwerks dazugeschaltet werden.

Alle Register unterscheiden sich im Klang, weil deren Bauart und Material unterschiedlich sind. Holzpfeifen sind aus Mahagoni, Metallpfeifen aus einer Legierung von Zinn und Blei, wobei der Zinnanteil 33% bei Flöten beträgt und 67% bei Prinzipalpfeifen. Drei Register bestehen aus Zungenpfeifen, alle übrigen aus Lippenpfeifen, die wie Blockflöten funktionieren.

Fast alle Teile der neuen Orgel wurden in der Orgelbauwerkstatt Bruhn in Aarslev bei Apenrade gehaut. Diese Orgelbaufirma umfasst viele Gewerke: Ein Konstruktions- und Zeichenbüro, die Tischlerwerkstatt, in der das Gehäuse, die Holzpfeifen und die Windladen hergestellt werden, die Pfeifenmacherei sowie eine Schlosserwerkstatt. Schließlich auch noch die Intonierstube, in der alle Pfeifen erst einmal grob zum Klingen gebracht werden. (Die Feinheiten erfahren die Pfeifen im Kirchenraum). Nur das Orgelgebläse, die Klaviaturen und den Tremulanten hat der Orgelbauer von einer Spezialfirma in Württemberg bezogen

Orgel von 1989      

Disposition 

Die Disposition der neuen Bruhn-Orgel

HauptwerkPrinzipal 8’
Spitzflöte 8’
Oktave 4’
Rohrflöte 4’
Oktave 2’
Mixtur 4 fach
Trompete 8’ – als Transmission im Pedalwerk
Rückpositiv

Gedackt 8’
Prinzipal 4’
Koppelflöte 4’
Nasat 2 2/3'
Waldflöte 2'
Terz 1 3/5’
Scharf 3 fach
Cromorne 8’

Pedalwerk

Subbaß 16’
Oktavbaß 8'
Gedacktbaß 8’
Choralflöte 4’
Nachthorn 2’
Fagott 16’

Normalkoppeln(3 Stück)
Rückpositiv im Schwellkasten
Orgel um 2000      

Einige weitere
   technische Angaben
 

: Die Pedal- und Hauptwerkszungen sind ohne Hilfskraft über ein Stimmklavier zu stimmen. Die Schleifladen sind aus Mahagoni, die Fundamentplatten kreuzgeleimt, 13 mm stark. Die Ventile aus Reedwood sind garniert und beledert, Pulpeten sind aus Blei hergestellt. Die Schleifen sind in einer Schicht aus Pertinax, die Abdichtung wurde mit Schmid-Ringen vorgenommen. Die Spieltraktur ist selbstregulierend aufgehängt, Wellen und Winkel sind aus Holz, weich gelagert, nur im Spieltisch sind aus Platzgründen Aluminiumwellen in garnierten Holzwellenhaltern verwandt. Die Abstrakten wurden aus Kiefernholz und Messingdrähten hergestellt. Die Wellen der Registertraktur sind aus Aluminium mit Achsstiften aus Nylon gearbeitet. Die Zugstangen wurden in Eichenholz gefertigt.

Das Ständerwerk der Orgel ist aus Holz. Außer dem Rückpositiv sind alle Werke mit Windladenbälgen betrieben. Windkanäle sind aus Mahagoni, nur vereinzelt wurden flexible Rohre verwandt. Der Windmotor steht in einem geräuschisolierten Kasten. Die Mensuren wurden nach der Akustik des Kirchenraumes und der Funktion der einzelnen Register in der Gesamt-Disposition von Orgelbaumeister Bruhn festgelegt.

     Alte Orgel - Neue Orgel

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Zustand der alten Orgel 

Über den Zustand der alten Orgel in der St.Andreas-Kirche zu Lübeck-Schlutup
von Edgar-Louis Baehr (Kantor u. Organist in der St.Andreas-Kirchengemeinde)

Als ich bei der Übernahme als Organist in St.Andreas anlässlich des Probespiels in Schlutup weilte, fiel mir auf, dass die Spielmechanik sehr schwer, ja fast unspielbar war. Ich gewann den Eindruck, dass die Traktur unserer alten Orgel die schwerste aus Stadt and Land ist. Die einzelnen Stimm- oder die klingenden Registerzüge der drei Werke waren auf beiden Seiten hermetisch verteilt, für den Spieler recht unübersichtlich. Bei der Beobachtung der Prospektpfeifen des Hauptwerkes bemerkte ich, dass es sich dabei um ein minderwertiges Zinkmaterial handelte, dass äußerlich hell mit Farbe behandelt wurde. Bei einer späteren Besichtigung der Orgel im Inneren der Orgel wurde mir deutlich, dass das Gehäuse des Hauptwerkes, in dem auch die Pfeifen des Pedals ihren Platz finden, teilweise aus Sperrholz ist. Ich bin in der Annahme, dass die Orgelpfeifen aus gewalztem Zinn bestehen, da sie einen recht dunklen Eindruck hinterlassen.

Überhaupt meine ich, dass das Material unserer Orgel im Inneren sowie im Äußeren aus verschiedenen Epochen des Orgelbaues besteht. Das Rückpositiv, das der Gemeinde zugeneigt ist, bietet recht sanfte Stimmen, die jedoch in ihrem Klangvolumen nicht für den Kirchenraum geeignet ist.

Hiermit durfte ich in kurzen Ausführungen meine Eindrücke über den Zustand unserer alten Orgel wiedergeben und ich bedanke mich bei Herrn Pastor Jackisch für die großen Bemühungen anlässlich des Baues unserer neuen Orgel. Mein Dank gilt der Orgelbaufirma Bruhn, die als Qualitätsfirma im skandinavischen Raum ihren Namen hat sowie für die tatkräftige Unterstützung bei unserem Orgelbausachverständigen, Herrn Hamdorf aus Hamburg. Mein Dank gilt dem Schlutuper Kirchenvorstand und allen Menschen, die finanziell fördernd den Bau unserer neuen Orgel unterstützt haben.

Links: Ausbau der Orgel    
Rechts: Einbau der Orgel    
 

        

Grußwort
   Kirchenkreis Lübeck
 

Propst Dr. Niels Hasselmann
(Kirchenkreis Lübeck der Nordelbischen Evangelisch–Lutherischen Kirche)

So lange ich in Lübeck bin – seit 1979 –, wurde von einer neuen Orgel in Schlutup gesprochen, weil die alte in der Tat asthmatisch und altersschwach war. Jetzt ist es so weit, dass die neue Orgel aus Dänemark zu Gottes Lob und zur Freude der Gemeinde erklingen kann. Die Gemeinde hat nicht aufgegeben, hat großen Durchhaltewillen bewiesen und durch viele Basare und Spenden den größten Teil der beträchtlichen Summe für die Orgel zusammengebracht. Ich hoffe, dass viele jetzt auch Freude an dem Klang der Orgel haben und entsprechend Gottesdienste und Konzerte besuchen werden, um ihre gestresste Seele zu erquicken.

Mit den Wünschen von Kirchenkreis und allen Lübecker Gemeinden freuen wir uns mit den Schlutupern.

Grußwort
   Kirchenvorstand
 

Günter H. Jackisch (Pastor, Vorsitzender des Orgelausschusses)
Andreas Sonnenberg (Pastor)
Manfred Braasch (Vorsitzender des Kirchenvorstandes)

Ein großer Wunsch der St.Andreas–Kirchengemeinde ist in Erfüllung gegangen. Die neue Orgel ist fertig! Die Zeit der Unsicherheiten während des Orgelspiels gehören der Vergangenheit an.

Unter großen Anstrengungen hat die Gemeinde eine Orgel neu bauen lassen. Hersteller ist die Firma P. Bruhn und Sohn aus Dänemark, Aarslev bei Apenrade. Das ist ein guter Grund zur Freude und zur Dankbarkeit.

Der Kirchenvorstand hat vor Jahren einen weitreichenden Entschluss in einer Zeit gefasst, in der überall von Kürzungen der Haushaltsmittel die Rede war, Geld für dringlichere Aufgaben reserviert werden musste, wirtschaftliche Entwicklung kaum Anlass auf Besserung versprach. Dennoch wollte und musste der Kirchenvorstand das Vorhaben eines Orgelneubaus wagen.

Heute sind wir im Rückblick dankbar, dass diese Entscheidung damals getroffen worden ist. Denn eine umfassende Sanierung wäre langfristig gesehen unwirtschaftlich gewesen, wie ein Blick in die Geschichte der St.Andreas–Orgeln zeigen kann. Denn Reparaturen in welchem Umfang auch immer hätten die Symptome, nicht aber die Ursachen zu beseitigen geholfen.

Im Blick auf die Zukunft darf festgehalten werden, dass einerseits die nächste Generation frei sein wird von Orgelproblemen; andererseits wird sie freie Hand besitzen, um andere kirchliche Aufgaben wie zum Beispiel die Kirchhofsmauer, die Turmuhr, einen Clubraum , die Aufhellung der Kirchendecke usw. bewerkstelligen zu können.

Die neue Orgel hat viel Geld gekostet. Über 340.000 DM mussten bezahlt werden. War das richtig? Wir denken, dass Christen immer wieder neu des ermutigenden Zuspruchs und des Lobens und Preisens Gottes im Gottesdienst benötigen, um sich im Alltag zurechtzufinden.

Die neue Orgel soll kein Museumsstück werden. Sie soll umfassend wie nur möglich im Gottesdienst, in den Amtshandlungen, in den Konzerten genutzt werden. Der Orgelausschuss wird sich umbenennen, um sich die Aufgabe zu stellen, die Kirchenmusik in St.Andreas zu fördern.

Die neue Orgel mache uns zu einer fröhlichen und singenden Gemeinde.

Dass mit der Einweihungstage gleichzeitig unsere Kirche in strahlendem Weiß erscheint, der wunderbare Altarteppich wieder restauriert worden ist, rundet diesen festlichen Tag in besonderer Weise ab.

Orgelträume
   von Manfred Braasch
 

Erinnern Sie sich? Dieser Artikel stand vor drei Jahren in der Jubiläumsschrift
„550 Jahre St.Andreas Kirchengemeinde".

Ich träumte, in unserer Kirche steht eine funkelnagelneue Orgel, die Empore hat wieder ihr altes Gesicht, der Klang der Töne ist rein und nie mehr kommen die Töne, wenn Ruhe sein sollte.

Muss dieses wirklich ein Traum bleiben? Wir sammeln nun schon ca. vier Jahre und ein Ende ist doch noch lange nicht in Sicht. Wir haben zwar schon stolze DM 40.800,– zusammen; eine neue Orgel kostet nach meiner Schätzung etwa DM 180.000,- bis DM 200.000,–. Es lohnt sich deshalb noch nicht einmal, einen Kostenvoranschlag einzuholen!

Wie geht es also weiter? Bleiben es Träume?

Ich möchte einmal nicht nur träumen und rechne so: Wir haben zur Zeit zusammen rd. DM 40.800,-. Das Altstadtfest rund um die Kirche – in unserem Jubiläumsjahr - bringt einen Reinerlös von rd. DM 20.000,–, die Schlutuper Geschäftswelt spendet anlässlich der 550-Jahr-Feier nochmals rd. DM 20.000,–. Das sind dann zusammen schon DM 80.800,-.

Wir sind etwa 4.900 Gemeindeglieder. Jeder zahlt zwei Jahre lang einen jährlichen Betrag von DM 10,–, das sind monatlich noch nicht einmal 85 Pfennige pro Gemeindeglied. Dieses ist sicher zu optimistisch, da unter den 4.900 Gemeindegliedern ja auch viele Kinder und Schüler sind. Dennoch 85 Pfennige pro Monat sind für jeden Einzelnen kein großer Betrag, in der Endabrechnung jedoch eine Riesensumme.

Da 4.900 mal DM l0,- nach Adam Riese immer noch DM 49.000,- sind, macht das in zwei Jahren DM 98.000,– aus. Bei solchen angesammelten Beträgen bekommen wir den Rest sicher über Zuschüsse, ob von der Stadt oder vom Land, ob vom Kirchenkreis oder von der Nordelbischen Landeskirche oder von anderen namhaften Institutionen oder von allen gemeinsam. Dann hätten wir den Betrag also schon Ende 1988 zusammen. Da die Orgel eine lange Lieferzeit hat - sie wird ja extra für unsere Kirche angefertigt – müssen wir schon bald den Auftrag erteilen!

Bleiben das Träume?

Zum Träumen schön -
   unsere neue Orgel
   von Günter H. Jackisch
 

Ein langer Atem war notwendig gewesen, um diesen großen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Der 9. Juli 1989 – 7. Sonntag nach Trinitatis – ist ein bedeutender Tag in der Geschichte der St.Aadreas Kirchengemeinde Lübeck–Schlutup.

Das ist eine große Freude. Die neue Orgel erklingt im Festgottesdienst der über 550 Jahre alten Kirche. Die Gemeinde nimmt an diesem Ereignis starken Anteil. Tiefempfundener Dank einerseits und auch ein gewisser Stolz andererseits sind den vielen Schlutupern anzumerken.

Es war ein langer Weg bis zu diesem festlichen Tag. Bei meinem Amtsantritt vor zehn Jahren in Schlutup war bereits die Rede davon, eine neue Orgel haben zu wollen. Aber wie sollte dieses Vorhaben verwirklicht werden? Zahlreiche andere notwendige Probleme galt es vorrangig zu lösen. Da gab es die dringlichen Investitionen wie Jugendraum, neue Kindergartenräume, Renovierung des Turmraumes, der Friedhofskapelle, der Kirchenmauer, Schaffung der neuen Gemeinderäume, usw. Diese Vorhaben mussten im Blick bleiben neben vielen kleinen und größeren Reparaturen der kirchlichen Gebäude. Die eigentliche Gemeindearbeit sollte nicht zu kurz kommen. Der Kirchenvorstand stand vor schwierigen Aufgaben, die zu entscheiden nicht immer leicht waren. Sollte die Orgel Priorität vor anderen dringlichen Bauvorhaben bekommen ?

Die Orgel spielte ja – noch! Aber wie lange währte diese Frist? Einige Jahre würde sie weiterhin spielbar bleiben. Sanieren oder Neubau lautete die Grundsatzfrage. Es wurden mehrere Kostenangebote eingeholt sowohl für eine gründliche Instandsetzung der Orgel als auch für Reparaturen an einzelnen Bauteilen. Die Kosten schwankten erheblich zwischen 65.000 DM und 192.000 DM. Verwirrung stiftete die Aussage eines Orgelbauers, unsere alte Orgel sei gut und einfach instand zu setzen. Es setzte eine längere Denkpause ein; ein weiteres Gutachten wurde angefordert, aber wegen der Finanzlage zunächst abgelehnt. Später wurde ein neues Gutachten erstellt.

Einsichtig war für jeden, dass laut Gutachteraussage die Orgel nur bedingt reparabel war. Also durfte keine einzige Mark für Reparaturen ausgegeben werden. Mit geringen Mitteln konnte sie spielbar gehalten werden. Aber der Druck wuchs von Jahr zu Jahr mehr, eine neue Orgel bauen zu müssen. Schräge und schiefe Töne waren mittlerweile unüberhörbar; so mancher Heuler war nicht zum Schweigen zu bringen. Nur Organistenkunst hielt das Gespielte einigermaßen ohrenfreundlich.

Der Zustand der Orgel war laut Gutachteraussage beschämend. Für Orgelspieler war die Bedienung der Orgel mehr als nur eine Zumutung. Das Spiel war ungleichmäßig und ausgesprochen schwer. Der Orgelsachverständige maß einen "Tastendruck weit über 250 g". Der Höchstwert des Messgerätes war überschritten. Gesundheitsschäden wurden den Orgelspielern bescheinigt.

Die Koppelanlage war zwischenzeitlich unbrauchbar geworden. Der Winddruck konnte während des Spiels nicht konstant. gehalten werden.

Allen war mittlerweile klar geworden, dass der Orgelneubau forciert werden müsste. Der Orgelausschuss hatte bereits gute Vorarbeit geleistet; war er doch seit Jahren kontinuierlich mit dem Orgelproblem beschäftigt gewesen. Die Planungsarbeiten wurden konkretisiert. Aber die Hauptsache fehlte: das Geld zum Bezahlen. Sollten also Träume Schäume bleiben?

Wie konnte ein Weg gefunden werden?

Die Meinungen hierzu waren bunt. Verständlicherweise gab es die Praktiker und die Träumer. Die ersten wollten praktische Schritte gehen. Eine größere Reparatur mit geringen Geldmitteln. Auch ein Ziel wurde ernsthaft diskutiert. Eine elektronische Orgel wäre relativ schnell bezahlbar mit dem ersparten Geld und weiteren 1 bis 2 Jahren Spendenpraxis. Eine elektronische Orgel hätte zudem viele Register, mehr als nötig, wäre auf dem neuesten technischen Stand. Die alte Orgel könnte als Kulisse dienen und das elektronische Gerät so eingebaut werden. Das Kircheninnere würde im Aussehen keinen Schaden nehmen. Aber wie würde ein künstlicher Ton in der ehrwürdigen Kirche klingen? Das Thema Orgel wäre dann endlich abgehakt worden. Wie sollte außerdem eine Orgel wie die jetzige bezahlt werden, lautete das stärkste Argument. Wie sollte Schlutup jemals soviel Geld in der Größenordnung eines großen Einfamilienhauses zusammen bekommen?

Träume sind ja Schäume – so die einen, die Pragmatiker.

Gibt es in unserer Zeit nicht wichtigere Dinge zu tun als eine neue Orgel zu bauen? Sparen wäre angesagt in dieser wirtschaftlich unsicheren Zeit! Gespart hat die St.Andreas–Gemeinde seit jeher, das ist nachweisbar und fast allen bekannt. Wichtigeres mag es immer geben. Aber die Gemeinde hielt es ebenso wichtig, ihre Gottesdienste mit schönem Orgelklang zu begleiten. Die Ehre Gottes sollte in unseren Jahren nicht zu kurz kommen, wie es ohnehin oftmals der Fall ist. Ein bewusstes Zeichen setzen, ja. Aber die anderen, die fernen Nächsten sollten nicht vergessen werden. Deswegen wurden sehr bewusst Kollekten für Bedürftige und Notleidende gesammelt. Es galt auch der Kritik standzuhalten, in den sogenannten großen Gottesdiensten möge für die eigene Sache, die Orgel, kollektiert werden. Sicher hat das Schöne seine Berechtigung, aber die Hungernden sind vorrangiger. Wie gut, das an dieser Stelle kein fauler Kompromiss eingegangen worden war.

Aber zweitens gab es in der Tat Träumer. Sie entwickelten Visionen einer echten Orgel. "Wenn, dann richtig ..." wurde zum Motto erklärt. In Eiche, Handwerksqualität, optisch gut eingefügt in das Kirchenschiff, sie könnte lieber einige Register weniger als die alte Furtwängler-Orgel besitzen, aber echte Pfeifen und keine elektronisch Töne müsste sie haben.

So träumten sie und merkten gar nicht, wie sehr sie ihren Ehrgeiz entwickelten, hart zu arbeiten begannen, andere mit ihren Träumen ansteckten und schließlich gar die elektronischen Pragmatiker zu Zweiflern werden ließen.

Träume blieben keine Seifenblasen, schön im Fliegen anzusehen, aber zum Platzen geboren. Nein – das Gegenteil war der Fall.

Träume blieben in St.Andreas keine Schäume. Mit einer gewissen Verbissenheit wurden sprichwörtlich Pfennig um Pfennig, Groschen um Groschen, Mark um Mark zusammen getragen. Im Rückblick heißt das konkret: Senioren strickten und häkelten, Frauen bastelten für Basare, Männer arbeiteten auf den Gemeindeveranstaltungen, Choristen sangen, Benefizkonzerte fanden statt, Solisten und der Passatchor, der Polizeichor und die Knabenkantorei sangen, Referenten hielten Vorträge usw. Ob auf Seniorenausflügen, anderen Feierlichkeiten oder in Gruppenstunden: immer wieder wurde gesammelt: Mark um Mark. Kleinere und größere Geldbeträge kamen zusammen. Spendenaufrufe verfehlten nicht ihre Wirkung. Etliche Einzel und Dauerspender halfen mit kleineren oder größeren Beträgen. Die Mitarbeiter haben Zeit, Engagement und Freude zugunsten der Orgel eingebracht.

An Ideen und Phantasiereichtum fehlte es in Schlutup nicht. Alle wussten sie: meine und deine Arbeit ergeben allein nicht viel, aber zusammen ... und dann begannen sie wieder zu träumen. Was wäre, wenn diese Träumer nicht durchgehalten hätten. An dieser Stelle sei allen Gemeindegliedern ein herzliches Dankeschön gesagt: dem einzelnen Spender, dem treuen, regelmäßigen Geber, den ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern für ihren Einsatz. Den Träumern für die langen Atemzüge ihrer Vision von einer Orgel, wie sie sein könnte, aber nicht war und nun geworden ist.

Ohne diesen Einsatz wären wir gewiss heute noch nicht am Ziel.

Um dieses Ziel zu erreichen, gab es in der Tat mehr als nur Arbeit. Einsatz, Engagement und auch ein Schuss Vision waren notwendig. Aber daneben mssten planerische Aufgaben wahrgenommen werden. Der Orgelausschuss war vom Kirchenvorstand beauftragt worden, die erforderlichen Planungen vorzunehmen. Allen Beteiligten war deutlich, dass in die alte Fischerkirche eine Orgel gehörte, die der Würde des Sakralraumes entsprach und in der Ästhetik keine Wünsche offen ließ. Schließlich ist unser Kircheninventar Ergebnis eines über Jahrhunderte anhaltenden Prozesses. Während der Abfassung dieser Zeilen ist die Frage der Farbgebung offen: Eiche natur und mattiert, gebeizt, in Lackfarbe, Eiche gekalkt. Die Vorschläge müssen von den Entscheidungsträgern geprüft werden.

Nicht jeder Entwurf würde in die Kirche passen. Da zeigt sich schnell, dass der Vorschlag einer Hamburger Orgelbaufirma unmöglich erschien. Diese Firma hatte sich die gestellte Aufgabe offenbar zu leicht gemacht. Sie hatte anhand von Kirchenphotos den Orgelprospekt entworfen und telephonisch die Maße für das Orgelgehäuse erfragt. Hier rächte sich, dass die Atmosphäre des besonderen Kirchenraumes nicht erspürt worden ist.

Die Ausschussmitglieder waren durch die Lande gereist, um fertige Orgeln in der kirchenmusikalischen Praxis zu besichtigen. Sehr gute und minder gute Orgeln gab es zu sehen und zu hören. U.a. fanden wir eine restaurierte Orgel vor und wurden in unserer Absicht nachträglich aus der Praxis heraus bestätigt, eine alte Orgel in dieser Form nicht wieder reparieren zu sollen. Alt bleibt alt und neu ist neu. Diesen Grundsatz beherzigt zu haben, sind wir heute glücklich. Aber wir sahen und hörten auch Orgeln zum Träumen schön. In solchen Augenblicken schweiften die Gedanken gen Schlutup.

Viele Firmen wurden begutachtet, Ergebnisse festgehalten und in zahlreichen Diskussionen hin und her ge- und verworfen. Es gab kontrovers geführte Debatten. Sie erzielten das eine Ergebnis: wenn, dann richtig ...", also nur diese Orgel. Der gesamte Entscheidungsprozeß war nicht einfach. Heute darf ohne Umschweife gesagt werden, dass wir über die getroffenen Entscheidungen froh sind.

Der Orgelausschuss arbeitete unter fachlicher Beratung des Orgelbausachverständigen Herrn Klaus Hamdorf aus Hamburg. In ihm haben wir einen kenntnisreichen Sachverständigen gefunden. Er hat neben der Beratung auch den Neubau in der Werkstatt in Dänemark wie den Einbau der Orgel vor Ort überwacht. Ihm und dem ehemaligen Organisten Norbert Drechsler und dem seit 1981 amtierenden Organisten Edgar Louis Baehr, zugleich gelernter Orgelbauer, ist für die sachkundige Beratung, für die Hilfestellung in den Dispositionsfragen, herzlich zu danken. Dieser Dank gilt dem Orgelbauer und seinen Mitarbeitern für die saubere und solide Arbeit.

Der Sparwille war in der Gemeinde groß. Das bedeutete in einzelnen Arbeitsbereichen Verzicht auf Sonderausgaben. Denn die Finanzierung erwies sich in den ersten Jahren als das schwierigste Problem, das es zu lösen galt. Das war der große Alptraum vieler langer Beratungsstunden und Sitzungen.

Neben dem Einsatz der Mitarbeiter und den Spendern gab es das Wohlvollen etlicher Institutionen. Ausdrücklich sei hier den Entscheidungsträgern und den Vermittlern ein herzlicher Dank gesagt: namentlich dem Kirchenkreis für 3 Jahresraten, dem Land Schleswig Holstein und dem Bund für die Unterstützung aus dem Zonenrandförderungsprogramm, dem Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein, der Sparkasse Lübeck, der Friedrich Bluhme und Else Jebsen–Stiftung, der Possehlstiftung, den Schlutuper Firmen.

Es versteht sich von selbst, dass an dieser Stelle die zahlreichen Einzelspender nicht namentlich aufgeführt werden können. Etliche wollen ungenannt bleiben. Sie sind Schlutuper oder der Kirchengemeinde Schlutup eng verbunden. Zum Träumen für die Ökumeniker ist die Tatsache, dass die katholischen Geschwister ihr Scherflein zu unserer Orgel beigetragen haben. Zum Träumen für das Gemeinwesen Schlutups ist, dass die Vereine, ob der Gemeinnützige oder der Sport, die Feuerwehr oder die politischen Parteien, sie alle haben sich vornehmlich auf dem Kirchenjubiläum 1986 tatkräftig und finanziell engagiert, Danke dafür, dass sie alle die Alpträume zu mindern halfen.

Man muss es sich deutlich vor Augen führen: einige ließen größere Beträge dem Orgelkonto zufließen, andere kleinere, regelmäßig oder spontan. Aber es gab Situationen, die Betroffenheit aus1östen, ja beschämt machen konnten: Altenheimbewohner gaben Geldbeträge von ihrem kargen Taschengeld. Das hieß für die Geber Verzicht auf normale Konsumgenüsse. Insider wissen um diese tiefe Bedeutung.

Eine zinsträchtige und sachkundige Finanzverwaltung war kontinuierlich mit dem Kirchenvorstandsvorsitzenden vorhanden. Ein geschickter Finanzierungsplan und diverse Finanzierungsmodelle wurden entwickelt.

Allen sei ein herzlicher Dank ausgesprochen. Sie haben aus Träumen Wirklichkeit werden lassen.

Die Pläne waren reif. Die Träumer durften aufwachen. Die Ausschreibung konnte nach den notwendigen kirchenaufsichtlichen Genehmigungen vorgenommen werden. Drei Firmen kamen in die engere Wahl. Eine dänische und zwei deutsche Orgelbaufirmen wurden aufgefordert, ihre Angebote abzugeben. Die Angebotspreise ließen fast keine andere als die getroffene Wahl zu. Ein Hamburger Entwurf war unzumutbar, der Preis unverständlich. Der Kieler Entwurf entsprach nicht den Vorstellungen und hätte sich schwer in die Kirche integrieren lassen. Zu barock, wie Kirchenvorstand und das Amt für Denkmalspflege meinten.

Der dänische Vorschlag war mit einigen geringen Korrekturen er optimale. Der Orgelneubau würde sich unaufdringlich in das Kircheninnere einfügen lassen. Der Preis war nach Verhandlungen in Dänemark mit der Firma akzeptabel. Die Konditionen stimmten.

Mit dem Orgelausschuss, dem Kirchenvorstand, dem Amt für Denkmalspflege, dem Kirchenbauamt Lübeck, dem Dezernat für Kirchenbau aus der Nordelbischen Kirche in Kiel war abschließend in allen Fragen Einvernehmen erzielt worden. Dafür ist zu danken; dem Kirchenvorstand gebührt Anerkennung für seine weitsichtigen Entschlüsse. Der Auftrag konnte erteilt werden, zunächst war die Vergabe auf eine kleinere Version begrenzt. Aber dann kamen die erwarteten Zusagen der öffentlichen Mittel bzw. der Stiftungen. Der Auftrag durfte erweitert werden. Die schrittweise erfolgte Beauftragung erforderte Mehrarbeit. Aber es galt, eine Verschuldung der Kirchengemeinde zu vermeiden. Heute haben wir eine Orgel, die in der Größe unserer alten Furtwängler-Orgel entspricht. Und als Krönung hat die Orgel einen Zimbelstern erhalten.

Die neue Orgel ist bezahlt! Die alte Orgel hat ein Schulmeister erworben; lediglich mit Ausnahme der Pfeifen aus dem Hauptwerk. Diese Pfeifen werden auf dem Gemeindefest allen Schlutupern und Freunden der Gemeinde preisgünstig als Dankeschön zum Kauf angeboten.

Möge das Orgelspiel immer zum Lobe Gottes erklingen. Die Musik hat in der Kirche ihren angemessenen und unaufgebbaren Platz. Christen wissen viel von ihrem Glauben zu erzählen und ebenso zu singen. Was Schlutuper in der Kirche, in den Gottesdiensten, in den Konzerten, in ihrem Leben zu verkündigen haben, braucht Angemessenheit: eine ordentliche Orgel. Die Orgelmusik ist heute als Begleiterin vieler entscheidender Lebensstationen undenkbar geworden. Denn die frohe Botschaft Jesu Christi hat es mit uns zu tun, die wir aus Leib and Seele, Herz und Gemüt, Gefühl und Verstand bestehen. Deshalb soll das Evangelium zur Zeit und zur Unzeit fröhlich gepredigt, gesungen und musikalisch mit der Orgel begleitet werden. Die Gemeinde soll sich in den Gottesdiensten, in den Feiern sowie in den Konzerten an den Klängen der Orgel mit ihrer oftmals geplagten Seele erbauen. Aufgabe der Orgel ist es, die Gesänge der Gemeinde nicht nur in der Freude, sondern auch in dem Leid anzustimmen und zu führen. Unser Lob, aber auch unsere Trauer, unsere Anbetung, aber auch unser Verzagen dürfen zum Ausdruck kommen.

Die neue Orgel kann erklingen: nutzen wir dieses Geschenk.

S o l i   D e o   G l o r i a !
A l l e i n   G o t t   i n   d e r   H ö h e   s e i   E h r e !

    

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